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Der Orient · 1840-08-29 · Heft 35 (29.8.1840) · p. 265

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 35 (29.8.1840)
Article
Jerusalem: die dortigen Juden
Date
1840-08-29
Page
265 (sequence 1)
Language
German
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“ij Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Br. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift er-scheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. I 35 Leipzig, den 29. August 184«. Orient. (Jerusalem, die dortigen Juden. Paris, üb. die Damaskusangelegenheit.). — -Gr o ß b ri t a nn i e n, (London, Cremieux's Rede z. Abschaffung d. Sklaverei.). — Frankreich, üb. das Neorganisations-Project.). — Dänemark (Kopenhagen, üb. Wählbarkeit. Altona, neues Judengefetz.). — Deutschland (M ainz, Replik gegen jüd. Industrie-Schulen. C ö s- Nn, wunderliche Anfrage.). — Licht- und Schattenbilder aus d. jüd.Geschichte der Gegenwart. Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten. — L V. des Orients. Orient. Jerusalem. In dem so eben (Wien, bei Gerold) erschienenem Reiseberichte unter dem Titel „der Orient in seinem gegenwärtigen Zustande" wird von Jerusalem aus Juden Bezügliches folgendes erzählt, das wir der Tendenz des Blattes gemäß hier ausziehen. „Die Bevölkerung von Jerusalem belauft sich auf ungefähr 12,000 Seelen. Zwei Dritttheile davon sind Muhammedaner, der dritte besteht aus beiläufig 2,500 Juden und 1500 Christen. Die Juden sind, als die Abkömmlinge der alten Herrn dieser Stadt, natürlicher Weise der interessanteste Theil der Bevölkerung. Wie in allen Städten des Orients, haben sie auch in Jerusalem ein abgesondertes Quartier, das in jenem Theile der Stadt zwischen dem alten Tempel und dem Berge Sion liegt. Das Aeußere ihrer Hauser ist höchst elend; gewöhnlich werden bei dem Baue derselben unbehauene Steine verwendet, ohne alle architektonische Verzierung. Diese Einfachheit der Bauart hat jedoch ihren Grund keineswegs in der Armuth, denn eine große Anzahl der Juden in Jerusalem sind sehr wohlhabend; aber die Klugheit zwingt sie, vor den Augen ihrer habsüchtigen Unterdrücker nicht nur die Reichthümer, die sie besitzen, sondern selbst den Schein des Wohlstandes zu verbergen, damit die Türken nicht aus die Spur ihrer Schätze geleitet werden. Das Innere dieser Hauser ist durchaus auf eine gleichförmige Art eingerichtet. Von der Einganspforte kommt man in den Hof, welcher oft von mehreren Familien bewohnt, und von allen gemeinschaftlich benützt wird. Eine Stiege führt zu den obern Gemächern. Die eigenthümlichen Sitten dieses Volkes in andern Ländern sind auch den Juden von Jerusalem kn hohem Grade eigen. Sie unterscheiden sich von ihren andern Glaubensgenossen des Orients hauptsächlich durch einen freien Umgang beider Geschlechter. Jndeß begeben sich die Jüdinnen nie auf die Straße, ohne sich in ein Stück Musselin einzuhüllen, das über den Kopf geworfen wird, und über die Schultern bis an die Hüsten herabfällt, ohne ihre Gestalt so dicht zu verhüllen, wie es bei den Türkinnen Sitte ist. Da in Jerusalem beinahe gar kein Handel getrieben wird, sind es meist religiöse Gründe, welche die Juden bestimmen, ihren Wohnsitz in dieser Stadt aufzuschlagen. Die Synagogen sind klein und schlecht unterhalten, nicht etwa wegen der Armuth oder wegen Mangel an Beitragen von Seite des Auslandes, sondern einzig und allein aus den eben angedeuteten Klugheitörücksichten. — Das Thal Josafat ist nur eine Fortsetzung des Thales Kedronz es scheint der beliebteste Begrabnißort der Juden zu sein, wie man aus der Menge der Grabsteine steht. Auch dieheutigen Juden haben eine besondere Vorliebe für diesen Begräbnißplatz. Jene Grabsteine sind höchst einfach: eine Steinplatte ohne alle Verzierung; die Inschriften sind hebräisch und sie enthalten nichts als den Namen, das Alter des Verstorbenen und den Tag seines Hintritts. Der Boden daselbst ist so hart, daß man nur mit vieler Mühe ein Grab zu Stande bringt. Die Erlaubniß daselbst bestattet zu werden, wird nur gegen Erleg einer bedeutenden Geldsumme gegeben. In demselben Thale Gesinden sich drei Mausoleen, deren Größe auffallend gegen die Unscheinbarst der neuem Gräber absticht. Es sind die Grabstätten Absaloms, Josasats und Zacharias. Man nennt sie zusammen die Gräber der Patriarchen. Das Mausoleum Absaloms ist darunter das merkwür- 35

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