Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 37 (12.9.1840)
- Article
- Qohelet, übersetzt und erläutert von Dr. L. Herzfeld
- Date
- 1840-09-12
- Page
- 577 (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturblatt des Vrients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 3V. Leipzig, den 12. September 1840« L i t e r a r isch e U e b e r si ch t e n. Kohelet von Dr. Herzfeld, beurtheilt von Dr. Hirschfeld. — Bemerkungen über die neuesten Bibelübersetzungen. Die Bibel unter Nednkt. des Dr. Zunz, beurtheilt von M. Heß. — Literarische Analekten. Rechtfertigung einiger Angriffe Reggio 's von Joseph Weiße in Proßnitz. -- Literar. Skizzen u. Berichte.. Brecher's Kusari- Msgabe. Be n-Kard aniel's erste Uebertragung — Zur Geschichte der Homiletik v. I. A. Frankel. — Lit. Ankündigungen. Literarische Uebersilchten. 21) n h M p/ übersetzt und erläutert von Dr. L. H e r z f e l d. Braunschweig, 1838. Ed. Hümmerich. - ' (Fortsetzung.) Was aber noch mehr ist, und wir müssen dem Scharfblicke dieses Exegeten Gerechtigkeit widerfahren lassen , mag dieses auch auf Kosten seiner Kritik sich erheben, Hr. H. hat dieses tiefsinnige Theorem und die einzelnen Stücke dieses Buches mit einem Scharfsinn entwickelt und heraus demonstrirt, die uns mit Recht in Erstaunen setzt; er hat meisterhaft das .dem Ecclesiasten zugesprochene Thema aus demselben heraus zu holen gewußt. Es geht ihm und den Lesern seines Buches mit Kohelet., wie dem Lehrer und den Besuchern unterirdischer Höhlen mit den Tropssteinformationen. Eine starke Phantasie des Erstem verwandelt bald eine vielleicht anfangs nur leise vermuthete Aehnlichkelt der Ge-' bilde mit gewissen Gegenständen, in eine gewisse und bestimmte Gleichheit und Verwandtschaft derselben; und ein beredter Führer 'überführt nun trotz der bessern gesunden Anschauung seine Zuhörer zur Anerkennung seiner Annahme und Ansicht. Je mehr sie ansehm, je mehr fühlen sie sich von. der AehnllchkeiL überzeugt, die der Bergmann aufstellt. Er selbst hat aber nur zu oft die Gebilde gesehen, und ist von der Wahrheit seiner Anschauung nur zu sehr überzeugt. H. H. hat lange in das Buch gesehen, hat sich, nach seiner Ansicht,-von einem systematischen Zusammenhang desselben, überzeugt gefühlt, und ec ist beredt, und hat trotz seines Scharf-, blickes auch viel natürliche und gesunde Kritik und guten Geschmack; er überzeugt darum stine Leser. Je langer sie seine Arbeit studiren, je mehr neigen sie sich zu seiner Annahme hin. Er macht leicht glauben, daß dieser Inhalt sich wirklich in Kohelet befinde. Nach der Ansicht des Referenten ist indessen diese Annahme nichts weniger als wahr, und je scharfsinniger sie scheint, desto mehr ist sie von der Wahrheit entfernt. Res. gesteht auch die Wahrheit offen ein, daß dieses im Speciellen nachzuweisen ihm schwer fällt. Die eingeschobenen Partikeln, die sich in dem Buche nicht finden, die hier und da durch Vergleichungsgrade Angeführte Satzverbindungen, die nicht deutlich genug ausgeprägt sind, bilden nur ein geringes Moment zur Beseitigung der 5A?schen Ansicht. Die hebräische Sprache ist nicht prägnant in dem Ausdrucke ihrer Satzverbindungen; die Partikeln sind zu wenig ausgeprägt, und der Geist noch nicht vollkommen genug durchgebildet, um mit Schärfe die gegenseitige Stellung der Sätze zu einander aufzufassen. Es kann also gleichwohl das Vechättniß der Sätze nach der aufgestellten Hypothese im Geiste des. Verfassers vorherrschend gewesen seinohne daß dafür die erwarteten Bezeichnungen und Verbindungsformeln niedergeschrieben sind. Aus dem innern, Gehalt der Sätze, aus dem Tone und der Jdeenassociation ließe sich zwar erweisen, daß die einzelnen Stücke nicht jenes Resultat ausdrücken, das Dr. H. beansprucht. Allein wenn dieser Beweis auch an vielen Stellen gelingen dürfte, wie namentlich 7-22. 24. — 10, 5. — 4,14. — 3,15. — 6, 7., so würde doch an vielen andern Stellen , und die gerade entscheidend sind, derselbe sehr unsicher sein, zumal da Hrn. H.'s Darstellung, theils durch angebrachte Gelehrsamkeit, theils durch eine gründliche kritische Bildung hervorgehoben, den Schein einer Wahrscheinlichkeit sich vindicirt, und jedes scheinbar Willkürliche zu vermeiden gewußt hat. Ueberdies würde auch ein solcher Nachweis gar zu weitläufig werden , und ein anderes Buch über das Herzftld'sche geschrieben werden müssen. Der Beweis gegen hie Annahme des Hrn. H. kann inbeffen tveit unb gcnüö^nber im Allgemeinen geführt werden. Wir nehmen mit H. an, der Ecclesiast hätte dieses Thema auf diese Weise behandeln wollen; 37