Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 38 (19.9.1840)
- Article
- Ein Wort, die Beschneidung betreffend
- Date
- 1840-09-19
- Page
- 601 (sequence 2)
- Language
- German
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601 Literarische Analekten: Ein Wort, die Beschneidung betreff, v. L. L. in Berlin. § 'i Thatigkeit bei unsren Glaubensgenossen gefördert haben, von - welcher wir mit Recht erwarten dürfen, sie werde der jüdischen l Theologie bald eine eben so wohl innerlich wissenschaftliche Durchbildung als eine ihr mehr entsprechende äußerliche Form : zu geben wissen, so daß fürder nicht mehr ihre christliche? Schwester so stolz und geringachtend auf sie herabblicke; sondern daß sie auch auf Laien in der Wissenschaft so einflußreich wirkten. Hier wußten sie das Interesse derer, die eiskalter Jndifferentismus eine Seitlang' der Sache des Judentums entfremdet hatte, aufs Neue zu beselen, ihr wieder zuzuwenden, dort gaben Sie der ihr zwar nicht entzogenen, jedoch vom . Obscurantismus irre geleiteten Theilnahme, die gehörige Richrung wieder. Am meisten beurkundet sich ihr wohltätiger Einfluß in den Angelegenheiten der Schule und Synagoge, indem! die Vorsteher solcher Anstalten, wenn auch nicht immer aus reiner Liebe zum Fortschritte, sondern die Geißel der öffentlichen Kritik fürchtend, vieles m den Zeitschriften als störend und dem Geiste unsrer Zeit als entfremdet bezeichnet, aus Schule und Synagoge verbannten. Diesen mächtigen Einfluß mit Vergnügen wahrnehmend, gedenkt Referent in einer der geachtesten israelitischen Zeitschriften, einen Mißbrauch zu rügen, der vielleicht, weil er von keinem äußern Nachtheil je begleitet ward, deshalb nichts desto weniger jedoch des Aberglaubens wegen, dessen Mißgeburt er ist, eine endliche Abschaffung erheischt. Es ist dies die Observanz derTodtenbeschneidung, die bei einem Kinde vorgenommen wird, das ehe es den vom Gesetze festgesetzten achten Tag erlebte, verstarb. Verordnet ist dies im JoTe Deah (■' §. 263/ 5., wo es heiß! 2V21? JWÜ' D2ip 22tt» pl22 v 50222 pai, mp2 2isn 122p by 121a )^n h p |i 121222^ 22^ dw i*? bx, nban by jfninon 2'222 2'N'i D’neri ]2. — Es laßt sich [• aber dieser Gebrauch weder aus den beiden Talmuden, noch aus den Midraschim historisch Nachweisen; am wenigsten jedoch als biblisch sich begründen, oder auch nur als eine blos erweiterte Anwendung jenes biblischen Gesetzes rechtfertigen. Denn in so fern die bei einem lebenden Knaben zu unternehmende Beschnekdung biblisch ist, beruhet diese auf die Voraussetzung, dadurch einen Zweck zu erreichen, der darin besteht: a) die Gesundheit j und Keuschheit des Subjectes, an dem diese Operation zu unternehmen ist, zu befördern; d) soll diese ein Symbol der besondern priesterlichen Heiligkeit der Hebräer und c) zugleich Einweihung zur Theilnahme am israelitischen Kultus sein.x) Kein vernünftiger wird nunmehr die Beschneidung bei einem tobten Knaben anwendbar finden, indem jene Zwecke nicht erfolgbar sind. Ja aus dem Midrasch ließe sich ein indirecter Beweis, daß man solche Frühverstorbene unbeschnitten beerdigte, anführen. Midrasch Rabba heißt es 20JJ2 2 2p 2 ^jrpnui inoty D’jtopn p mbiyn 2k iJJtt2S. — Erst in der Periode der Geomm scheint dieser Gebrauch entstanden zu sein, und der Erste der seiner 1) de Wette, Archäologie §. 150. WÄ Erwähnung thut, ist Nach schon Gaon (lebte um 876), von welchem Ascheri und A b u d r a h a m folgendes Gutachten anführen: p2V V Itt p22 22 222 2'^'2tt2 ttpv' by P222 twsj 2'22 '2 s'2'22 1'>Z2 I'22 tt'?2LP 52 2'^ 5'2222 222 «2^ HP ppD21 202p .121: so pn2D*i ttpvo «2h oncn rvnn wm (Siehe Ascheri zu Ende Moed Katan, und Abudraham Prager Ausgabe Bl. 111, 4. auch Kol-Bo, Ausgabe Venedig Bl. 84. 4.). Aus der Phras. scheint hervorzugehen, daß schon in der Mitte des 9. .Jahrhundert dieser Gebrauch verbreitet gewesen, und aus der Besorgniß hervorging, der Frühverftorbene würde der Seeligkeit entbehren müssen, wenn er nicht durch die. Beschneidung dieselbe erlangte. Gegen diesen Aberwitz sehen w>'r schon den genialen I b n - E s r a kämpfen; denn zu Genesis 17, 14. macht er zur nähern Erklärung des Sinnes von 2tJO ritt ^12' tt^ 2!^tt 221 ^2x1 222 'N'22 2tt 2’2}i2 tt'22 l^VüN 2N222, folgende Bemerkung. 2^2 ^>12' tti>1 21L2 22 2'2 Ott I2x!2 1'2tt by jCOpn 2J22 202 '2 222 W in^>2JJ 2221 121^22 12222 )my bw 1'2tt 12>2 tt^> Ottl 2x22 22 Ott '2 12^2' O'xil221 . O'2V '2'2 VD22 L'N'S;'tti tt22 cb)yb p^n i^> j'tt bi22 *6i VD2 1^> WW?p 12x21 rx'tt 122 tJOJ '2 DJ12J22 VD 1DD. Auch der bedächtige Maimuni, der ganz seinem System konsequent in seinem Jad keinen noch so winzigen talmudisch begründeten Gebrauch unangeführt läßt, weiß von dieser Observanz nichts. Dennoch ward derselbe durch den Mystiker Bechaji 11. (st. 1290 begünstigt und in Schutz genommen, denn zu Genesis, auf eine ebenfalls mißvcrverstandene Midraschstelle gestützt, bemerkt er: ^2 ÜHJ 6$) p212t^ 2^2 202^ 1'2' x'il2 tt^ 222 2x3^ ^tt2rr" )?))^0;^vollends Sanktion erhielt derselbe durch den lichtscheuen im grellsten Mysticismus befangenen 2t sch er k, der ihn durch seine große Autorität eine Empfehlung gab, in Folge deren dieser Gebrauch bis jetzt noch fortbesteht. Es ist aber die Frage: soll man zu einer Zeit, wie die rinsrige, wo man mit Recht, ohne Anstand zu nehmen, zwecklose Zeremonieen, und haben dieselbe noch so ein hohes Alter, aufgibt und besonders gegen alle Mystik Krieg führt, noch ferner einen solchen unsaubern Gebrauch beibehalten, oder nicht vielmehr gestützt auf die Autorität der Vernunft, des Midrasch und Ihn Esra, welche letztere Beide wie wir oben gezeigt haben, ihm geradezu abgeneigt erscheinen, außer Cours setzen? Gewiß wird kein Unbefangener mit dem Referenten zu wünschen Anstand nehmen: es mögen alle Rabbinen und Vorsteher israelitischer Beerdigungsanstalten dahin wirken, eine Zeremonie aus dem Iudcnthume zu verbannen, die nicht das Mindeste beitragt, das religiöse Gefühl zu beleben, hingegen Aberglauben und Geheimnißkrämerei begünstigt. Möge man dem Beispiele christlicher Ge- 2) S. Rapapotts Na tan, Anmerkuug 30.