Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 34 (22.8.1840)
- Article
- Worte der Liebe und des Trostes ... [Rezension]
- Date
- 1840-08-22
- Page
- 530 (sequence 2)
- Language
- German
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531 Lit. Übersichten. Zsr. Ehrentempel von Feder. S. D. Luzzatto's Schriften. 532 was die 'Anschaffung eines' Buches nothwendig macht; aber auch als eine Unterhaltungslectüre hatte Styl und Schreibart correcter und ansprechender sein sollen. Dennoch können wir es derjenigen Jugend, die begierig nach Mode-Romanen und' Noch anderer niederer- Lectüre hascht, als Dämpfungs- und Belehrungsmittel anempfehlen, namentlich den jüdischen Damen, die sonst in der Reget sehr wenig von der jüdischen Geschichte wissen. Der Inhalt der vier Bändchen zerfallt in drei verschiedene Rubriken : 1) Leben aus dem Leben berühmter und merkwürdiger Israeliten (eine merkwürdige Rubriküberschrist, die ich leider nicht verstehe), 2) Erzählungen, Anekdoten, Charakterzüge und Aussprüche von merkwürdigen Israeliten; 3) Witzworte und Einfälle, Schnurrn und Schwanke von Israeliten. Was die zweite Rubrik betrifft, so haben wir in dieser Beziehung schon so manche, sehr werthvolle Sammlung; in der dritten Rubrik ist so manches als von Israeliten herrührend eingeschwärzt, was entschieden ein anderes Heimatsland hat, nur der Inhalt der ersten Rubrik hat einigen Werth, wenigstens für die oben bezeichnten Leser, und von diesen blassen biographischen Skizzen geben wir hier übersichtlich den Inhalt an, um die Kauflust anzuregen. Lebensskizzen werden gegeben von folgenden jüdischen Notabilitäten: Hyrkan der Erste. Mariamna. Hillel und Schamai. Philipp der Tetrarch. Philo. Gamaliel. Flavins Josephus. Rabbi Akiba. Rabbi Meir. Rabbi Jehuda, der Heilige. Rabbi Jochanan. Zenobia. Rabbi Asche — alle diese, wie es scheint nur unvollständig nach Jost. — Bostani. Isaak. Rabbi Mose. Alphes. Jehuda Halewy. Jbn-Esra. Mose Ben Maimon (Maimonides). Abarbanel. Manasse. Benedikt Spinoza — diese aus trübern Quellen — nun folgen die mangelhaften Biographieen aus der Neuzeit: Moses Mendelssohn. Samuel Isaak aus Tost. Ephraim Moses Kuh. Salomon Maimon. Naftali Hartwig Wessely. Markus Herz (wo die alten Fehler noch wiederholt und Sterbeort und Todesjahr falsch angegeben sind). Israel Jacob. Isaak Euchel (geb. 1756, gest. 1804). Israel Jacobson (geb. 1768, gest. 1828). Lucius Liffmann. Jonas Zeiteles (so schreibt Hr. Feder anstatt: Jeiteles, was bei ihm nicht ein Druckfehler ist). Simon Hochheimer. Henoch Lippmann. Zum Schlüsse sechs Glieder der Familie Rothschild. Auch die Correctur ist sehr vernachlässigt, es gehört zu den Seltenheiten, wenn ein ausländisches Wort, oder ein fremder Name richtig geschrieben ist, nur an Druck und Papier läßt sich nichts tadeln; diese verdienten einen bessern Ehrentempet. S. D. Luzzatto's Schriften. 20) Prolegomeni ad uua grammatica ragionata della iiugiia ebraica di 8 a m u e I D e v i d L uzzatfc o. Padova, 1836. 8. 224 Seiten. Herr S. D. Luzzatto aus Triest, der gegenwärtig in dem Rabbinen* Collegium in Padua hebräische und aramäische Grammatik und Exegese, Dogmatik, Moral und jüdische Geschichte als Professor vorträgt, ist mit dem Aufstreben der jüdischen Literatur in der Neuzeit, mit der modernen Geschichte der neuhebräischen Poesie, mit der Textkritik beb den Juden so innig und unzertrennlich verwachsen, daß nur besondere Umstände und Verhältnisse es veranlaßt zu haben scheinen, daß seine reichhaltigen, belehrenden und sogar formell abgerundeten Productionen wenig in literarischen Blättern, wenigstens wenig mit Analyse und wahrer Kritik besprochen und gewürdigt worden sind. Solcher Umstände gab" es aber gerade bei Luzzatto und seinen Werken mancherlei Art. Erstens sind seine Arbeiten gewöhnlich in Italien gedruckt, wie z. B. seine Uebersetzungen, Handbücher, seine Proleg omini, und wenn auch einige in Wien erschienen, wie Kinor Naim und Onkelos ha-Gex, so werden die dortigen Erscheinungen bekanntlich nicht minder als ausländisch betrachtet, da der Debit sehr erschwert ist. Die Käufer mühen sich nicht gern ab, um Geld auszugeben, und bei italienischen Büchern würde sogar jede Mühe sich erschöpfen; nun kommt noch dazu, daß eine neue Erscheinung die andere verdrängt, so daß das Publikum selten dazu kommt, bei Einer Erscheinung hartnäckig zu verharren. Zweitens war die jüdische Journalistik fast noch gar nicht auf dem Standpunkte, ernste kritische Recensionen zu liefern, auch Geiger's Zeitschrift für jüdische Theologie nicht ausgenommen; theils weil die Masse des Mittelmäßigen und des Bedeutungslosen in dem jüdischen Schriftenthum bei gründlichen Kritiken sehr leicht einen Anstrich von Unmuth und Bitterkeit dem Recensenten gegeben, theils weil man auch die unbedeutenden Productionen, als zum Bau des Ganzen gehörig, nicht gern zurückweisen wollte noch mochte. Endlich kommt noch dazu die Persönlichkeit Luzzatto's. Wie gewöhnlich alle Autodidakten hat auch Luzzatto von sich und seinen Produktionen eine Meinung, die nicht nur oft sehr von der Wahrheit entfernt ist, sondern die mit dem wirklich Geleisteten fast in gar kein Verhältniß treten kann. Als Italiener kennt er nur Liebe oder Haß, Freundschaft oder Feindschaft; wer es wagt, ein Glossem, eine Bemerkung zu seinen Arbeiten oder über seine Leistungen zu machen, der wird als Feind und Gegner betrachtet. Welchen bittern Spott, welchen Hohn haben nicht Rapaport und Krochmal in seinem Betulat Bet Jehuda zu ertragen gehabt, blos weit sie sich unterstanden, in diesem oder jenem Punkte anderer Meinung zu sein! Es fühlt aber nicht so leicht Einer daß Bedürfniß nach einem Gegner; selten hat einer die Sehnsucht nach Feindschaft, am wenigsten ein Redakteur eines jüdischen Blattes, der mit einem Publicum zu thun hat, welches zwar Papiere kauft aber keine Blätter, auf Actien subscribirt aber aus keine Journale, Geschäfte ab sch ließt aber auch sich von allem literarischen Leben ab sch ließt, und wenn auch Noten