Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 33 (15.8.1840)
- Article
- Rückblicke auf einige die Schrift: "Rabbinenwahl rc. rc.", betreffende, unschuldige Mißverständnisse
- Date
- 1840-08-15
- Page
- 523 (sequence 3)
- Language
- German
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525 Fortschreitende Entwickelung der Cultur der Juden in Deutschland. 526 wesentlichen rabbinischen Wirksamkeit ab finden zu lassen. Daß aber Hr. Dr. H. in. der in spaterer Zeit sich gebildeten Benennung Rabbi und Rabbine das Moment des Lehren s sehr charakteristisch und auch sprachlich bezeichnet findet, möchten wir fast ein literarisches Curiosum nennen, wenn wir überhaupt uns nur erst getrauen dürften, irgend einer Vermuthung über den Grund dieser mindestens etwas abstrusen Aeußerung Raum geben. Daß Rabbi d. h. DT (von DDD, viel, groß, mächtig sein, vergl. das latem, amplus und den Ehrentitel amplissimus), Oberhaupt, Herr, bedeutet, und zwar im Arabischen Gott nicht weniger als im Hebräischen und in^ den ' Aramäischen Idiomen (ftDD) ist zu bekannt, als daß hier noch Belege beizubringen wären. Von Lehren und Lehrer möchte wohl in dem Worte so wenig eine Spur zu entdecken sein, als der DD/ DT/ DD D^DDlD und die ^DD ''DD Lerem. 19, 13 ihr Lehrerzeugniß an der Stirne tragen. Wenn übrigens auch der Lehrer DD/ pD u. s. w. heißt, so ist damit nicht seine'Bestimmung, seine Wirksamkeit, sondern seine Würde bezeichnet, so wie an DDD (£j*) sich wohl auch der Begriff des Erziehens anknüpft, aber nur^ls: groß machen, emporbringen u. dgl. (Fortsetzung folgt.) D ie fortschreitende Entwickelung der Cultur der Inden in Deutschland von Mendelssohn bis auf unsere Zeit. (Fortsetzung.) Sie stistetew die hebräische Monatsschrift, „den Sammler" (1783 — 87), suchten' dadurch Geistesbildung, Verbreitung Nützlicher Kenntnisse, Säuberung des hebräischen Stiels unter ihren! Glaubensgenossen zu fördern, verabsäumten aber nicht gleichzeitig aus diesem Mittelpunkte geistiger Khätigkeit heftige Blitze auf den Rabbimswus zu schleudern, so daß dieser von den Blitzschlägen getroffen, bald zur lichten Flamme aufloderte, von derselben aber nicht ganz verzehrt, ec seine grimmigen Feuerfunken mit Ungestüm auf das Haupt seiner Feinde zurückschleuderte. — Die Männer der Refornr traten so in den offenen Kampf gegen die Rabbaniren, und jede der Parteien wußte die ihr geschickteste .Waffe, wobei das olijeetum litis zu weit aus den Augen der Kämpfer gerückt wurde. Die Reformer, unwillig über den ausbleibenden Sieg, und anderseits wieder begierige ohne Hinderniß in das Staatsbürgerthum ausgenommen zu w erden, benutzten die Zeit, wo auch das Christenthum seine alten Institutionen aufzugeben begann, und beeilten sich mit demselben eine Unterhandlung, durch das bekannte Sendschreiben Frkedlanders an den Probst Keller (1735), anzuknüpfen. Allem die Uebereilung war wie Wasser, darum ihr kein Vorzug.' Die Principien der Mosaischen Religion wurden, gestützt auf die Mendelssohn'schen Aussprüche, in folgende Satze zusammengcftßt: a) Es ist ein Gott, d) Die Seele des Menschen ist unkörperlich, c) Die Bestimmung des Menschen hienieden ist Streben nach höherer Vollkommenheit und hiermit nach Besitz der Glückseligkeit. 6) Die Seele des Menschen ist unsterblich, e) Gott hat den Menschen geschaffen zu seiner, d. i. des Menschen Glückseligkeit (S. 22. und 23. des Sendschr.). Die Aufhebung der Ceremom'al- und Ritualgesetze wurde wiederholentlich (S. 60 ff.) ausgesprochen., und das Eintreten in die christliche Gemeinschaft von der Nicht an nah me deren Dogmen und Ceremonien abhängig gemacht. Welchen Widerspruch dieses Streben von Seiten der Christen erhalten ist bekannt —; bei den Juden weckte es einerseits den verderblichen Jndifferentismus und anderseits den nicht minder verderblichen Pietismus. Beide stehen-'in der engsten Verbindung, und letzterer ist die Folge des erfteren. — So ward durch dieses re so rmato rische Streben die Sache des Judenthums nicht nur nicht gefördert^ sondern verlor dabei: eine nicht geringe Zahl' ihrer Anhänger, die durch äußere Vortheile gelockt, und durch das miß» verstandene reformatorische Princip „der Selbsterhaltung und Erhaltung der Nachkommen" (Sendschrb. S. 53.) irre geleitet, zum Christenthume übertraten. Durch solche Resultate belehrt, sahen die Reformer die Unzweckmäßigkeit ihres Strebens nnd Treibens, sie erkannten, wie unpraktisch ihre subjektiven Theorieen sein, sie gaben dieselben vorläufig auf, schlossen sich dem Philanthropismus der Zeit an, und lenkten ihre Khätigkeit aus Verbesserung des jüdischen Schul- und. Erziehungswesens, wo reichlicherer Segen ihr Mühen auch belohnte. Das ästhetische Wohlbehagen, welches ganz im Geiste der geschilderten philosophischen Zeitbildung der Juden sich bemeiftert hatte, welches über die Gegenwart, die keine Nahrung darbot kühn sich hinausschwmgerid, den Duft aller Länder in lustigen Flügen zusammenhaschend, einer volksmäßigen, durch das wirkliche Leb.en bedingten Gestalt gänzlich ermangelte, fing nunmehr an allmählig zu schwinden: das erwärmende Gefühl der frischen Gegenwart machte sich wieder im Leben für dasselbe heimisch, und das zum Selbstbewußtsein erwachte religiöse Gefühl verlangte nach dem Ausdrucke in eigener Sprache, um den religiösen Gedanken sich unmittelbar zum Bewußtsein zu bringen. — Diesem Verlangen war theils durch die früher angefertigte deutsche Paraphrase der Bibel und des Gebetbuches (letzteres 1786 von Euchel und etwas später von David Friedländer übersetzt) Abhülfe geschehen, und es durfte nur etwas mehr Sorgfalt auf das Erlernen des Hebräischen verwendet werden, und alle Bedürfnisse wären befriedigt; allein die noch' nicht ganz aufgegebene Selbstsucht der Reformer und deren athemloses Ringen, die Wurzel des Rabbinismus aus dem tiefsten Grunde'so mit einemmale auszumerzen, brachte sie, aus den Ge-damken, die hebräischen Gebete abzuschaffen, an deren Stelle deutsche zu setzen, und so den ganzen Gottesdienst umzuformen. — Welche Fort- oder