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Der Orient · 1840-09-05 · Heft 36 (5.9.1840) · p. 279

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 36 (5.9.1840)
Article
Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
Date
1840-09-05
Page
279 (sequence 2)
Language
German
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279 genheit ansprechen darf, auf daß unsre Unschuld allen Völkern der Erde klar in die Augen trete. Stets der Ihrige. S a l o m o n H e r sch e l, Oberrabbiner. Nr. 5. Bixry Court City 20. Sivan (30. Juni) a. M. 5600. U. An Sir Moses Montesiore, Ritter I. R. S., Präsident des Londoner Somit es der britischen Judendeputation. Geehrter Herr! Rücksichtlich der empörenden Beschuldigungen , die man auf unsre heilige Religion zu wälzen versucht, halte ich es für meine Pflicht, als Oberrabbiner derjenigen Gemeinden, zu welcher Sie als ein so ausgezeichnetes Mitglied gchören, unverzüglich und amtlich zu erklären, daß ich ohne Rückhalt und feierlichst dem Eide beitrete, den der ehrwürdige Salomon Herschel auf sich genommen hat. Als Sprößling einer Familie, die seit,drei Jahrhunderten hohe Kirchenämter bei den angesehensten jüdischen Gemeinden, zu London, Livorno, Mantua rc. bekleidet, dessen seliger Vater, der gelehrte Dr. Raphael Meldola, 25 Jahre lang dem hochwichtigen Amte eines Chachams bei unsrer ältesten hiesigen Gemeinde von Beris Marks wegen seiner tiefen Kenntniß unsere Gesetze, Sitten und Einrichtungen würdig vorgestanden hat: erkläre ich es für unmöglich, daß irgend ein solcher abscheulicher Gebrauch je unter den Juden hätte existiren oder durch irgend eine Autorität hätte scmttionirt werden können, ohne daß er davon sollte Kenntniß gehabt haben. Ich hoffe darum zuversichtlich, daß Ihre Bestrebungen, die Religion unsrer Väter von der niedrigen Verläumdung zu reinigen, womit sie befleckt worden ist, unter Gottes Beistände einen erwünschten Erfolg haben werden, daß der Schutz des Allmächtigen Sie auf allen Ihren Schritten begleiten, sein Segen auf allen Ihren Thun ruhen wird. Dahin zielt das inbrünstige Gebet Ihres ergebenen David Meldola, Oberrabbinen der Gemeinde von Beris Marks. Indessen hatte auch der Aufruf an die verschiedenen Judengemeinden Londons insgesammt seinen großen Erfolg gehabt. Die Gerufenen trakeu an dem festgesetzten Tage, 23. Juni in der großen Synagoge in London zusammeu. — Nach Beendigung der Abendandacht (denn es war nach 4 Uhr des Nachmittags, wo man sich versammelte), ward auf Vorschlag des Synagogenvorstehers, Herrn Cohen, Montesiore zum Vorsitz berufen. Der Vorsitzende erklärte nun, daß die gegenwärtige Gemeindenversammlung sich über die von den freiwillig zusammengetretenen Ausschuß der Londoner Juden gefaßten Beschlüsse zu berathen habe, welche Beschlüsse (die wir bereits kennen) alsdann von dem Sekretair, Herrn Sampson Samuel vorgelesen wurden. Unter andern kamen hierbei auch Briefe aus dem Oriente zum Vortrage, die mit ausgezeichneter Hochachtung und dankbarer Anerkennung des englischen General-Consuls zu Alexandrien, Hodges, der Bemühungen des Fürsten Metternich, des vielfach schon erwähnten Consuls Merlaro, Lau rin und Lames Rothschilds erwähnen, welcher letztere unter andern 20,000 Fr. zur Unterstützung der armen Verfolgten ausgesetzt hatte. Der Bericht kam auf das Endresultat zurück, daß man es nach Prüfung der erhaltenen Dokumente für nöthig erachte, einen Bevollmächtigten der englischen Juden nach Syrien zu senden, der den Herrn Cremieux *), welcher von dem französischen Central-Conststorium der Israeliten zu dieser Reise erwählt worden' sei , zu begleiteil habe, '*) Cremieur war selbst gegenwärtig in der Versammlung. Deutschland ward ^urch den anwesenden Dr. Lowe vertreten. daß man bereits den Herrn Montesiore zu diesem Bevollmächtigten bestimmt und daß derselbeim Vereine mit Herrn Cremieux, sich bereit erklärt habe, die Mission zu übernehmen und zur Vertretung der Angeklagten nach Alexandrien zu gehen. Die zahlreiche Versammlung erklärte sich auf Vorschlag des Herrn Mayer Anselm von Rothschild mit den Beschlüssen der erwähnten Deputation einverstanden und beschloß, derselben für ihr eifriges und rasches Handeln den wärmsten Dank abzustatten. Es läßt sich erwarten, daß man in dieser, durch einen Humamtätsakt und für Religion begeisterten Versammlung treffliche Worte vernahm. Wir wollen nur einiger Reden Erwähnung thun, welche den Gegenstand am allseitigsten aufgriffen, welche am lautesten für Wahrheit, Lugend und Recht sich vernehmen ließen. Herr Vernarb von Oven bemerkte: „Es ist wahr, bis jetzt wüthet die Verfolgung nur in einer Stadt Asiens; aber wer kann es behaupten, daß es bei dem Geschehenen sein Verbleiben haben wird? wenn nicht durch das Einschreiten dieser und ähnlicher Versammlungen die gegen uns vorgebrachte Beschuldigung vollständig zurückgewiesen, die Bosheit unsrer Feinde entlarvt und aller Welt die niedrigen Beweggründe ihres Verfahrens offen dargelegt erscheinen? Bis es erwiesen ist, daß diese entsetzlichen Beschuldigungen nicht blos unwahr sind, sondern auch nicht wahr sein können! (Beifall), daß diese Dinge nicht nur der Erfahrung, sondern auch den obersten Grundsätzen unsren religiösen Vorschriften schnurstracks zuwider laufen? — Ich weiß, daß viele Männer, deren Urtheil ich Hochschatze, der Meinung sind, es sei nicht blos unnöthig, sondern sogar unpolitisch, eine Widerlegung der Anklage zu versuchen, es sei ein Schimpf für die Gemeinde, wenn man sich mit öffentlicher Widerlegung befasse; ja, ich gestehe, daß ich selbst dieser Ansicht huldigte; aber seitdem ich bemerkt, wie in Frankreich, dem aufgeklärten Frankreich, dem Hauptsitze der Freisinnigkeit und Wissenschaft, die Regierung, wenn auch nicht geradezu erklärt, daß sie an unsre Schuld glaubt, doch sich weigert, irgend eine Maßregel zu ergreifen, die bewiese, daß sie nicht daran glaube, ich sage, seitdem ich gesehen, daß Frankreichs Consuln unsre ärgsten Feinde sind und daß die Regierung in kalter Berechnung es vorzieht, ihre Agenten in Schutz zu nehmen, statt sich auf die Seite der Humanität zu stellen, seitdem uns sogar Herr Crcmieux erklärt hat: „Frankreich ist gegen imö" — seitdem sich diese und ähnliche Zeichen der menschlichen Leichtgläubigkeit wahrgenommen, bin ich überzeugt worden, daß diese schreckliche Beschuldigung nicht blos rücksichrlich der Juden zu Damaskus, sondern im Allgemeinen und vollkommen zurückgewiesen werden muffe, daß unsre Rabbinen, alle berühmten Rabbinen und Religionslehrer Europas, sich eidlich erklären müssen, wie sie von der Unwahrheit des Vorgebrachten im Innersten überzeugt seien, daß unsre Ankläger öffentlich aufzusordern sind, die Bücher, die derartige Vorschriften, wie die uns zur Last gelegten, enthalten sollen, vorzulegen; endlich, daß die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Geschichte der Vergangenheit hingeleitet werden muß, wo in verschiedenen Ländern zu ähnlichen Zwecken Lügen .erfunden worden sind. Nur zu gut ist cs bekannt, daß auch England Zeiten hatte, wo den Juden Verbrechen angesonuen wurden, die.denen von Damaskus an Grausamkeit keineswegs nachstehen und dieselben Ursachen haben gleiche Anklagen hervorgerufen. Religiöser Fanatismus und Habgier nach den Besitzthümecn der Verfolgten, das sind die Motive,, die wir jetzt wie damals in Bewegung gesetzt sehen. — Darum, sagte schlüßlich der Redner, daß einem Jeden Gelegenheit werde, seine Gefühle kund zu gehen, sein Scherflein HnWi bringen, 'darum se.it Ihr hierher

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