Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1840)
- Article
- Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
- Date
- 1840-09-12
- Page
- 288 (sequence 3)
- Language
- German
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288 — Fleury in seiner Kirchengeschichte unter dem Jahre 1182 nicht zum ersten Male schreiben können: „Ich finde nicht, daß bis hierher eine ähnliche Anklage gegen die Juden gestellt worden wäre." Das zwölfte Jahrhundert ist cs, das in Europa diese abgeschmackten Beschuldigungen erzeugt. Boten die Christen dazu Gelegenheit, oder die Juden? Forschet in allen Geschichtswerken (und. bemerkt gefälligst, daß nicht die Juden diese Geschichte geschrieben haben), die Christen sielen die Juden an, rotteten sie aus; Kinder, Greise, nichts ward geschont. Das christliche Gesetz gebietet: „Liebet euch einer den andern." Es gibt noch ein Geheimgesetz, welches sagt: „Verfolge die armen Kinder, verbrenne, beraube die Städte; habe keine Barmherzigkeit mit dem Alter und mit dem Unglück." Wer wagt es, das Dasein eines solchen Gesetzes zu behaupten? Aber warum beschuldigt ihr ohne mehr Grund zu haben, die Juden? Aber ich will weiter gehen, ich will zugeben, das; die Christen blos durch die Vermuthung zu dieser Maßregel veranlaßt worden wären, wenn es sich als möglich herausstellte, daß man, zu Folge einer blutdürstigen Ceremonke, ihr Blut getrunken habe. Und dies wäre nicht begreiflich? Man säet den Haß, man wird auch den Haß ernten. Ihr vergießt ihr Blut, sie werden zur Widervcrgeltung euer Blut wieder vergießen. — Summirt die beiderseitigen Schlachtopfer. Sehet euch nach den Grausamsten dabei um! Aber, guter Gott, sind die Veranlassungen dazu die religiösen Grundwahrheiten der Juden und Christen? Man stellt fest, daß die Juden beinahe das ganze Mittelalter hindurch angeklagt worden, sind, und will dies für einen Grund jener Anklage halten. Wahr, dieser Grund wäre das Wesen, der Verfolgung. Andernthcils mußte man, um consequent zu sein , sagen, daß das christliche Gesetz, wie das jüdische, dieses Verbrechen gut hieße, denn in den ersten Zeiten klagte man die Christen dieser abscheulichen Thaten ja auch cm. Leset alle Apologaten. Alle Ankläger schrieben: „Siefeiern ein gräuliches Fest, wobei sie alle erlaubte Freuden verschmähen, sie trinken das Blut geopferter Menschen, und fressen das zukkende Fleisch von Kindern.^ (Chateaubriand, Martyrs. f. 3.) Hier habt ihr ein und dieselben Gründe für die Anklage der Juden und Christen. Möget ihr nun die einen auf richtige Weise herabsetzen und die andern blos rein waschen, da alle der Gegenstand ein und derselben Verlaumdung gewesen sind? Ja noch mehr, die Juden selbst beschuldigten die Christen, daß sie Menschenffeisch genössen. Und indessen sind es im 19. Jahrhunderte diejenigen, denen derselbe Vorwurf von jenen gemacht wird, Der heilige Justinus in seinem IN. Gespräche mit dem Juden Trip hon vertheidigt sich gegen die Anschuldigung des Genusses von Menschenfleifch. Wenn das jüdische Gesetz Menschenopfer beföhle, wie willkommen wäre diese Vorschrift für den heil. Jnstin gewesen! so hätte er ausrufen können: „das sagt ihr, die ihr euch zur Zeit eurer Ostern von Menschenblut nährt? " Allein er ist weit davon entfernt, eine solche Sprache zuführen. Es wäre mir buchstäblich'möglich gewesen, den Leser mitten hinein in diese ermüdende Discussion zu versetzen, ihm eine Reihenfolge Schriften der Päbste Jnnocenz IV., Clemens VI., das Breve Alexanders VU., das Schreiben Gregors IX. vorzuführen; aber in dieser Art Dingen glauben die Gläubigen nicht an die Päbste. Im Uebrigen muß man es zum Ruhme unsers Zeitalters gar wohl erwähnen, daß, wenn beschränkte Köpfe und Ankläger sich begegnet haben, die die jüdische Religion in den Staub treten wollten, es nie an ausgezeichneten Männern aller Nationen gemangelt hat, die dagegen in die Schranken traten. Man wird sie nicht vergessen, die aus einer Note von acht Consuln gezogenen und letztlich durch den ^ourrier äe Fraueoniv veröffentlichten Worte r „Ohne Zweifel wird die Aufklärung Europas die seit Jahrhunderten gegen die Israeliten erhobenen Klage, wegen angeblicher Menschenopferung, verschwinden lassen." Das englische Parlament hallte wieder von hochherzigen und beredten Worten. 2CtCc erleuchteten Geister stimmen in dem Bekenntnisse überein, daß die jüdische Nation nie Menschen geopfert hat, oder jetzt noch opfert. Fassen wir jetzt zusammen, was wir gesagt haben: Die sieben angeklagtcn Juden anlangend: nichts zeugt dafür, daß sie des Meuchelmords fähig gewesen wären, noch weniger liegt ein Beweis vor, daß das Verbrechen aus religiösem Fanatismus begangen worden wäre, (Fortsetzung folgt,) Personalchronik und Miseellen. Im Elsaß will der Schwur niore jutlaico seine alte Bürgerschaft nicht aufgeben trotz Cremieux und anderer Kämpfer. Neuerdings gab das Gericht zu Straßburg denselben wieder auf und da der Oberrabbine Aaron Ar n a u d sich weigerte dabei zu assistiren trug, der Gegner des damit belegten auf Condemnation der den Schwur verweigernden Gegenpartei ap, die auch lpirklich Seitens des Gerichtshofes erfolgte, obgleich der proteftirende Rabbine die Schuld der Nichtleistung trug,. — Im Elsaß ist viel Fischblut! Der Arzt Dr. Victor Morporgo aus Irrest, dessen ober: Nr. h. als in Smyrna lebend gedacht wurde, und dessen Mittheilm'.gen über die Juden in der Türkei wir daselbst gegeben haben, ist Enkel des Abraham Elieser Levi Morporgo, Rabbiners zu Triest, hieß frühex Vita Morporgo und hat den Namen Victor erst nach seinem Uebertritt zum Protestantismus erhalten. Wenn aber ein italienischer Corr. meint, daß er gegen seine Wahrhaftigkeit protestiren müsse, weil der Berichterstatter nun protestantisch ist, so ist es schon deshalb ein Jrrthum, weil die Richtigkeit des Inhalts schon anderweitig bestätigt wurdx. Abraham Jakob Stern in Warschau, Mitglied des Censur-Comite und Rekgenführer her - Gedichte (wo jede Verszeijle ein oder Jahreszahl 'bildet; sonderbare Phantasie!) hat jetzt eine Vorrichtung erfunden, einen Wagen im vollen Laufen aufzuhalten.. Für russisches Fuhrwerk eine Wählt hat! Ueber die Buchdruckerek in Livorno wird sehr geklagt, daß sie nur kabbalistische und talmudische Werke druckt, aber der Besitzer ist Gentilomo, ein ehemaliger Zögling aus dem Collegium Rabbinicum, wo man Main: u n i und I b n - E s r a nicht sehr achtet. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.