Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1840)
- Article
- Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
- Date
- 1840-09-05
- Page
- 280 (sequence 3)
- Language
- German
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280 berufen. Ich sage, sein Scherflein, denn nicht auf der Goldwage laßt uns die Gefühle wiegen, des Armen kleine Gabe wiegt auf der Wage der Barmherzigkeit gleich der größten des mit Gütern Gesegneten. Laßt uns fest zusammenhalten in dieser großen Angelegenheit und Jeder an seinem Thcile bringe dar, was er zur Förderung der guten Sache beitragen kann." Hr. D. Salonions, auf die Rede seines Vorgängers eingehend und die Zweckmäßigkeit der ergriffenen Maßregeln Englands preisend, griff zuletzt Frankreich an. „Hr. v. Oven hgt Ihre Aufmerksamkeit auf das allen vernünftigen Erwartungen widersprechende Benehmen der französischen Regierung gelenkt. Ein Benehmen, das ich im Interesse der Humanitär, Frankreichs selbst und auch der Juden beklage. Aber keineswegs mögen wir die Handlungsweise des französischen Ministers für das Benehmen der französischen Nation anerkennen; denn fest bin ich überzeugt, daß diese, die Gefühle der englischen rücksichtlich dieser Frage rhcilt. Erwägen sie aber, daß es Frankreich, wo nicht Jeder die Befugniß hat, öffentliche Versammlungen zu berufen, Gelegenheit mangelt, sich so auszusprechen, wie wir hier; denn die gegenwärtige Versammlung beschränkt ihre Wirksamkeit wahrlich nichtauf uns, die zunächst dabei Jnteressirten! Den französischen Conseilspräsidenten möchte ich heute hier sehen und ihn fragen, ob er nicht schamroth wird über die Art und Weise, wie diese Angelegenheit in der französischen Kammer verhandelt worden ist. Und doch haben die französischen Juden einen Vortheil vor uns voraus, um die Aufmerksamkeit ihrer Kammer auf sich zu lenken. Dort wurde die Sache in der Dcputirtenkammer von einem Mitglieds israelitischen Glaubens vorgetragen, der als Franzose und Jude zugleich sie aufforderte, seinen geangstigten Glaubensgenossen zu Hilfe zu eilen. Als der Ministerpräsident erwiederte: „Sie greifen einen Reichsbccmiten an, ich bin verpflichtet, demselben beizustehen," — da redete er vielleicht als Minister recht; als Mensch aber war es seine Pflicht, die Abscheulichkeiten, die dort gegen die Juden verübt wurden, zu verdammen. Ich beschuldige ihn vor dem civilksirten Europa des Mangels an Menschlichkeit. Ich bin überzeugt, daß dieser Ruf überall wiederhallen wird, weil der Charakter dieses Landes von jedem andern mächtig abweicht. Unser Vaterland ist stets bereit, gegen die Tyrannei Partei zu ergreifen und so werden wir ohne Zweifel der Unterstützung des ganzen britischen Volkes uns zu erfreuen haben. Unsre christlichen Brüder werden sich uns mit Eifer anschließen, um den Zustand des ganzen menschlichen Geschlechts verbessern zu helfen und da dies der Zweck Ihrer Sendung ist (zu Montesiore gewandt) so hoffe ich, wird sie von reichem Erfolge sein; ich habe nichts weiter beizufügen, als.den Wunsch: Gott möge die Beschleunigung der Sendung unterstützen." Endlich erhob sich Montesiore: „Meine Herren! Es ist jetzt keine Gelegenheit, Schmeicheleien zu sagen, oder anzunehmen. Wie sehr ich mich auch geehrt fühle, die einfachste und klarste Antwort, die ich geben kann, ist die: Halten Sie mich für geschickt, den Auftrag zu übernehmen, so setze ich jedwede Rücksicht bei Seite und spreche: ich will gehen! (lauter Beifall.) Ich fühle das ganze Gewicht der Verantwortlichkeit, die ich übernehme. Ich fühle tief, von welcher Wichtigkeit für unsre Nation die Schritte sind, die ich zu thun gedenke und Eins nur entkraftigt meine Beforgniß, daß nämlich Herr Cremieux, ein Mann, begabt mit den hervorragendsten Talenten, die Mission mit mir theklt, deren ganze Größe ich empfinde. Wir gehen, um die Forderungen der Menschheit zu vertheidigen, die in unfern verfolgten und duldenden Bürgern gekrankt ist; wir gehen, wo möglich, das dunkle Getriebe satanischer Machinationen aufzuhellen, die Verschwörung zu entdecken, die Verschwornen zu beschämen; wir gehen, unsre Brüder im Osten von dem Schandflecke zu reinigen, den Intoleranz und Fanatismus auf unsre Nation werfen versucht haben; Fanatismus, Betrug, Raubsucht, von charakterlosen Verfolgern ausgeübt! Noch mehr, wir wollen versuchen, den östlichen Regierungen aufgeklärtere Grundsätze der Gesetzgebung und Gerichtspflege einzuflößen; sie zu vermögen, die Tortur abzuschaffen und das ewige Recht hoch über die parteiliche Gewalt zu setzen, und, meine Herren, ich hoffe, daß unsre Bemühungen werden mit Erfolg gekrönt werden; ich hoffe zuversichtlich, daß wir unsre Brüder von der unsinnigen Verlaumdung reinigen, den Regierungen des Orients begreiflich machen werden, daß kein Herz in England von den Leiden unsrer Brüder ungerührt geblieben, daß keine Hand, keine Stimme in England ist, die sich nicht unsrer Sache gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung annimmt. — Leben Sie wohl, meine Herren! ich bete zu dem Gott unsrer Väter, daß er unsre Schritte leite , in seine Hände befehle ich meine Sicherheit, ich baue auf seinen allmächtigen Schutz, und so vergegenwärtige ich mir meine Rückkehr, hoffend, Ihnen dann sagen zu können, daß der Richter der Welt unsrer Sache den Sieg verliehen, Könige und Herrscher unter seinen Willen gebeugt hat. Und so vereinige ich mich zum Schluffe im Gebete mit Ihnen für den Frieden Jerusalems, im eifrigen Gebete, daß der Herr, der Heilige in Israel, sie schützen möge!" (Große Bewegung in der Versammlung.) Vieles Schöne wurde noch gesprochen, vieles Zweckmäßige noch berathen, und viele und reiche Unterschriften füllten die Subscriptionsliste, die Baron von Rothschild zur Unterstützung für die Reise öffentlich auslegte. (Fortsetzung folgt?, Personalchronik und Miscellen. Kraft hoher Ministerial-Verordnung vom 22. Juli soll die zu Fürth eingeführte Einsegnung (Consirmation) künftig unterbleiben. Hat Israel schon des Segens zu viel? Der aus Dresden weggewiesene Pariser Bürger, Abraham Wormser, will diese Intoleranz noch gar nicht verschmerzen; aber dem Conseilpräsidenten ist Dresden zu weit, mit dem Plebs in der Schweiz machte man bei einer andern Gelegenheit weit weniger Umstande.. Da hat nun der Deputirte Carnot die Sache Wormser's übernommen und will, von La fitte, Arago u. A. unterstützt, die Geschichte in nächstkünftiger Session zur Sprache bringen. — Werden sehen! Die britischen Juden haben bei Gelegenheit des Unfalls der Königin durch die wahnsinnige. That Oxfords auch ihre Adressen an die Majestät gerichtet und Deputirte gesandt. Recht gut! wenn sie nur auch einmal etwas von sich und ihrer Emancipation sagen wollten. In Warschau hat letztlich der Fürst Stadthalter das jüdische Hospital besucht und seine Zufriedenheit über die Einrichtungen geäußert. —: Merkwürdig! Wird man denn auch bald in der Gemeinde außer dem Hospitale Aerzte anstellen, welche die Gebrechen heilen könnten? Verlag von C. L. Fr itz sch e. Druck von I. H. Nagel