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Der Orient · 1840-08-29 · 35 (29.8.1840) · p. 546

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
35 (29.8.1840)
Article
Qohelet, übersetzt und erläutert von Dr. L. Herzfeld [Rezension]
Date
1840-08-29
Page
546 (sequence 2)
Language
German
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548 547 Lit. Uebersichten. Kohelet erstgenannten Bearbeitungen aber bereits genügend anerkannt und gewürdigt worden sind, so übergehen wir hier dieselben und wenden uns zunächst zu der Herzfeld'sche Arbeit. Wir werden jedoch, um den Fortschritt in dem Verständniß des Buches durch die letztgenannte Auslegung zu bestimmen, die neueste Bearbeitung, nämlich die Knobel'sehe, unsrer Beurtheilung zu Grunde legen. Herr Knobel stellt die gleichartigen, nach ihrer genetischen Entwickelung zusammengehörigen Gedanken zusammen und gelangt auf diese Weise zu folgendem Grundthema: Das menschliche Leben und Streben sei nichtigsowohl in Beziehung auf seine Handlungen und Unternehmungen, die durchweg erfolglos sind, als in Betreff seines Schicksals, das von einem Fatalismus abhangt, der nicht immer den Erwartungen entspricht. Um dieses durchzuführen und zu beweisen, hat der Ecclesi'ast folgendermaßen sein Buch angelegt. Von 1,4 bis 4, 16 behandelt er dieses Thema theoretisch, und von 4, 17 bis 12, 7 läßt er den praktischen Theil, die aus diesem Satze gewonnenen Lebensregeln, folgen. Beide Theile haben jedoch nur ihre Bezeichnung a priori. Der Gedankengang ist folgender. Der Ecclesiast stellt zuerst den Satz auf, daß.Alles nichtig sei, und wirft dann die Frage auf, wie es sich mit den menschlichen Bestrebungen verhalte. Aus den unabänderlichen und ewig wiederkehrenden Gesetzen der Natur schließt er, daß der Mensch nichts bewirken könne, daß sein Streben eitel und nichtig sei. Er belegt diesen Satz mit Beispielen aus seiner Erfahrung. Weder Vergnügungen, noch Genüsse, noch das Streben nach Weisheit, noch diese selbst haben ihn befriedigen oder beruhigen können. Den Grund davon fand er darin, daß der Mensch nicht von sich selbst abhange, sondern über Alles und Jedes durch einen hohem Willen entschieden und verfugt werde. Daraus ecgiebt sich nun, daß dem Menschen Nichts übrig bleibe, als das, was das Schicksal ihm bot, frohen Muthes zu genießen. Aber auch dieses-ist bestimmt, und hängt nicht vom Menschen ab. Da auch ferner das sittliche Bestreben keinen Einfluß auf das Loos der Menschen übt, und das jenseitige Leben sehr zweifelhaft ist, so bleibt dem Menschen nur übrig, das ihm Gebotene zu benutzen und zweckmäßig zu verwenden. Dieses der erste Theil. Der zweite Theil beschäftigt sich mit dem Verhalten-des-Menschen. Ihn eröffnet die Anweisung über Ausübung der Religion, über Tempelbesuch, über Opfer, Gebet und Gelübdez daran schließt sich eine Anweisung über Erwerb, Gebrauch und Genußirdischer Güter in-einigen Fällen. Er-empfiehlt gesetzlichen Ernst, Geduld, Zufriedenheit und überhaupt eine Aufführung, mit welcher keine Unbequemlichkeit verbunden ist; er verwirft sinnliche-Lust, --Schwelgerei und Ungeduld. Zuletzt, w bk Unsittlichkeit am meisten herrscht,. und knüpft daran Regeln über das politische -Verhalten,j wobei er vor Allem Unterwürfigkeit gegen den Monarchen übersetzt von Dr. Herzfeld. anempsi'ehlt; den Ungerechten straft Gott. Darauf spricht er in einer Digression über die Unbegreiflichkeit des göttlichen Waltens, und kommt dann zu den politischen Verhaltungsregeln zurück. Am Schluffe fügt er noch l eine Lehre bei über, die Wohlthätigkeit, und lehrt das | Leben in Gottesfurcht zu genießen, bevor das Alter naht. k Reftrent will weder über die Auffassung einzelner!.; Stellen, wie 1,12.18. 2, 24. 7,29. 8,5 ff. noch über j die höchst willkürliche Jdemassociation der einzelnen Theile l mit H. K. hier rechten. Er hat den Gesammtinhalt I nach Angabe des Hrn. K., und ganz zu dessen Gunsten, hier angegeben, und' abstrahirt ganz von dem Buche, das denselben gar nicht solchergestalt und so dargestellt enthält. Und dennoch glaubt er, daß jeder unparteiische Leser mit ihm darin üdereinstimmen wird, daß hier! keineswegs ein einheitliches Thema behandelt wurde. Denn abgerechnet die höchst unglücklichen Digressionen, zugei] standen manch' unlogische Uebergänge, als dem Geiste des Autors entsprechend, ist immer noch keine Spur des Zusammenhanges zu erkennen, und vollends an eine Einheit, die H. K. proponirt, ist gar nicht zu denken. Man beachte nur die Verknüpfung des sittlichen Bestrebens mit dem Vorangehenden, die politischen Unterweisungen mit dem (Weibe), an dem die Unsittlichkeit sich in höchster Potenz vorfinden soll, und man wird wohl sich zugestehen muffen, daß der Ecclesi'ast eines Thema's sich nicht klar bewußt war, und folglich ein einheitliches Thema nach logischer Verständlichkeit.nicht habe darstellen wollen.! Bedeutend glücklicher ist daher Hr. Herzfeld in seiner Angabe des Gesammtinhalts. Hier tritt uns in der That ein einheitliches Thema entgegen, das der Verfasser nach allen Seiten beleuchtete, betrachtete und untersuchte. Es ist folgendes: Alles ist nichtig, d. h. das menschliche Streben sei zur Erreichung des Erdenglücks unzulänglich. Der Ecclesiast beweist dieses durch Beispiele aus seiner Erfahrung. Der Besitz und das Vergnügen, die ihm, als König, dem sie wohl am meisten zu Theil wurden, tragen nichts bei zur Begründung des wahren ErdenglüÄs. Eben so wenig sei zweitens die Weisheit im Stande etwas zum Glücke beizutragen; weil sie einerseits ftemde Interessen und Naturkräfte,! um materielle Güter und Genuß sich zu verschaffen, j nicht zu überbieten vermag; andrerseits, da Unrecht und Uebermacht auf Erden herrschen, auch nicht im Stande sei, das Erworbene hinlänglich zu sichern. Endlich drittens begründe auch nicht ein moralischer Lebenswandel J das irdische Wohl, weil die Erdengütec nicht immer nach j Moralischer Würdigung vertheilt werden. (Fortsetzung folgt.)

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