Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1840)
- Article
- Genrebild einer jüdischen Gemeinde
- Date
- 1840-09-19
- Page
- 296 (sequence 3)
- Language
- German
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leben-, ähnlich dem ihrer Altvordern, von dem die Schrift sagt: rwjn wyz ^itsmhx'iw'i t?d pN onn bwi.- und doch fehlt es an Mitteln nicht! Schon bei dem jetzigen Zustande, wo die Schule mit der Gemeinde gar nicht zusammenhängt, betragen die Abgaben der Mitglieder in Allem bei verhält- : nißmäßig geri ng er Besteuerung an 600 Thlr., o hne die Einkünfte mehrerer nron, welche allerdings durch Bemühungen der zeitigen Vorsteher für Kranke und Arme auf ordnungsmäßige Weise sorgen, ohne die zahlreichen milden Gaben an durchreisende Juden, die obwohl oft die infamsten Kerle, allerdings wie bärtige Rabbinen aussehen. Diese Abgaben werden von dem sogenannten R e b b e, der in einer Person Nab, Chasan, Schochet, Schamesch und resp. Hochzeitbitter ist, zusammengeholt. Daß diese Abgaben ohne drückend zu werden, eingerechnet die Schulgelder, leicht auf 800 selbst 1000 Thlr. gesteigert werden können, kann nicht bezweifelt werden bei der Wohlhabenheit Vieler und bei der Bereitwilligkeit Aller Geld zu geben. I. B e im Bestehen bestimmter Statuten (rYOpn)/ welche die, Rechte und Pflichten der Mitglieder wie die Befugniß des Vorstandes festsetzen. Letzterer würde alsdann nicht länger durch das Geschrei Einzelner über Eigenmächtigkeit von der guten That verhindert werden, und die Mitglieder könnten ihre Rechte in gesetzmäßiger Ordnung überwachen. Die großen Uebel des heutigen Zustandes hat der jetzige Vorstände eben bei seinem guten Willen und bei seinerwirklichen Fähigkeit gewiß schon oft gefühlt, doch muß ihm auch die Erinnerung an seine Wahl sagen, daß er gleichsam ein Monstrum per defectum ist. II. In diesen ni^pfl muß ferner eine bestimmte Synagogenordnung enthalten sein, damit unser Gottesdienst in jeder Hinsicht das große Gebot des QA.N erfülle. Es muß ihr deshalb ein frommer und gebildeter Mann vorstehen, der nicht bloß ein würdiger Priester des Herrn Zebaot in und außer der Synagoge ist, sondern auch zum großen Theile den Unterricht der Jugend leite. Es muß eben so durch eine zweite Anstellung für eine würdige Besetzung der Schochet-und Chasanstelle gesorgt sein, deren Inhaber die Functionen eines zweiten Lehrers zweckmäßig erfülle. Befreit aber muß er sein von der Beschästigung eines Bedienten, die einem Dritten überlassen bleiben. Die Vertheilung eines fixen Gehalts von etwa 500, 350 und 50 Thlr. beweisen die Möglichkeit der leichten Ausführung. III. Die Schule wird daher nicht länger von der Gemeinde getrennt sein, diese darf nicht länger ihre heiligste Pflicht verkennen für das Wort Gottes unter ihrer Jugend zu sorgen, und wohl Niemand möchte ohne Erröchen von der Erfüllung dieser Pflicht sich zurückziehen. Die Schule, nach einem bestimmen Reglement geleitet und unter der Aufsicht der Lehrer und Vorsteher mit der höher» Behörde communicirend, muß nicht blos für den jüdischen Unterricht bis zum 14. Jahr der Kinder, sondern auch für den übrigen wenigstens bis zum 10ten Jahre sorgen. IV. Muß nicht bloß für Verbreitung der jüdischen Zeitschriften (bis jetzt findet sich nicht 1 Exemplar irgend einer am Orte), sondern auch für Gründung einer jüdischen Volksbibliothek gesorgt werden. Die noch fehlenden Grundzüge hier werden sachverständige gern mittheilen. Doch genug der Vorschläge! Wenn die erste Saat des Guten ausgestreut ist, muß sich die herrlichste Blüthe durch höhern Seegen entfalten. Daß die gemachte Forderung von 800 — 1000 Thlr. keine überspannte sei, wird man nicht glauben wollen. Wenn die bisher in unanständiger Form zahlreich erhobnen Gaben (Wochengeld, Mitzwotsteuer, Schlächterlohn, Miethszins, Festspenden) regelmäßig eingeliefert, berechnet werden, so muß jeder Zweifel schwinden, zumal bei Hinzuzählung der Schulgelder, vielleicht selbst ohne geringe Erhöhung. Wir gehören nicht zu denen, die in Nachäffung christlicher Formen unser Heil erkennen. Unsere innigste Ueberzeugung ist, daß nur in dem festen Glauben an die Würdigkeit unseres Stammes, an die Heiligkeit unserer Religion das Heil unseres Volks, die geistige Wiedergeburt unserer Religionsgenossen liege. Aber kennen müßt Ihr Euch selbst und eure Geschichte, Gottes Wort muß in eurem Herzen rufen UHp *0 “l'DD UND Darum verlange ich einen Mann, der euch Gottes Wort verkünde, dem ihr vertrauet, daß er von ganzem Herzen ein wahrer Jude sei, und der glücklich in diesem Gefühle gering achte die Sklaverei, zu der er seines Glaubens wegen verurtheilt ist und hochherzig bekennt den ewig einigen Gott Israels! Darum ihr Männer von Pyritz und ihr Andern in den zerstreuten Gemeinden Iuda's fordre ich von euch,, daß ihr dem Bekenntniß des JJDfiP gemäß, das ihr 3 mal täglich hinaufschickt .zu Gott, hier auf Erden dafür sorgt, daß eure Söhne und Töchter Gottes Wort kennen lernen. Dann braucht ihr eurem Ende nicht mehr in ängstlicher Pein entgegensehen, es möchten eure Kinder unsrer heiligen Religion abtrünnig werden. Nein, dann sterbt ihr glücklich in der Ueberzeugung, cs werden noch spate Enkel den letzten Athem mit dem JJDfitf ■ aushauchen. Ich weiß, ihr gehört nicht zu denen, die in der Thorheit ihres Herzens sprechen; 'kV' pS r^m )ib )'N1 1113 pbn pN) nein, ihr rühmt euch Kinder derjenigen zu sein, welche, als die Tora von allen übrigen Völkern verschmäht war, dem Moses entgegen jauchzten rwjtf/ nun wohl, ihr habt gehört, so thuet denn! Pommern, August 1840. Judaus Macduff. Personalchronik und Miseellen. Von Lazar Raschkow in Pesth (aus dem Posenschen geboren), der schon in den Measesim mitgearbeitet hat und ein kleines Drama Amnon und Tamar geschrieben, will so eben eine hebräisch geschriebene Weltgeschichte herausgeben. Wir besitzen aber bereits eine solche Geschichte in zwei starken Banden von Günsberg in Wilna, die ausgezeichnet stylksirt ist, und wozu noch eine? Für solchen Stoff sollte man doch endlich diese Spielerei abregen. Das Publikum, welches solche Werke lesen soll, versteht gewiß deutsch, oder doch seine Landessprache, und versteht es solche nicht , dann wird es den bei solchem Stoffe nothwendig sinnlos occidentirten Styl gewiß nicht fassen. Der Prediger in Offenbach, Dr. Formstecher, kündigt in einem etwas pomphaften Prospettus eine wissenschaftliche Darstellung des Judenthums an. In der Angabe des Inhalts/ wird so viel versprochen, daß selbst bei der größten Kürzekaum zehn Bände und eines Menschen Kraft und Wissen ausreichen möchten, und der Name des Werkes, „die Religion des Geistes," ist so unsicher gewählt, daß man mit Recht an genauer Erfüllung zweifelt. Verlag von C. L. Fritzfche, Druck von I. H. Nagel.