Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1840)
- Article
- Vom Neckar: Besprechung des Artikels von Constanz ...
- Date
- 1840-07-25
- Page
- 229 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360124-2363090--0705-2363124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Colmar 1× ep/1047872
OCR text
229 ein Verein blldete, der solchen Auswanderern/ die mit Fachkenntniß ausgerüstet/ als sittlich und fleißig anerkannt sind, zur Ansiedelung und Sicherstellung in Palästina durch materielle Unterstützung und Verwendung höhern Orts behülslich wäre/ so würde damit zweien Nebeln zugleich abgeholsen. Die weitere Ausführung dieser Idee hat uns freilich Ihr Hr. Korrespondent nicht gegeben, aber vielleicht weislich Vorbehalten, um erst die Aufnahme und Beurtheilung seines ersten Aufrufes abzuwarten. Es sott uns sehr freuen, hierin nicht geirrt zu haben. Wir müssen gestehen, daß die letzten Vorgänge im Orient auch in uns diese Idee wieder lebhaft angeregt haben, und sind gern bereit, nachdem wir die etwaige Berichtigung unserer Ansicht von Ihrem geschätzten Correspondent aus Constanz abgewartet, diesen Gegenstand erschöpfender zu behandeln,, für welchen wir die Spalten des „Orients" nicht umsonst erbeten zu dürfen glauben. Leipzig, 1. Juli. Das 5. Heft (Mai 1640) von der intereffanten Zeitschrift: „A.rchives isiaelites de France. Par une societe d’hommes de lettres sous le direction de 8. Cahen“ liegt uns vor, und bietet wie immer einen reichhaltigen Stoff zur Kenntnißnahme israelitischer Geschichte, Bestrebungen und Zustande. Unter der Aufschrift majorite religieuse wird uns im ersten Artikel ein intereffanter Aufsatz über den Akt geboten, den wir in Deutschland, nach dem Beispiele der christlich protestantischen Kirche die Confirmation nennen, einen Ausdruck, den der Verfasser als ungemaß dem ganzen Rituale des israelitischen Gottesdienstes nicht gelten lassen will. Darauf folgt ein Nekrolog des M. S. Dalmbert, Mitgliedes der Ehrenlegion, Ritters der Westfälischen Krone, Exmaire und Mitgliedes des israelitischen Eonsistoriums zu Cassel rc., der 64 Jahre alt, als Ehrenmitglied des israelitischen Consistor. zu Paris am 11. Mai verstorben ist. Daran schließt sich die Leichenrede des Herrn Polak. Unter den Mischlingen steht die Rede des Vice - Cvnsistorialprasidenten Cremieux an den König in Betreff der Angelegenheiten zu Damaskus, so wie des Königs Antwort. Nach diesem ist die Fortsetzung eines Artikels über die Juden in der Türkei (übersetzt aus der allgem. Zeitung d. Judenth.) gegeben. Interessant ist der Artikel über die Stellung der Israeliten in Italien, herauf die Fortsetzung gespannt sein läßt. Unter den Zeitungsnachrichten treffen wir theils auf schon Bekanntes, theils auf interessantes Neues. Die Verfolgung der Israeliten in Damaskus füllt noch immer eine reichliche Anzahl Spalten des Journals; auch Auszüge aus dem Journal des Debats werden gegeben. Die Briefe aus Paris, über Algier, und aus Algier selbst, sind von vielem Interesse für die Geschichte der Entwickelung der israelitischen Bevölkerung in Nord-Afrika. Ein langes Sendschreiben an den Verfasser der Zarfati'schen Briefe von I. Cohen, Advokat an dem königt. Gerichtshöfe zu Aix, füllt zum Interesse für die, welche der Angelegenheit vom Anfänge herein gefolgt sind, mehrere Spalten. Von großem Interesse ist ein Bericht aus Aix über die Wirksamkeit des Eonsistoriums in Colmar und die Bestrebungen der Elsässer Centralcommisfion zur Beförderung der Wohlfahrt in den isr. Gemeinden des Elsaß. Eben so interessant ist ein Bericht über das Consistorialrescript, die Organisation des israelitischen Cultus betreffend. Endlich das Resultat der letzten Kammerverhandlung über die Damasker Angelegenheiten. — Man sieht es dem Journal und seinen Berichten jeder Zeit an, daß ein reges thätiges Leben in Frankreich ist. Fahrt es auf dem betretenen Wege fort, weiß es vorzüglich dadurch, daß es nur mit vielem Neuen und Erheblichen uns Frankreich erfreut und auch hier und dort Ociginalarüket aus Deutschland einstreut, die unbeschrankt vom Zwange der Censur und Verhältnisse sich. unverholen über unsre Zustande verbreiten, unsre Interesse zu beanspruchen, so kann ihm ein immer größerer Beifall durchaus nicht fehlen. B erlin, 17. Juli. So eben haben die Aeltesten der hiesigen Juden schaft, und zwar der Bankier Salomon Meyer, der Fabrikenbesitzer Joel Wolf Meyer und der Buchhändler Dr. Veit eine Condolenz- und Gratulationsaudienz beim Könige gehabt; und der huldreiche Empfang, den sie gefunden, so wie die überaus gnädigen und trostreichen Worte, die der Monarch an sie gerichtet, haben einen so tiefen Eindruck gemacht, und die angestammte Liebe zu demselben zu einer so begeisterten und hoffnungsvollen Hingebung gesteigert, daß diesem Ereignisse mehr als ein momentanes Interesse gesichert ist, indem es dazu beitragen muß, die großen Erwartungen, welche das preußische Volk und die gesammte civilisirte Welt von Friedrich Wilhelm LV. Regierung hegt, auch in Beziehung auf die Verhältnisse seiner jüdischen Untecthanen zu rechtfertigen. Die erste Anrede des eintretenden Königs war gleich so freundlich wohlwollend, daß jede Befangenheit, bei einer solchen Gelegenheit so natürlich, alsbald verscheucht ward; und nachdem Dr. Veit seine Rede (in welcher er das, was die jüdischen Unterthanen Preußens als sold)e dem verstorbenen Könige verdanken und was sie vom jetzigen hoffen, auseinandersetzte, sowie die Versicherung anzunehmen bat, daß wenigstens in Beziehung auf Königs¬ und Vaterlandsliebe die jüdischen Unterthanen den christlichen Mitbürgern gleichzustehen unter allen Wechselfällen sich beeisern würden) beendigt hatte, erwiederte der König, der aufmerksam zugehört hatte, etwa Folgendes: „Mit Vergnügen habe ich die schönen Worte vernommen, die Sie, meine Herren, eben an mich gerichtet. Sie sollen bei mir gut aufgehoben sein. Bei dem Patriotismus, den die jüdischen Gemeinden meines Staates und besonders die Berlins zeigen, läßt sich schon weiter bauen, und es soll, verlassen Sie sich darauf, weiter gebaut werden. Wenn der selige König das Werk,