Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 32 (8.8.1840)
- Article
- Uebersetzungen der Mischna und des Talmuds
- Date
- 1840-08-08
- Page
- 508 (sequence 3)
- Language
- German
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509 Charakteristik d. UeLersetzungen. Fortschr. Entwickelung d. Cultur d. Juden in Deutschland. 5L0 der Ordnung Seraim interpretirt hatte, auch die übrigen, wäre es ihm vom Geschick vergönnt gewesen, bearbeiten, wie hervorgeht aus Eduard Bernards Dedicationsepistel, die er den genannten zu Oxford 1690 in 4. erschienenen Codicibus voranschickte. Derselbe bittet zugleich den Alexius (den ich für dieselbe Person mit Petrus Allixius halte, der einmal von Frankreich nach England reiste und sich durch verschiedene Schriften auszeichnete, jetzt aber gestorben ist), bei dieser Arbeit ihm. behülflich zu sein. Seine Worte lauten, wie folgt: Deßhalb munterte ich bei diesem Uebelstaude der Literatur den Alexius auf, einen Mann , der sowohl in den rabbanitischen Schriften als auch in denjenigen Schriften bewandert ist, welche die Nabbinen nicht kennen, er möge die gesammte Mischna in lateinischer Sprache den christlichen Gelehrten zugänglich machen, und den durch Guise erlittenen Verlust durch eine so zeitgemäße Arbeit einigermaßen zu ersetzen suchen; zumal da alte Uebersetzungen der Mischna verborgen liegen, eine Griechische aus der Zeit des Justim'an und eine Arabische aus einem andern Jahrhundert. Joh. Leusden in seiner Vorrede zum Joel schickt verschiedene Lractate der Mischna voran, die vorher noch nicht übersetzt waren, und zwar pmrklirt und durch kleine Glossen erklärt. Mart. Jac. Cromann am Schlüsse seiner Ausgabe des Codex EVT> verspricht die Übersetzung und Erklärung einiger Traktate der Mischna in ähnlicher Weise p. 193 und 195. Hadrian Reland, weiland Prof, zu Franecker, soll eine neue Ausgabe der Mischna mir tatein. Uebersetzung versprochen haben. Joh. Steph. Rittangel, ein früherer Jude, soll von Vielen zur Veranstaltung einer latem. Mischna - Uebersetzung aufgefordert sein, wie hervorgeht aus der Dedicationsepistel, welche er seiner deutschen. Abhandlung über die Feste, festlichen Gebräuche und Gebete der Juden vorangcstellt hat. Königsberg 1652. 4. Seb. Schmidübersetzte 18 Trattate der Mischna ins Lateinische nach der an Jac. Weller gerichteten, dem Codex Erubin in den talmudkschen Collcctaneen vorangeschickten Dedicationsepistel. Julius Barrolocci, Verfasser der rabbinischen Bibliothek, hinterließ nach Jmbonat's Zeugm'ß (Latein, hebr. Bibliothek pag. 148) eine Erklärung der schwereren Redensarten,, die. in der Mischna Vorkommen. (Schluß folgt.) Die fortschreitende Entwickelung der Cultur der Juden in Deutschland von Mendelssohn bis auf »nsere Zeit. (Fortsetzung.) ß. Epoche der Mendelsohn'sehen Schule (Stufe der Subjektivität 1783—1808). Nachdem die Juden vom Baume der Erkenntniß deutscher Wissenschaft gekostet hatten, gingen ihnen die Augen aus, sie erkannten ihre Nacktheit, schämten sich derselben und waren darum auch bestrebt, schon in dieser Periode als rege Theilnehmer und thätige Mitarbeiter im Gebiete deutscher Wissenschaft aufzutreten, was nicht wenig einflußreich auf ihre bessere bürgerliche Stellung inmitten ihrer christlichen Mitbrüder wirkte. — Betrachten wir jedoch hier zuerst den Stand wie das Streben deutscher Wissenschaft und deren Wirkung auf Staat und Kirche, und es werden uns bald, aus bereits oben angegebenen Gründen, die bürgerliche Stellung der! Juden, deren Fortschritte in der Kultur und die wissenschaftliche Ausbildung des Judenthums im hellsten klarsten Lichte : entgegentreten.! Die Keime der allgemeinen Civilisation, welche in Deursch-; lernt» durch die Wolf'sche Philosophie zum freudigen Leben ge. weckt wurden, setzten bald durch den. gewaltigen Einfluß fran-! zösischer Intelligenz zur Blüthe und Frucht an; das erwachte; Bewußtsein Deutschlands nahm die Gestatt der Aufklärung! an, und die Nützlichkeitstheorie den Herrscherthron ein. —- In der. politischen wie in der kirchlichen Welt entdecken wir; einen aufs Allgemeine gewandten- Geist nebeneingebildeter,! klügelnder Welwisscrei; einen Geist der Zerstörung und Neuerung neben eitler Rücksicht auf sich selbst; der sich selbst überlassene und freigesprochene Verstand, die wachsende Einsicht wies gar leicht das selbstvergessene Gefühl von sich, indem sie die Gegenstände des Glaubens mit eigener Fackel zu beleuchten versucht war.. — Die Freilassung der Vernunft, aus der Herrscherhand Gottes und. die Mündigkeit des Menschen wurden von einer Schaar französischer Philosophen gepredigt, und die Deutschen zogen, wie Bienen, aus dieser hellprunkenden Blume ihren Honig, und so erreichte denn dieses Streben in Frankreich in der Revolution und in Deutschland im Idealismus die höchste Spitze. — Wir haben nur den Idealismus, seine Gestaltung und! Folge für Deutschland zu betrachten', und' müssen besonders des Mannes erwähnen, der den Anstoß zu seiner Entwickelung gegeben, ich meine des genialen Kant. Seine niederreißende Kritik verscheuchte bald bei ihrem ersten Erscheinen (1783) den Voltaire'schen Spuk, der in jedem Winkel der Literatur sein Unwesen trieb; sie stützte die Verständigkeit, regte nach allen Seiten an, verdrängte aber hier, wie überhaupt das wahrhafte, innige Leben aus dem religiösen Gemüthe, und befreite durch die engen Schranken, die sie dem Geiste anwies, denselben gerade, so unendlich, daß ein Fichte daraus das. ganze. Universum ableitete und entwickelte. Dies Streben, brachte auch einen freiem, höhern Standpunkt in die deutsche Staatsverfassung, der: Widerwillen gegen das Positive im Staate, wie in der Religion, gegen alles Ererbte und nicht Erworbenedie Begeisterung für die Freiheit und Gleichheit der Rechte, hatte sich der Gemüther bemächtigt, die Verachtung alles Zufälligen gewann immer mehr die Oberherrschaft, und stürzte so die Scheidewand, welche Geburt, Rang, Glücksgüter und sonstige Vorzüge zwischen Personen und Stände gezogen, über den Haufen. Auch der Juden ward hierbei gedacht , und während Frankreich sie zu Staatsbürgern machte,