Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 32 (8.8.1840)
- Article
- Bemerkungen über die in letztverflossenen Jahren erschienenen deutschen Bibelübersetzungen
- Date
- 1840-08-08
- Page
- 503 (sequence 2)
- Language
- German
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503 Bemerkungen über die neuesten Bibelübersetzungen. Dr. Salomon» mi (Pcov. 23, 15), wo im Deutschen der Casus des vorhergehenden Hauptwortes auch am Fürworte ausgedrückt werden muß, und muß heißen: auch die ihrige. Die Verdeutschung der Stelle p)rtfl mnro ‘'pyDI (Lev. 22, 24) verlaßt schon bei Arnheim noch mehr aber bei Dr. Salomon die strenge Grenze der Wörtlichkeit. Ich glaube aber den Vorschlag wagen zu dürfen, daß, nachdem jeder Deutsche bei Menschen und Thieren unter dem Ausdruck Verschnitten den hier beabsichtigten Begriff zu fassen versteht, der heutige Standpunkt der Sprachen dahin benutzt werde, um die Stelle auf folgende Weise auszudrücken: Ein Verquetschtes^ Verdrücktes, Berissenes undVerschnittenes sollt ihr nicht darbringen. II. Die in der Salomon'schen Entgegnung oft gebrauchte Hinweisung auf Takt und Sprachgefühl ist eine Hinweisung auf das ästhetische Gewissen, dessen Gebiet, wie das einer jeden Subjectivitat, erst dort anfangt, wo die Grenzen der determinirenden Intelligenz aufhören. Wie der gute Geschmack niemals die Wörtlichkeit der Uebersetzung zum mechanisch gleichförmigen Sylbentausch erstarren lassen darf, eben so muß auch das richtige Urtheil unter den Synonymen, welche den Original- Ausdruck vertreten sollen, die gehörige Auswahl zu wessen wissen. Das Urtheil aber unterscheidet sich darin vom Geschmack, daß es sich der Gründe seiner Auswahl durch genaueres Erfassen seines Gegenstandes bewußt, und auch im Stande sein muß, diese Gründe als Rechenschaft seines Verfahrens mit Bestimmtheit anzugeben. Jemehr der Originalausdruck durch den größeren Umsang seines Begriffes der Vieldeutigkeit unterliegt, ein desto tieferer Einblick in den Zusammenhang des Ganzen wird auch erfordert, um die angemessene Dem tuirg im Einzelnen finden zu können. Vorzüglich mag das bei der Uebersetzung der Partikel und mancher Servilbuchstaben der Falt sein, wenn der Gedanke im gehörigen Lichte erscheinen soll. Als Beispiel hierüber: sei mir erlaubt, neben der Salomon'schen und Arnheim'- schen Uebersetzung eines ganzen Stückes den Versuch einer dritten anzuführen, die in dieser Ansicht gemacht ist. Leviticus ff. 18. Kap. 25. V. ff.: Salomon. 2b. Da das Land verunreinigt wurde, so ahndete ich sein Verbrechen an ihm, und ausspie das Land seine Bewohner. 26. Ihr aber sollt beobachten meine Gesetze und meine Rechte, und thuet keines dieser Gräuel, weder der Einheimische noch der Fremdling, der sich aufhält in euerer Mitte. 27. Denn alle diese Gräuel thaten die Menschen des Landes 28. vor euch, und unrein wurde das Land» Damit das Land euch nicht ausspeie, wenn ihr es verunreiniget, so wie es 29. -ausgespieen das Volk, das vor euch war.' Denn wer etwas thut von diesen Gräuelthaten, solche Personen, die cs thun, sollen abgeschnitten werden von der Mitte ihres 30. Volkes. Ihr aber beobachtet meine Vorschrift, nichts zu thun von den gräulichen Gesetzen, so gethan worden von euch, daß ihr nicht unrein werdet durch sie. Arnheim. 25. Da das Land unrein war, und ich heimsuchte die Schuld an ihm, da spie das Land aus seine Bewohner. 26. So beobachtet ihr denn meine Satzungen und meine Vorschriften, und thuet nichts von all diesen Gräueln, der 27. Eingeborene und Fremde, der unter euch weilet. Denn all diese Gräuel thaten die Bewohner des Landes, die 28. vor euch, und das Land war unrein. Auf daß nicht das Land euch ausspeie, wenn ihr es verunreiniget, so wie es ausgespieen das Volk, das vor euch. 29. Ja wer von all diesen Gräueln eine thut, so sollen die Personen, die sie thun, ausgerottet werden aus der Mitte ihres Volkes. 30. Beobachtet meine Vorschriften, nichts zu üben von den Gesetzen der Gräuel, die vor euch geübt worden sind, daß ihr euch nicht verunreiniget durch sie. Möge es nicht als kleinliche Schmähsucht angesehen werden, wenn ich bekenne, in-diesen Darstellungsweifen von dem vielgepriesenen Ton kindlicher Einfalt nur ermüdende Schleppigkeit und lästige Wiederholung ohne Zusammenhang entdecken zu können. Salomon's damit am Anfang des 28. Verses will mir durchaus in keinen construttiven Zusammenhang erscheinen. Dabei glaube ich behaupten zu dürfen, daß wenn auch bisweilen gewisse asketische Anordnungen mit dem 'Ausdruck VVIpn Vorkommen, dieses nur in Rücksicht der besonderen mosaischen Institution geschehen könne, welche diese Vermeidung als etwas ihr Eig enthümliches festsetzt) daß aber das bloße Unterlassen heidnisch-charakteristischer Gräuel durch ^Hlpn und noch obendrein in Verbindung mit ausgedrückt sein sott, wird schwerlich im ganzen Pentateuch ein 'Analogon finden. Dafür hingegen erscheint mir die 2lufmunterlmg zur Befolgung der göttlichen Institutionen in Ceremonie und Asketik (i&EtPEl >mpn) als der nothwendigen Mittel zur Veredlung des Blutes, Bezähmung der Leidenschaft und Sicherung vor gemeinsinnlicher Corruption, gewiß an ihrem Orte, wo dem tiefsten Verfall in die ausgesuchtesten sinnlichen Laster vorgebeugt werden soll. Ich glaube daher auf folgende Weise übersetzen zu dürfen: „So ward das Land unrein, und ich ahndete ihm sein Verschulden, und das Land spie aus seine Bewohner. Darum beobachtet ihr meine Anordnungen und Aussprüche, damit ihr nichts begehet von all diesen Abscheulichkeiten. Der Urbürger oder Fremde, der unter euch weiter. Denn *) alle diese Abscheulichkeiten haben begangen die Leute des Landes, die vor euch waren, und das Land ist unrein gcwor- 1) Die bisher verbotenen Gräuel sind nicht wegen ihrer Möglichkeit angeführt, sondern sind wirklich verübt worden; darum bedarf die menschliche Natur der Vorkehrung, daß sie sich nicht dahin verirre.