Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 35 (29.8.1840)
- Article
- Zur Geschichte der Homiletik
- Date
- 1840-08-29
- Page
- 558 (sequence 3)
- Language
- German
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559 Bcurtheilung der gottesdienstl. Worträgev. Dr. Holdheim. Lit. Ankündigungen. 560 Sünder das Vergehen, die Mkssethäter das Verbrechen in der tiefsten Tiefe der Brust fühlen zu lassen,, sie verkündigten zugleich wahrhafte Tröstungen und sichere Hoffnungen in gewählten Ausdrücken, um die Nieder-gebeugten zu ermuthigen und die Unterdrückten zu beleben. Warum sie jedoch nur auf solche Weise ihren Worten Eingang zu verschaffen dachten, wollen wir durch Gründe zu erläutern suchen. Den Propheten lag noch kein Buch vor, streng abgefaßt, gesammelt und geordnet und für sacco-sanct anerkannt, in welches sie ihre subjectiven Ansichten hineintragen konnten; der Pentateuch bildete noch kein abgerundetes Ganze, war noch nicht in die Wohnungen Israels eingedrungen, und pflanzte sich noch nicht als Gottes Wort von Mund zu Munde fort, als daß sie-einen beliebigen Abschnitt oder Vers, zum Text gewählt , auf die ihnen zusagende oder den Umständen entsprechende Weise auslegen und erklären konnten. Ferner war zu jener Zeit der Propheten, wo das Hebräische als Landessprache in Palästina existirte, keine Paraphrase oder willkürliche Commencation der etwa vorliegenden Geschichtsquellen und Gesetze Moses möglich, weil Jedermann Hebräisch verstand; die Redensarten und Eigentümlichkeiten der Sprache kannte, und den Sinn eines Verses in seiner einzig wahren Bedeutung, genau erfaßte. So lange eine Sprache lebt und blüht, entstehen keine Erklärer und Ausleger, nur als die griechische Sprache immer mehr ausstarb, wurden zu Aristoteles Schriften, obwohl sie philosophisch sind und deshalb selbst den Griechen schwierig zu verstehen sein mußten, Scholien und Commentare in unübersehbarer Masse angefcrtigt. Endlich war's der strengste Glaubenseifer und der höchste Patriotismus, welcher die einzelnen Männer, Propheten genannt, belebte, begeisterte und in demselben Augenblick zu sprechen hinriß, wenn sie einerseits die schrecklichsten Gräuel, die unerhörtesten Missetaten, in jenem anarchischen Zustande, vom Volke ausüben, andererseits den barbarischen Feind mit großen Kriegsschaaren herannahen sahen. Darum mußte Gott oder ein guter Engel die Worte ihnen unmittelbar in den Mund legen, ihnen höchst merkwürdige Zeichen geben, und übernatürliche Wunder thun; darum mußte die Sprache als Gottes unmittelbare Eingebung so lauter und erhaben, mitunter abgebrochen, dunkel und kunstreich Hervorkommen. Oft sogar steigerte sich das Streben, gleichklingende Wörter des größern Nachdrucks wegen anzubringen, zu einer Uebertreibung; aus gleichklingenden Wörtern wurden mißklingende Satze, aus zierlichen Sätzen gezierte Vorträge; aber in Allem bekundete sich ein ernstes Streben und ein heiliger Eifer durch Rednerkrast und Rednerschmuck auf das Gemüth der Zuhörer zu wirken. (Fortsetzung folgt.) Litexarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen Einen Groschen für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. [222.] 3m Verlage des Herrn Franz Edlen von Schmid und I. I.. B u schm Wien ist so eben erschienen und durch Herrn Eduard Kummer in Leipzig ist zu beziehen: bs 'iywb *mnD Festgebete der Israeliten nach der gottesdienstlichen Ordnung im israelitischen Bethause in Wien und vielen andern Gemeinden. Mit einer neuen Übersetzung ■ ■ --Uv von Z. N Man« heim er. 3 Bände gr. 8. Velindruckpapier 4 Fl. 30 Kr. C.-M. Schreibpapier 6 Fl.C.M. ' Fein Postpapier 7 Fl. 30 Kr. E.-M. [223.] Ferner: cptsntyn Ozar Haschorascbim, vollständiges hebräisch-deutsches und deutsch-hebräisches Wörterhuch von J. L. Bensew. Dritte durchgehends vermehrte und verbesserte Auflage -■ von Mr Lei t eris. Von diesem Werke hat nun schon der erste und zweite Band die Presse verlassen und befindet sich bereits der dritte und letzte Band, welcher den deutsch-hebraischen Theil ausmacht, unter der Presse. — Der Preis sämmtlicher 3 Bände gr. 8 auf schönem Oruckpap. 4Fl. 30Kr.; — auf Schreibpap. 5 Fl. 30 Kr. Dieses, so wie unsere sämmtlichen Verlags-Werke, die besonders dem Israeliten so Vieles von Interesse bietm, sind in Leipzig bei Eduard Ku mm m er vorräthig,' und kann auch unser Verlags-Catalog von dort unentgeltlich bezogen werden. Verlag von C. S. Fritzsche. Druck von J. H.'N«gel.