Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 35 (29.8.1840)
- Article
- Qohelet, übersetzt und erläutert von Dr. L. Herzfeld [Rezension]
- Date
- 1840-08-29
- Page
- 545 (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 35. Leipzig, den 29. August 184«. Literarische Ueb er sichten. Kohelet von Dr. Herzfeld, beurtheilt von Dr. Hirschfeld. — Bemerkungen über die neuesten Bibelübersetzungen. Das Bibelwerk unter Redaktion des Dr. Z unz, beurtheilt von M. Heß. — Literar. 7(nalekten. Grabschriften, mitgetheilt von M. Stern. Wörterbücher zum Talmud, von ihrer unbrauchbaren Seite. — Zur Geschichte der Homiletik. Bei Gelegenheit der Beurtheilung Dr. Holdheim's gottesdienstl. Vortrage v. I. A. Frankel. — Sit. Ankündigungen. Literarische Übersichten. 20) n^ mp/ übersetzt und erläutert von Dr. L. H erz selb. Braunschweig, 1833. Ed. Hammerich. Das Buch Kohelet rechnet man, sowohl in Betreff des Verständnisses seines Gesammtinhalts, als des der einzelnen Theile, mit Recht zu denjenigen Büchern der Schrift, die uns am unverständlichsten sind. Der Gesammtinhalt erscheint uns, beim ersten flüchtigen Anblick, als ein zusammenhängendes Thema, daß man aber noch nicht ganz erfaßt habe, etwa weil man es nur flüchtig gelesen. Man forscht genauer und sorgfältiger, um zum klaren Verstandniß zu gelangen, und kann nun den eigentlichen Zusammenhang nicht finden, nicht erkennen. Gleichwohl schien das Buch uns vorerst ein zusammenhängendes Thema zu behandeln, die Grundansicht einer Einheit schwebte in dunkeln Umrissen vor, und sie will erkannt sein. Das Buch indessen liefert uns in keiner Weise einen derartigen Stoff, den man zu einem einheitlichen Ganzen verarbeiten könnte, und es entsteht sonach ein Widerspruch zwischen der subjektiven Grundansicht und dem objectiven Inhalt des Buches. Dieser Widerspruch tritt uns in diesem Buche deutlich entgegen, und. erschwert unendlich die Auffassung des Gesammtinhalts. — Und so ist auch das Nerhaltniß der einzelnen Theile desselben. In diesem kommen Sätze vor, die sich schnurstracks widersprechen. Der Inhalt derselben ist indessen realiter so unbestimmt und zweifelhaft, daß man den einen Ausspruch sowohl als den andern für bestimmte Falle annehmen könnte. Und wegen der grundansichtlichen Einheit, die wir nun ein für allemal substiturrten, will es uns bedünken, als handle in der That jeder Satz von einem andern Falle. Der Widerspruch zwischen den einzelnen Theilen ist demnach nicht objectiver Art, sondern entsteht nur durch die unrichtige Auffassung, die zu beseitigen man sich auf alle Weise bestrebt, und die gerade dem wahren Verstandniß hinderlich ist. — Von altersher war darum dieses Buch schon ein Stein des Anstoßes den biblischen Exegeten, und selbst die Synagoge hatte, nach der Erzählung des Talmuds, den Entschluß gefaßt, das Buch aus dem kanonischen Bücherverbande zu entfernen, weil dessen Worte in Widerspruch sich befinden. Indessen man forschte Tag und Nacht, und fand die eigentliche Bedeutung und den Sinn dieser Sätze. Die kühne doch gewaltsame Lösung des Knotens von Seiten der großen Ecclesia unterblieb, und das Buch wurde uns erhalten und zwar in allen Ehren im Kanon selbst. Seit dieser hingestellten Erklärung. der Ecclesia hatte man sich nicht mehr zur Kühnheit erhoben, das Buch über die kanonische Grenze des heiligen Reiches hinauszuweisen, und dennoch hat man sich nicht mit derselben begnügen können. Aber ein jeder Exeget war so glücklich, eine neue und zwar die eigentliche Lösung zu finden, die aber immer sein Nachfolger mitleidig belächelte und gern dem Autor überließ, weil er erst die eigentliche Bedeutung aufgefunden hatte, die, merkwürdig genug, der Welt bis auf ihn entgangen war. So wurde denn dieses Buch dramatisirt, dialogisirt, zerstückelt und neu zusammengesügt) der Eine machte es zu einer Epistel, der andere zu einem Sermon; der Eme behandelte es als Prosa, der andere als Poesie. Wir zahlen, ohne der Legion der Uebersetzer und des Trosses der minder berühmten Erklärer zu gedenken, gegen achtzig bedeutende Exegeten, die sich der Bearbeitung dieses Buches unterzogen. Ein jeder derselben hatte die Wahrheit gefunden, die sonderbarer Weise aber immer fein anderer anerkennen wollte. Selbst noch in den letzten Jahren erfreute sich dieses Buch vielfacher Bearbeitungen, die aber mit Ausnahme der Knobel 'scheu, Ewald 'schm und H e r z f e l d 'fchen . keinen wissenschaftlichen Werth haben. Da die beiden 35