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Der Orient · 1840-08-08 · Heft 32 (8.8.1840) · p. 248

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 32 (8.8.1840)
Article
Die Juden in Rhodus
Date
1840-08-08
Page
248 (sequence 4)
Language
German
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248 du dich, du bist ja noch nicht Lodt?" Nachdem der Märtyrer 40 Stunden ohne Speise und Trank, eine furchtbare Glut unter seinen Füßen, in der Lust schwebend zugebracht hatte, erfolgte ans den Extremitäten des Unglücklichen starker Blutverlust; und ohne durch diese Infamie ein Geständnis; erpreßt, zu haben, war der Priester daran, den Geist aufzugeben. Der Pascha, davon benachrichtigt, ließ ihn herabnehmen, in sein Gefänaniß zurückbringen und auf Stroh werfen. Der ununglückliche dänische Dragoman, David Misrachi, durch die Angst des gemarterten Juden Stcmibuli anstatt Elias Kalamiti, Dragoman und Agent des Londoner Hauses Davis (dem eigentlich das Verbrechen aufgebürdet werden sollte), als der Empfänger des geraubten Kindes angegeben, wurde nach dem Rabbiner, auf dieselbe Weise wie dieser, aufgeknüpft und gemartert. Doch weit schwacher als der Priester, befand sich David Misrachi schon nach sechs Stunden in dem Zustande der Auflösung, ebenfalls ohne daß ein Gestandniß von ihm erpreßt war. Kaum blieb so viel Zeit, den Pascha von dem hcrannahenden Tode zu benachrichtigen. Schon ohne Besinnung, wurde er herabgenommen und ebenfalls in den Kerker zurückgetragen. Nach vier Tagen wurden der Rabbiner und die vier Aelresten in Freiheit gesetzt. Das leidende Aussehen des Erster» mußte den verführten Pascha gerührt haben, denn er sagte bei seinem Heraustreten aus dem Gefängnisse: „Du thust mir leid, allein dein Consul Giuliani verlangte die von mir an dir verübte Marter«" Die übrigen Jnculpaten wurden im Gefängniß zurückbehalten. Mittlerweile wurde der Großrabbiner in Konsiantinopel von den Anschuldigungen und den an den Juden zu Rhodus verübten Grausamkeiten in Kcnntniß gefetzt, und auf fein Ansuchen bei der hohen Pforte, den Hattischerif von Gulhane in Anspruch nelnnend, gelangte ungefähr einen Monat nach der Tortur des Rabbiners von der hiesigen Regierung der Befehl an den Pascha von Rhodus, die Mutter des Kindes, die drei griechischen Ankläger und vier von den Juden unter sich selbst wählende Deputiere nach Konstantinopel zu schicken. Diese Deputirten sind die oben genannten Abraham Amato, Baruch Benatta, Isaak Capeluto und Jakim Misrachi. Vor ihrer Abreise ließ JuffussPascha die Abgeordneten vor sich rufen und schärfte ihnen ein, bei der hohen Pforte nichts Nachthelliges von ihm zu sagen, da seine ganze Handlungsweise bei dieser beklagenswerthen <^ache das Werk der Consuln sei. Vierzehn Tage nach der Abreise der Deputation wurden auf Befehl Reschid-Pascha's alle übrigen gefangenen Juden in Freiheit gesetzt. Seitdem laßt man die Gemeinde in Ruhe, obgleich die Juden, wenn sie sich keinen Mishandlungen der Christen ausfttzen wollen, sich nicht vor die Thore der Stadt wagen dürfen." So weit die treue Erzählung der Juden mit der Klage gleichlautend. Meinerseits habe ich mich ernstlich bemüht, bei den Behörden nähere Details über die hier stattsindenden Verhandlungen zu sammeln und dadurch erfahren, daß drei Conferenzcn bis jetzt in dieser Angelegenheit bei der Pforte stattgefunden haben, und obgleich man die Verhandlungen erst nach gefällter Sentenz (die nächstens erscheinen muß) erfahren kann, so kann ich doch Folgendes verbürgen: Der Dragoman und Agent Elias Kalamiti zu Rhodus berichtete augenblicklich seinem Principale Davis in London von den vorgefaltenen Scheußlichkeiten in Rhodus, wie er ihn schon früher in Kenntniß gesetzt hatte, von wem die Verläumdungen ausgegangen und gegen wen sie gerichtet waren. Hr. Davis mit den angesehensten Juden Londons, Rothschild an der Spitze, überreichte der englischen Regierung ein Memorandum, worin er diese um Schutz gegen die Gewaltthaten und Eigenmächtigkeiten des englischen Ccnsuls Wknkclson in Rhodus bat und zugleich eine Untersuchung forderte. Lord Palmerston schickte dem englischen Gesandten in Konstantinopel den Befehl, sich der bedrängten Juden anzunehmen. Da nun der Mollah und die Häupter der muhammedanischen Religion zu Rhodus in Gegenwart der Consuln und des Pascha die dortigen Juden von den Beschuldigungen freigesprochen und für unschuldig erkläre hatten, erging von der hiesigen englischen Gesandtschaft im Geheimen die Aufforderung, daß die türkischen Richter den Juden dieses Zeugniß schriftlich geben und an Lord Ponsonby schicken sollten. Die Consuln ihrerseits, vorzüglich der englische, der von dem von London aus gethanen Schritte nichts wußte, gaben dagegen der Mutter des Kindes und den Anklägern Briefe und schriftliche Erklärungen gegen die Juden von Rhodus mit nach Konstantinopel. Beim ersten Verhöre, wo der erste Dragoman der englischen Gesandtschaft zugegen war, gaben die Mutter und die Ankläger dasselbe zu Protokoll wie in Rhodus, und überreichten zugleich die Briefe der Consuln, die ihre Sache verthcidigten und bestätigten. Die jüdischen Abgeordneten ihrerseits gaben dieselben Erklärungen wie vor ihrem Pascha, mit Hinzusügung ihrer Klage gegen denselben und die Consuln; .zugleich aber prasentirte Lord Ponsonby durch seinen ersten Dragoman die schriftliche Unschulderklarung der Juden, durch den Mollah und die Negierungshäupter von Rhodus ausgestellt. Reschid-Pascha gab darauf im versammelten Divan die Erklärung, daß er dem Molah eher glaube als allen christlichen Consuln zu Rhodus. Mittlerweile kam hier der Mollah von Rhodus selbst an, und dieser beschwor auf den Koran die Unschuld der Juden und das grausame an den Juden verübte Verfahren des Pascha sowohl als der christlichen Consuln. So nun erwartet man umgehend die Sentenz, die ich aus erster Hand erhalten und Ihnen dann sofort überschicken werde. Zugleich hat der hier seit mehr denn einem Jahr anwesende Hr. v. Rothschild aus Paris und London die Sache, wie ich sie ihnen hier geschrieben, vor kurzem dem Fürsten Metternich nach Wien zugeschickt. Gegen die betreffenden Consuln wird nicht eher von ihren Negierungen eingeschritten werden, bis das Urtheil in dieser Angelegenheit von der hohen Pforte gesprochen ist, was, wie ich Ihnen zuverlässig versichern kann, ganz zu Gunsten der Juden zu Rhodus ausfallen wird. (L. A. Z.) Personalchronik und Miscellen. Nächstens soll für die Juden-Emancipation in Holstein etwas geschehen; wenigstens soll den Standen darüber einiges vorgclegt werden. Man ist.begierig aus die Rolle, welche die angesehenen Juden in Altona dabei spielen werden, ob sie mehr Energie dabei zeigen werden als bisher. — Verlag von C. L. Fritz sch e. Druck von I. H. Nagel.

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