Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1840)
- Article
- Algier: Betrachtung über die Mädchenschule daselbst
- Date
- 1840-09-26
- Page
- 298 (sequence 2)
- Language
- German
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.298 erhielt und außerdem die Ehre hatte, von Frau von > Salles (Tochter des Statthalters) bekränzt zu werden. > — 61 Preise wurden vertheikt. und die ausgezeichnetsten Schülerinnen von angesehenen Personen bekränzt. Ms Preis für eine Arbeit wurden zwei mit Siber beschlagene. ■ Necessairs gegeben. Der Oberst., Herr Bedeau, war so gütig, die ganze Musik seines Regiments zu schicken, welches bei jedem Preise ein herrliches Stück spielte, was die Feierlichkeit sehr erhöhte rc. Mir wac die Theilnahme ein süßer Ersatz für die körperlichen Leiden, welche'mir die Last der alleinigen Leitung einer Schule von 70—-80 Zöglingen, bei schwächlicher Constitution, verursacht." Wie gesagt, wir wollen die Institutionen des fernen Algins,. die erst in der neuesten Zeit aufzuleben beginnen, nicht mit unsren deutschen Ansprüchen messen und darum uns auch jedes weitern Urcheils enthalten, vorzüglich daß es der Französin nicht gefallen hat, über den Geist und daß innere Leben ihrer Anstalt ein Wort zu vertieren, wenn man dasselbe nicht vielleicht nach seiner Schale zu beurtheilen im Stande ist: aber leid thut es uns doch, daß die dortigen Eingebornen auch erst durch die Schule der französischen Koketterie gehen sollen, leid um die Kleinen, die schon von ihrer knospenden Jugend an in die Künste ebner verwerflichen Ostensation und Schmeicheleieingeweiht werden, leid, daß die Behörden Diüge unterstützen, die nicht in die Schule, sondern auf ein Kknderfest höchstens gehören, wie z. 35. das Tuschblasen. — Mehr freuen wird es uns, wenn uns das Archiv, israel. einmal von einer rechten und achten Volksschule von dorther berichten wird. B e l g r e »♦ §81 uff et, 1. Sept. Ein ausführlicher Pro-. speetus stellt, die Eröffnung einer höhern jüdischen. Schulanstalt hierorts in Ansicht. Der Unternehmer ist der Dr. A. Mayer, aus Baiern, der sich längere Zeit in Paris aufgehalten hat,, wo vorzüglich das Studium der. orientalischen Sprachen ihn beschäftigt hat.^ Die Anstalt will, neben allen höhern Bildungsgegenstände.n,. auch hebräische Sprache und Literatur anbauM. Sie scheint einen ausländischen Ruf erwerben und Pensionairs aus nahe und fern, herbeiziehen. zu wollen, darum werden auch, dir deutsche und französische Sprache., nicht weniger auch die englische,, als Umgangs- und Schulsprachen. an-, gebaut werden. Im. Ganzen will sie. eine wissenschaftlichpraktische Bildung erzielen.. Deutschland. Beplri'm September 1840. Ein Wort über die religiösen Zustande der Juden in Berlin. Es könnte' manchen der geehrten Leser dieses Blattesbefremden,' warum ich diesen Bericht, die religiösen Zustande der Juden und nicht der jüdischen Gemeinde überschnellen habe, allein, versteht man unter Gemeinde, eine Religionsgenossenschaft, die bemühet ist, das Wohl und die immanenten Interessen ihres höhern geistigen Verbandes, der Religion, allseitig und allzeitig zu fördern, so daß jedes einzelne Individuum dieser Gemeinschaft dieses Streben zum Gegenstände und Endzwecke seiner Thätigkeit macht, so käme ich allerdings in nicht geringer Verlegenheit, wollte ich von religiösen. Zustanden hiesiger jüdischen Gemeinde berichten, oder darüber nur sprechen, da es in d e m Verstände hier gar keine jüdische Gemeinde giebt. —- Um mich also keines logischen Sprachfehlers schuldig zu machen, und alle weitere. Definitionen des Wortes Gemeinde zu meiden, wählte ich das. Wort Juden. — Die hiesigen Juden unterscheiden sich wie durch höhere geistige Bildung und großartige eommercielle und merkantilische Betriebsamkeit, so auch durch Ansichten über und Interessen an Religion von ihren deutschen Namens- und Religionsbrüdern gar sehr. Sie sind nicht, wie in andern deutschen Städten, unter die beiden Hauptklassen von Aufgeklärten und Orthodoxen zu bringen; da die einen eben so wenig dieses, oder die anderen jenes sind, weßhalb unter ihnen, kein Partei¬ oder Glaubenskampf sich kund gibt, und das Religiöse darum in seinem ruhigen Fortgang auch seinen Untergang findet. — Es fehlt den hiesigen Juden im Allgemeinen die rechte Gesinnung für Judenthum, und darum auch die rechte That: jeder von ihnen lebt als Jude, rückt man ihm aber mit der Frage auf den Leib, was denn dies eigentlich heiße, so bleibt er die Antwort schuldig. Dies wäre allerdings noch nicht das Schlimmste, da doch so mancher hiesige Rabbinatskandidat auf erwähnte Frage keine bessere Antwort zu geben weiß, als daß er in Gegenwart verständiger und gebildeter Leute, sein Butterbrod mit bedecktem Haupte esse —> allein die Nachtheile die dem Judenthume und der Judenheit dn- ' raus erwachsen, sind gar zu arg, und verdienen sie darum; eine öffentliche Rüge. Es leidet das Judenthum und : die Judenheit insofern darunter, als in einer der intelligeniesten und größten deutschen Städte, wo die Einwoh- - irerzahl der Juden auf 12 —1400 sich beläuft, für Aus-; rechthaltung jüd. Nationalität und Religion nichts gej schielst; denn die Leistungen der großen Anzahl hiesiger i jüdischer Wohlthatigkeitsanstalten ftnb rein humanistisch-; philanthropischer" Art. — Und fragt man nach dem! Grund dieser Lauheit, nach der Ursache dieser Erstorben- heit für alles Natiönakgefüht und religiöses Interesse, so; liegt die Antwort gar nicht fern und jeder Vernünftige : stößt bald darauf; sie lautet einfach dahin: die hiesigen ' Juden sind seit mehreren Decenmen ohne geistliches Ober-; Haupt, und haben darum schon lange keine- Wort des! Glaubens und der Belehrung gestört, daher ihr Gemüth kalt und ihr Herz unempfänglich füralles Religiöse.