Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 37 (12.9.1840)
- Article
- Qohelet, übersetzt und erläutert von Dr. L. Herzfeld
- Date
- 1840-09-12
- Page
- 578 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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57y 580 Lit. Ueberstchten. Kohelet übersetzt von Dr. Herzfeld. er hätte die physische, psychische und moralische Unzulänglichkeit des Meyschen zur Erreichung eines positiven Glückes Nachweisen wollen; fragen dann aber, hat er solche scharfgedachte und wohlüberlegte Resultate denn aus solche Werse äußern können? Kann ein Mann, der so tiefsinnig denkt,'eine solche Sprache führen? Kann er seinen Gegenstand so behandeln, die Momente so entwickeln und darstellen? Wir nehmen sogar/ zu Gunsten der ausgestellten Hypothese des Hrn. H. an, es wurde dem Ecclestasten allmahlig, und erst im Schreiben sein Thema klar; es habe anfangs nur im Ganzen und Großen dunkel ihm sein Gegenstand vorgeschwebt; denn das ist das Aeußerste, was wir bei einer unklaren, und nicht scharf aufgefaßten Behandlung annehmen dürfen; wir fragen dann aber, sind die einzelnen Momente seiner Betrachtung marquirt und angegeben? Nicht im Geringsten! Im Gegentheil, diese sind gerade verwischt und laufen in einander, was H. in seinem Buche selbst eingestehen muß. Der Anfang des dritten Theils von der moralischen Unzulänglichkeit ist rein imaginär, und man begreift eigentlich nicht, wie durch die Betrachtung über die Frau, und über die menschliche Verkehrtheit diese eingeleitet werden konnte. Bei einer logischen Bearbeitung eines Gegenstandes aber sind es gerade die äußersten Seiten und Abgrenzungen, durch die der Verfasser eben so wohl, als seine Leser wiederum an den Gegenstand erinnert werden, die am schärfsten und deutlichsten hervorgehoben zu werden pflegen; und gerade diese fehlen gänzlich in. unserm Buche. Gerade auf sie hatte der Vers, am meisten aufmerksam machen müssen, als die verschiedenartige Mittel zur Begründung des Erdenglückes; und wahrlich aus Wortkargheit hat der Ecclesi'ast die Anführung nicht unterlassen; denn über Wortkargheit des Ecclestasten haben wir keinen Grund uns zu beklagen. Sicherlich 'Hatte also dieser die Ausführung und die ausführliche Darstellung nicht unterlassen, wenn sie ihm noch so dunkel in dem Sinne vorgeschwebt, in welchem Hr. H. sie angiebt. Hierzu kommt ferner, daß gerade, an denjenigen Stellen, die den Gegenstand am meisten zu berühren scheinen, der Ecclesi'ast am unsichersten spricht und abschweist, und was am meisten entscheidend ist, daß diese Abschweifungen durchaus' nicht die Form einer Digression an sich tragen. Man sieht ihnen vielmehr die Selbstständigkeit in ihrer Behandlung an. Der Ecclesiast hat, indem er zu ihnen übergeht, den behandelten Gegenstand außer Augen gelassen , und scheint in keiner Weise mehr darauf zurückkomwen zu wollen. Wir müssen daher annehmen, daß der.Ecclesiast keineswegs den Plan verfolgt, den Hr. H. ihm zu vindiciren für gut findet, und daß es diesem nicht , gelungen ist, den Gesammtinhalt zu ermitteln. Nach unserer Meinung hat der Ecclesi'ast gar nicht in seinem Buche ein Thema logisch behandeln wollen. Man irrt und gelangt nothwendig zu Extravaganzen, indem man einerseits "etwas, was durchaus nichts Einheitliches ist, als ein Ganzes auszugeben sich bemüht, andrerseits aber ein fremdartiges, willkürliches Ganze supponirt, wenn man von dem ersten Eindruck sich dergestalt leiten läßt, daß man durchaus einen logischen Zusammenhang in dem Buche witdererkennen will. Es ist wahr, das Buch behandelt ein. Thema von Anfang bis zu Ende , es ist ein Ganzes, aber es ist durchaus nicht ein logisches; es herrscht im Buche durchaus nicht eine erstrebte, verständige und wohlüberlegte Einheit vor. Diese liegt vielmehr in dem behandelten Gegenstand; derselbe beherrschte ganz den Verfasser, unter seinen Eindrücken befand er sich. Und so wie derselbe ein Ganzes ist, so ist auch scheinbar das von demselben Ausgesagte ein Zusammenhängendes; was die biblischen Exegeten aber täuscht, indem sie es zu einer verständigen Einheit zu erheben sich bemühen. Eine logische Einheit ist es nicht. Der Ecclesi'ast war gottesfürchtig, heilig und beseelt von dem heiligen Geiste, wie die übrigen Schriftsteller des heiligen Bundes. Er war aber auch, ohne daß wir Ihm gerade schwarze Laune (p. 139) zusprechen wollen, lebensüberdrüssig und satt der irdischen Freuden. Jene fromme Unschuld, welche die alte Zeit in ihrer Einfalt beglückte, war für ihn dahin; es zeigte sich ein Bruch in seinem Glauben. Gottes Gerechtigkeit und Recht sollten auf Erden herrschen, und dennoch geht es dem Frevler gut, der Fromme aber darbt und leidet. Mag eine andere Welt die Mißverhältnisse ausgleichen, diese Welt läßt uns an der Gerechtigkeit Gottes und an seinem Gerichte verzweifeln. Diese Frage beschäftigte schon die Propheten, den Pfalmisten und den Verfasser des Buches Hiob, aber ihre Lösung war noch auf gemüthlichem Wege versucht, den Ecclesi'ast aber konnte keine Beruhigung mehr in solcher Lösung finden, und doch bemühte er sich vergeblich eine andere zu finden. Dieserhalb war ihm das Leben verhaßt; er fand keine Ruhe, weil er keinen Zweck kannte. Das Einerlei der natürlichen Gesetze, wie die Erfolglosigkeit der menschlichen Handlungen ekelsten und widerten ihn an. Er wollte seinem Unwillen Luft machen, sich aussprechen und er schrieb dieses Buch. Mes ist sagt er, nicht gerade „eitel" und „erfolglos" sondern auch „unglücklich" und „zwecklos, . vgl. 6, 1 sn bn. 7, 15 u. v. a. Laucer Unglück, Erfolglosigkeit und verfehltes Streben erblickte er, indem er die Schattenseite des Lebens betrachtete; und er geht Alles durch, und beleuchtet es nach allen Seiten. Natürlich stellt sich hierbei erwas Einheitliches heraus, doch ist es weit entfernt' ein logisches zu sein. Man muß hier sorgfältig den ersten Eindruck des Buches scheiden von einer logischen, gründlichem Auffassung, und darf jenen nicht zur vollen Erkenntniß erheben. Es muß ihm vielmehr nur im Gemüthe nachconstruirt werden. — (Fortsetzung folgt.)