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Der Orient · 1840-09-05 · 36 (5.9.1840) · p. 561

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
36 (5.9.1840)
Article
Netiv emuna
Date
1840-09-05
Page
561 (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. JVi 30. Leipzig, den 5. September 1840« Literarische Uebersichten. Dr. Wessely's biblischer Katechismus. Koheiet von Dr. Herzfeld. Schweizers hebr. Wandsibel.. — Bemerkungen über tne neuesten Bibelübersetzungen. Die Bibel unter Dr. Zunz — Literar. Analekten. Aus dem aramäisch-deutschen' Wörterbuche von M. I. Landau. Erläuterung dunkler Wörter in den Talmuden von Hirsch Chajas. Probe einiger liturgischer Lieder von Stern. — Zur Geschichte der Homiletik v. I. A. Frankel. .— Lit. Ankündigungen. Literarische Uebersichten. 22) 2>rU Biblischer Katechismus oder Leitfaden für den ersten Untericht der israclittschen Jugend von Dr. W o l f gan g. W e sse l y, öffentlichem Lehrer der Israeliten in Prag. Prag 1840. Kronberger und Rziwnatz. Die biblische Geschichte in ihrem religiösen Pragmatismus, als der spiegelremste wunderreiche Quell für Lehren des göttlichen Glaubens und der religiösen Moral bei allen Bekenntniffen anerkannt, ist verhältnißmaßig bei aller modernen Schreibelust spärlicher und seltener ausgebauet worden, als die gewöhnlichen dogmatischen und ethischen Lehren des Judenthnms, und dennoch steht selbst die einfachste und durchsichtigste Lehre den gottbethätigten kindlich-einfachen Erzählungen der Bibel an religiösem Gehalt bedeutend nach. Die biblische wunderbare Geschichtserzählung erweckt ein kindlich-gemächliches Erfassen historischer Gegenstände und einen religiösen und gläubigen Sinn, namentlich in dem noch unbescholtenen, zarten Kindesherzen; sie fördert und erzeuget religiöse und sittliche Erkenntniß, da sie die Geschehnisse in ihrer naturzuständlichen Verkettung und Mischung des Göttlichen mit dem Menschlichen erzählt. Für jüdische Schulen ist aber der Unterricht in der biblischen Geschichte noch von besondrem Segen, da die Kinder dadurch den hohen Beruf des jüdischen Volkes erkennen und das Bewußtsein einer geschichtlichen Bedeutsamkeit ihrer Ahnen frühzeitig begreifen. Hr. Dr. W e ssely hat sich daher, wie jeder unbefangene Leser es wohl einsehen wird, durch Ausarbeitung eines Leitfadens für den ersten Unterricht in der biblischen Geschichte kein geringes Verdienst um die Schulen Oesterreichs erworben, zumal die vorhandenen Lehrbücher das geschichtliche Element sowohl als auch die erste Bildungsstufe ganz unberücksichtigt gelassen. Der Religionsunterricht selbst kann bekanntlich nach der bestehenden Schulverfassung Oesterreichs keine Abänderung erleiden; das in einer unreifen Zeit und mit beschränkter Auffassung abgefaßte Bne- Iion (ein religiös-moralisches Lehrbuch für die israel. Jugend) ist das einzige gesetzlich eingeführte Schulbuch für den Religionsunterricht, welches wie kaltes Wasser ^als Universalmittel angewandt wird für jedes Alter, für jedes Geschlecht und für jede Bildungsstufe. Für den Unterricht in der biblischen Geschichte ist noch kein bestimmtes Lehrbuch vorgeschrieben; den jedesmaligen Religionslehrern steht es frei nach den Bedürfnissen für Lehrbücher zu sorgen, und Hr. Dr. Wessely hat einen erfreulichen Anfang damit gemacht. Wir geben hier eine übersichtliche Anschauung der Themata, die in diesen Kreis der bibl. Geschichte hineingezogen worden, und die, mit den hinzugefügten biblischen Sprüchen und religiösen Liedern aus dem Hamburger Gesangbuch, einfach und abgerundet dargestellt sind. Es umfaßt die Erzählungen: Weltschöpsung, Sabbat, die ersten Menschen, erster Brudermord, Adams Nachkommen, die Menschen nach der Sündfluth, die Erzväter als Stammhäupter der Juden, zwölf Stämme und Josef, Jakobs Nachkommen in Egypten, Auszug aus dem Lande der Sklaverei, die Israeliten in der Wüste, die Offenbarung und Gesetzgebung, Werth und Zweck der mosaischen Gesetzgebung, das mündliche Gesetz. Die Propheten, Mose, Josua, Richterund die Könige. David und Salomo, Theilung des Reichs. Reich Israel und Reich Juda, Wegführung nach Babel und erste Tempelzerstörung. Am lehrreichsten sind aber die Themata ausgefallen, welche über die eigentlichen Juden, nämlich über die Geschichte nach der Heimkehr aus Babel, wie z. B. das Thema: die Juden unter Bedrückung, Verfolgung und Kampff; die Juden unter den Römern und dann in der Zerstreuung, und der Abschnitt: Israels Hoffnung, Glaube und Leben bilden einen angemessenen Schlußstein zum Ganzen. Dw Sprache ist durchgehends gemächlich und einfach gewählt, die darin 36

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