Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1840)
- Article
- Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
- Date
- 1840-08-29
- Page
- 271 (sequence 2)
- Language
- German
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271 theiligLen in das gehörige Licht zu stellen. Auch der preußische Consul nahm sich der Verfolgten mit Warme an. Die ossiclelleir Berichte und öffentlichen Erklärungen jener Männer vermochten alle redliche Herzen und alle die, denen Israels Ehre nicht gleichgültig war, nur noch mehr mit erneuter und vermehrter Kraft sich der Angelegenheit zu unterziehen. Schon am 2L. April hatte zu London eine Versammlung der angesehensten Juden stattgefunden, deren Männer wie Cromieux, Baron von Rothschild, Sir M. M o n t e f i o r e u. a. beiwohnten und die Englands, Frankreichs und Oesterreichs thatigste Verwendung, anzusprechen sich Vornahmen. Was unmittelbar darauf erfolgte, theilt der Orient in der 22. Nr. S. 1<3S mit. Nach solcher kräftigen Protection wagten sich endlich auch die Juden hervor, die unter dem Scepter Mehemed Ali's stehen und richteten an denselben zu Gunsten ihrer verfolgten Glaubensbrüder eine dringende Petition (abgedruckt: Orient Nr. 22.), worin sie in f'reimüthiger Sprache das Absurde der Beschuldigung zeigten, mit deutlichen Worten auf den Grund der Beschuldigung hinwiesen und schließlich baten, die Untersuchung der Angelegenheit jenem parthekischen Richter zu entziehen und an den Stufen des Thrones selbst fortzusetzen. Da griff denn auch das b r i 11 i f ch e Minister: er m ein. Es gab LordPonsonby u. den Generalconsul zu Alexandrien Obersten Hodgcs die Weisung, ihren Einfluß auf die türkischen und egyptischen Regierungen anzuwenden, und eine Milderung der furchtbaren Grausamkeiten zu bewirken, denen die Hebräer im Morgenlande ausgesetzt seien. Die Negierung von Frankreich aber sandte einen Vice-Consul nach Syrien, um die Maßnahme ihres Bevollmächtigten dort an Ort und Stelle zu beurtheilen, um denselben, wo nöthig, abberufen zu können. Die Parlamente und Kammern beider Länder aber fragten indes mit Nachdruck bei ihren Negierungen an, ob auch das Nöthige für die Verfolgten geschehen sei und bald darauf erließ der Pascha von Egypten eine Verordnung, in welcher er befahl, das Verfahren gegen die Angeschuldigten einer mcnschlichern Behandlung zu unterwerfen, die Tortur fürder nicht anzuwmden und sich nach dem Hatti-Scheriff von Gülhane zu richten. — Die Gelehrten hatten indes; nach einer andern Seite hin Gelegenheit die Anwälte des verklagten Judenthums zu machen. In Damaskus wurde ihnen auferlegt, den Talmud zu übersetzen, der, zu Folge einiger Aussagen und 'Anklagen, Stellen enthalten sollte, welche die Vergießung des Christenblutes gutheißen, ja befehlen, und in Deutschland — man höret — mußte man den Talmud und die nach einer verkehrten Exegese hierher gezogenen Stellen sogar vertheidigcn. (Vgl. Orient Nr. 23 f.) — Bald sollten noch andere Data ins Leben treten, um den Vertheidigern des Judenthums alle Hände voll zu thun geben. Merlato hatte den französischen Agenten und dessen Benehmen vor Gott und aller Welt angeklagt. Er hatte ungescheut behauptet, daß die Consuln der übrigen Machte entweder dazu stillgeschwiegen oder sich den Herrn von Ratti- Meuton angefchlossen hätten, er hatte es laut gesagt, daß nur er allein, diesem geheimen, unmenschlichen Bunde nicht habe beitreten mögen, und forderte durch diese öffentliche Erklärung nicht allein die betreffenden Consuln auf, sich dagegen mit aller Art Waffen zu wehren, sondern bestimmte natürlich auch die betreffenden Regierungen, ihren Agenten sich anzunehmen, und dadurch in vieler Hillsicht gegen die gute Sache bei der frühem Ansicht zu verharren und das beobachtete Verfahren zu vertheidigcn. Mit dankbarer 'Anerkennung muß cs darum die Geschichte melden, wie die französische Deputirtenkammer in ihrer Sitzung vom 2. Juni auf den Minister, Herrn Thiers, einstürmte, urn von ihm mehr als müssiges Iuschauen in der Damasker Angelegenheit zu verlangen und das Betragen Ratti- Menton's einer genauen Untersuchung zu unterstellen. Hr. Thiers vertheidigte sich durch die Hinweisung auf die Absendung eines Viceconsuls, ließ aber nicht undeutlich durchblicken, daß in seinem Innern Ratti-Menton schon gerechtfertigt erscheine und rief dadurch die Opposition und ihre eindringlichste Sprache nur noch mehr hervor. Da glaubte man von dieser Seite nicht viel erwarten^ zu dürfen, auch das englische'Ministerium bewies sich aus gleichem Grunde flau, und man beschloß daher von Seiten der Juden, gleichmehr auf die eigne Kraft zu stützen, selbst thatig aufzutreten und sein Heiligstes nicht der Politik eines englischen oder französchen Ministers anzuvertrauen. Darum trat am 15. Juni in der Vorhalle der neuen Synagoge Great St. Helens das Londoner Comity of british Jews (Sßenin der britischen Juden) aufs neue zusammen und vereinigte sich in der Ansicht, daß nach aufmerksamer Vernehmung verschiedener Briefe aus dem Oriente, die N o th w end ig ke i t einer f e r n e r n D a z w i s ch e n k u n f t der e ur opäif cl) en Israeliten zu Gunsten ihrer verfolgten Brüder in Damaskus sich herausstette, und da in Erfahrung gebracht worden sei, daß das israelitische Central-Consistorium in Paris den Hrn. Crcmieux vermocht habe, als sein Abgesandter die Sache der ang e k l a g t e n I u d e n i n D a m a s k u s z u vertheidigcn; so sei 2) die Versammlung überzeugt, daß es höchst zweckmäßig wäre, wenn einige Herrn von Rang und Talent von den Londoner Juden abgesandt würden, um mit Hrn.Cremieux gemeinschaftlich dort sich zu bethatigen. 3) Hielt sich die Versammlung für überzeugt, daß Sir Moses Montcsiore vermöge seiner hohen Moralität, seines Eifers und seines Einflusses ganz besonders dazu geeignet sei, die Juden Englands am Hofe des Paschas von Egypten zu reprasentiren, und die verfolgten Brüder im Orient zu vertheidigcn,'und ersuchte denselben daher dringend, die gedachte Mission zu übernehmen. 4) Die Versammlung ermächtigte den Genannten, jeden juristischen oder sonstigen für nützlich erachteten Beistand mitzunehmen, um den Zweck der Mission zu fördern. 5) Zur Entschädigung der Begleitung Monlosiore's und zur Bestreitung sonstiger Ausgaben, soll eine Subskription eröffnet und der Ertrag zu des Genannten Verfügung gestellt werden. 6) Baron Lioncl von Rothschild soll ermächtigt werden, eingehende Beiträge in Empsang zu nehmen. 7) Dienstag, den 23. Juni 4 Uhr Nachmittags möge in der großen Synagoge Duckplace eine öffentliche Versammlung statt finden, um den Erfolg der heutige'.: Zusammenkunft zu berichten, und deren Gegenstände zu befördern. Die Secretairs der verschiedenen Gemeinden wären darum anzuweisen, die betreffenden Mitglieder dazu einzuladen, um der Versammlung beizuwchnen, auch möge am nächsten Sabbat das nöthige darüber in jeder Synagoge bekannt gemacht worden. 8) Letztlich zolle die Versammlung dem Sir Moutesiore für bewiesenen Eifer und Selbstverleugnung den wärmsten Dank. — Zum Schluffe eröffirete Moutesiore die angeregte Subskription, indem er außer der Selbstdeckung seiner persönlichen Reisekosten noch 100 Psd. zeichnete, welcher Summe seine Gattin eben so viel beisetzte. Die drei jungen Herrn Rothschild bctheiligten sich jeder mit 200 Psd. Herr Isaak Cohen mit 100 Psd. u. s. w. dem Beispiele der Londoner Juden folgen unmittelbar darauf die zu Manchester, und in einem dort gehaltenen Mtting, dem sich alle christlichen Fabrikanten, Kaustente und Gelehrte anschloffen, wurden 800 Psd. Sterl. gezeichnet. Solch edles Beispiel wirkte gewaltig, die Theitnabme für die unglückliche jüdische Bevölkerung in Damaskus griff urn!t>