Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1840)
- Article
- Arabien: das Aufhören der freien Juden in Arabien zur Zeit Muhammeds
- Date
- 1840-08-08
- Page
- 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 Wegegeld zu zahlen hat, ferner daß er in Nedschd, in dm hochgelegenen Gebirgsgegenden von Hidschas, überwintert, sich in fünf Horden Iheilet, und das Heer der Wahabiten bestand fast blos aus Gliedern dieses Stammes. Daß die Wahabiten, welche an einen Gott glauben und Muhammed nur für einen weisen Mann aber nicht für einen Propheten halten, in dem jüdischen Stamme eine Stühe findet, ist sehr einleuchtend, da sie dem Judenthume am verwandtesten sind, nur wäre es zu voreilig, wenn man daraus schließen wollte, daß durch die Niederlage der Wahabiten auch zugleich der jüdische Stamm Beni-Eenessa oder Beni-Chaibar untergegangen sei, da die Berichte von der Einnahme Ehaibac's ganz schweigen. (Fortsetzung folgt.) Niederlande. Amsterdam. Colonieen zur Ausrottung der Bettelei in Holland. Es bestehen in Holland in der Provinz Dronthe, zur Ausrottung der Bettelei, Colonieen zu Willemsoord, zu Frederiksoord, zu Benhuison und zu Ommerschotts. Diese Colonieen stehen unter der Aufsicht einer Societat, welcher S. königl. Hoheit, Prinz Friedrich prasidirt. Der Eintritt in diese Colonieen erfolgt theils als freiwillig, theils genöthigt. Die Armen, welche freiwillig in diesen Colonieen sich niederlassen, sind alle die, deren Mittel zum Lebensunterhalte nicht ausreichen. Man giebt ihnen hier Obdach, Landerei, Vieh u. s. w. unter dem Titel eines Darlehns, das sie wieder abzutragen haben aus dem Erlöse ihrer Arbeit. Bettler und Waisen sind genöthigt, in diese Colonieen einzutreten. Sie werden von den Ortsobrigkeiten dorthin gesandt, die eine bestimmte Summe für jede Person erlegt. Dort widmen sie sich allen Arten von Beschäftigungen. Die Waisen verlassen die Colonieen nach Verlauf einer bestimmten Zeit. In der Colonie Willemsoord, nicht weit von dem Städtchen Steenwyk, gibt es auch eine Judengemeinde. Sie existier dort seit einigen Jahren. Der Gouverneur ließ ein Gebäude aufführen um eine Synagoge, eine Schule und eine Wohnung für den Lehrer einzurichten, und sandte einen Israeliten dorthin, der das Amt eines Vorsängers, eines Schochet (Schächters) und Lehrers bekleidet. Das ist das Mittel, auch Israeliten in diese Colonieen zu ziehen, die sich dazu bis jetzt wenig geneigt zeigten, der Schwierigkeiten bei Ausübung ihrer Religion willen. Hr. S. Mulder in Amsterdam, israelitischer Schulinspectoc in dem Königreiche der Niederlande, hat die Güte gehabt, uns einen Auszug des Rapport mitzucheilen, den er dem Gouvernement im Jahre 1839 über die Visitation eingereicht hat, welche er in der israelitischen Schule zu Willemsoord veranstaltete. Auszug aus der dem Gouvernement gemachten Mittheilung — August 1839. Es war am 18. Juni, als ich mich zur gehörigen Stundein die Colonie Willemsoord verfügte. Ich hatte das Postamt zu Steenwyk (einer kleinen Stadt, zwei Stunden von der Colonie gelegen) bedeutet, daß es den Brief, der meinen Besuch meldete, noch nicht ausliefern sollte; meine Ankunft war daher ganz unerwartet. Der Lehrer ward also nicht einen Augenblick beengt. Es war 8 Uhr Morgens. Um 8| Uhr versammelten sich die Kinder in der Schulklaffe, alle mit ihren beffem Kleidern angethan. Ich benutzte diese kurze Zwischenzeit, um mich mit dem Lehrer zu unterhalten, der zu gleicher Zeit der Vorsänger und Predigrr der Israeliten in der Colonie ist, und ich erkundigte mich bei ihm nach allen Dingen, die mir wiffenswerth schienen. Die Synagoge ist einfach, aber geräumig, eigenthümlich zwar, und wie alle andere Synagogen emgetheilt. In dem südlichen Theile hat man eine Kanzel aufgebaut, worauf der Lehrer jeden Sonnabend eine Stunde vor dem Vespergedete, dem Mincha (NMO) einen Vortrag in holländischer Sprache halt, welchem jeder Colonist beiwohnt. Sehr Schade, daß die heiligen Gerüche (objets sacres) den Cultus bedingen und aus diese Weise wenig ins Licht treten lassen; es wäre zu wünschen, daß die Gemeinden, oder die Reichen Particuliers, welche zuweilen von diesen Gegenständen in Ueberstuß haben, davon der Gesellschaft für. Mildthätigkeit einen Theil überließen, damit dieselbe sie in die Colonieen senden könnte. Der Lehrer wohnt bequem und nett. Zur Seite seiner Wohnung findet sich das Badehaus, ebenfalls so zweckmäßig eingerichtet, wie in mancher großen Stadt. Die Schulstube ist geräumig, sehr gut durchlüftet und erhellt, mit den erforderlichen Wandcharten versehen, überdies mit 12 Tafeln nebst Banken, die daran befestigt sind, einer kleinen Bibliothek und überhaupt mit all dem, was ein guter Unterricht erheischt. Der Lehrer, Nehemia Salomon Jacobssohn ist im Jahre 1802 zu La Haye geboren; er hat sein Examen am 11. Juli 1832 vor der Provincial-Commission des öffentlichen Unterrichts im mitternächtlichen Holland bestanden. Auch hat er sein Examen schon als Religionslehrer gemacht, und zwar am 8. Juni 1830, vor der israelitischen Schulcommission in Nimwegen. Herr Jacobssohn ist zu seiner Zeit als Volontair hierher gekommen, eben so wie viele andere seiner Glaubensgenossen, um unser geliebtes Vaterland gegen die Angriffe der Belgier zu vertheidigen, dies hat ihm das Recht eingebracht ein Ehrenzeichen zu tragen, was den Antheil beweist, den er an den Waffenthaten dieses Zeitraums genommen hat. Es leben in der Colonie Willemsoord ungefähr 160 Familien, unter denen 12 israelitische. zu treffen sind, die durch das Wohlwollen des Directors meist nah bei der Synagoge wohnen. Diese 12 Familien umfassen die Zahl von 103 Köpfen und 62 von ihren Kindern besuchen die Schule. Ich traf sie alle an und über ihre Gestalt war