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Der Orient · 1840-09-12 · Heft 37 (12.9.1840) · p. 287

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 37 (12.9.1840)
Article
Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
Date
1840-09-12
Page
287 (sequence 2)
Language
German
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287 - Noch cfn Anwalt real dort jetzt auf, der die Ehre des jüdischen Namens gegen die Verunglimpfungen vertheidigte, womit man ihn von Seiten des Orient nicht blos, sondern von Seiten der französischen Diplomatie befleckt hatte. Es war Alfons Pinedo, königl. Hofadvokat zu Paris. Er sammelte in einem Artikel des Capitol vorn 8. Juli die Angelegenheit unter einen neuen Gesichtspunkt und vertheidigte seine Sache mit Klarheit und überzeugender Beredsamkeit. Zuerst griff er das Ministerium an: „Warum — so sprach er, — hat man den Bericht unsers Consuls, welcher dem Bericht des österreichischen Bevollmächtigten so entgegen lautete, nicht öffentlich bekannt gemacht? Schon langst ist er in den Händen des Ministers. Warum ihn zurückhalten? — In andern Minister- Departements hat man die angekommenen Berichte schon längst veröffentlicht. Unser Consul hat darin einen großen Fehler begangen, daß er sich so lam,e seitens der andern Consuln einer Anklage ausgcsetzt sein läßt. Frankreich ist in diesem Falle schlecht reprasenrirt; seine Bevollmächtigten sind der Sache der Civilisation fremd; sie sind die thätigen Werkzeuge der Ungerechtigkeit. Die auswärtigen Consuln erklären dies öffentlich und wir schweigen dazu." Im Vorübergehen bemerkt nun der Verfasser, daß über den an Pater Thomas verübten Mordanfall zur Zeit noch gar nichts feststehe, und daß es wenig wahrscheinlich sciHarari und Farhi für die Mörder zu halten. Der Fanatismus soll — spricht er, — den Grund zur Blutthat gelegt habe; die Religion selbst soll solchen Verbrechen die Hand bieten, soll vorscheibcn, Christcnblut zum ungesäuerten Brote zu nehmen! — Jetzt wird die Angelegenheit Sache aller Juden, vor aller Welt müssen sie dagegen Protest einlegen. Wo soll das Gebot stehen? In den 10 Gebotenen findet man die Vorschrift: „Du sollst nicht tödten. " In dem Gesetz Moses heißt es: Vergieße nicht Blut, denn das Blut ist das Leben (Lcv. 13, 14.). Das die jüdische Lehre, welche das Gesetz Moses enthalt. Vereinigt nun, wenn ermöglich ist, die Worte: „Du sollst nicht Blut vergießen; denn das Blut ist das Leben", mit der Behauptung, daß die Juden sich zu Ostern mit Menschenblute nährten. Der Talmud ist eine Sammlung des mündlichen Gesetzes, der Tradition des Cultus; es sind die ältesten Grund^ehren, die darin verzeichnet sind. Und dieser Talmud soll eine Apologie des Blutvergießens enthalten? Man sehe sich im Mittelalter um. Wißt ihr, was die Päbste daran haben aussetzen können? nicht seinen Grundcharakter, sondern die Vorurtheile, die menschlichen Meinungen, die nicht mit dem Christenthume cinstimmten, haben sie angegriffen. (Kirch. Gesch. vom Abt Fleury.) Erkundigt euch in dem Gesetze Moses, erkundigt euch im Talmud, den Werken, die die jüdische Gesetzgebung enthalten, und überzeugt euch von dem Ekel dieser Gesetzgebung vor Menschenopfern und vor dem Abscheue von denen, die Blut vergießen. Und strafen die durch die Zeit eingebürgerten Gebräuche düse Grundlehrcn etwa Lügen? Wenn ein Ei auch nur ein Pünktchen Blut enthält, darf es der Jude nicht essen. Wenn das Brot, oder eine Frucht von ein wenig Blut aus dem verwundeten Zahnfleische befleckt worden ist, so wird dasselbe für unrein erklärt. Die Juden essen von keinem Thiere, das ein christlicher Fleischer geschlachtet hat. Um keinen Preis in der Welt essen die ächten Juden von einem erdrosselten Thiere, weil in dessen Körper noch Blut enthalten ist. So lautet das jüdische Gesetz, so sind die jüdischen Gebräuche beschaffen und sie sind bekannt genug. Die jüdische Religion hat einen wahren Abscheu vor Blut, und die Anklage, daß ihre Bekenner Menschenblut genössen, zerfallt in sich selbst, wenn man das jüdische Gesetz ansieht. — Dadurch jedoch wird noch keineswegs widerlegt, daß das Gesetz nicht anordne, an den Ostertagen Christenblut für die ungesäuerten Brote zu opfern! — Welchen Grund hat die Feier der Ostern? Wozu das Symbol des ungesäuerten Brotes? Ostern ist das Erinnerungsfest an den Auszug der Israeliten in die Wüste. Das Brot dient zum Gedachtniß an die große Roth in Egypten. Wo ist hier eine Verbindung zu entdecken zwischen den Ostern der Juden und dem Opfer des Christenblutes? Ostern ward gefeiert, ehe an die Christen gedacht wurde. Das religiöse Gesetz kann nicht von Christenblute sprechen , weil dasselbe damals nicht existirte. Die Osterfeier steht durchaus in keinem Zusammenhänge mit der Opferung des Christenblutes. Man ist gezwungen einzugestchen, daß das Gesetz Moses und die Praxis des Osterfestes überall diesen Streit enthoben sind. Das jüdische Gesetz, erwiedert man dagegen, hat diese Gräuel angeordnet, sobald als es Christen gab. Aber bringt, wenn es gefällig ist, jenes Gesetz herbei, das in einen so directen Widersprch mit dem Gesetze Moses lrercn kann, wer hat dies Gesetz herausgegeben? Welcher jüdische Gläubige würde dulden, daß ihr das mosaischen Gesetz verletzt? Man ist nicht mehr Jude, so zu sagen , nicht mehr Anhänger des Moses, sobald Grundsätze gefunden werden, die den Gesetzen jenes entgegenlaufen. Oder giebt cs einen größeren Contrast als zwischen den Worten: „Du sollst nicht tödten," und: „Du sollst Menschenblut genießen?" Aber kurz und gut, wo findet sich dies Gesetz? durch wen ist es vorgeschrieben worden? in welchen Büchern trifft man es an? — Man weiß es auch nicht zu zeigen. — Aber vergebens hofft ihr eure Gegner zu beschämen, denn man ruft ja gegen euch das jüdische Gesetz an; vergebens citirt ihr es, vergebens sagt ihr, es sei rein und moralisch, man weiß sich zu helfen , man spricht von einem geheimen Gesetze, das nur den Klugem unter den Juden gcoffenbart werde und das die Vertilgung der Christen gebiete. Ein geheimes Gesetz, blos bekannt einigen Eingeweihten! Aber wo ist denn der Beweis von der Existenz dieses Gesetzes?* Ihr behauptet sein Dasein; ich leugne es. Wer wird Richter sein zwischen euch und mir. Ihr beruft euch auf die Aussage einiger Abtrünnigen, ich berufe mich auf die Erfahrung, auf das Zeugniß aller Völker, die Geschichte haben. — Wir wollen sehr kaltblütig untersuchen. Es möge ein geheimes Gesetz cxistiren, das vorschreibt, Gott ein solches Opfer zu bringen. Zuerst muß man wohl als wahr gelten lassen, daß zu der Zeit, wo das Gesetz Moses gegeben wurde, dies Geheimgesetz nicht cxistirt haben kann; denn warum dann vorschreiben: „du sollst nicht tödten, denn das Blut ist das Lebenso bald als man mündlich das Gegentheil gebot? Die Religion , dies muß man zugestehen, hätte dann nicht nöthig gehabt eine solche Enthaltsamkeit anzubefehlen, nicht nöthig gehabt, die M.aske der Heucheleivorzunehw.cn. Hatte man diese Vorschrift zu gleicher Zeit gegeben, so hätten die Menschen, ungeachtet der allgemeinen Gesetzgebung Moses, dennoch Menschenopfer bringen müssen, und in diesem Augenblicke zugleich aufgehört, Bekenner des mosaischen Gesetzes zu sein und hatte es exiftirr, so würden es feine Früchte verrarhen. Man muß der Zeit sich nahem, wo das Chrisienthum in die Welt trat; wo die Opfer krätiger, häufiger sind; wo die Anklagen lebhafter öfter hervortreten. ' Wohlan! beim Beginn bes Christenthums — nichts von diesen Menschenopfern. Zwölf Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung gehen so vorüber, und — keine Anklage erhebt sich. Wenn der jüdische Glauvc Blut verlangte, wenn die obige Behauptung nicht wahr ist, so hätte der Aoc.

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