Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1840)
- Article
- Vom Neckar: Besprechung des Artikels von Constanz ...
- Date
- 1840-07-25
- Page
- 227 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360124-2363090--0703-2363122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
227 lenden Herzen entströmt, und solche begeisterte ungeflügelte Worte werden wohl nicht blos in manchem Herzen ein Echo finden; aber ein Echo, das im Kopfe des ruhig Denkenden und Prüfenden nur wenig von dem wiedertönen wird, was sich unter dem rhetorischen Ausdruck als klarer Sinn ausspricht. Und nur auf letzteren einzugehen ist unsere Absicht, daher es uns erlaubt sei, die Begeisterung und die schönen verführerischen Worte in ein ruhiges Räsonnement, b.egründet aus Thatsachen, und in ein .einfaches schlichtes Wort umzusetzen und ein Gleiches entgegenzuhalten. — Der Verfasser jenes Artikels sieht in den gegenwärtigen politischen Begebenheiten des Orients eine Vorbereitung unsrer Erlösung durch die eingetretene Möglichkeit der Wiederherstellung eines jüdisch - palästinensischen Reiches. Um nun unfern innern Beruf herauszusiellen, diese äußere Möglichkeit zu verwirklichen, fragt der Corresp., ob es das Ziel einer steten Bewahrung der jüdischen Eigenthümlichkeit in „Sitten, Gebrauchen, Sprache und Religion" sein solle, „durch eine ärmliche Emancipation angelockt, in ein Nichts auszugehn?" Wir fragen aber, ob die vonuns bewahrten Sitten und Gebrauche die des einstigen jüdischen Staatslebens sind? Ob die bewahrte Sprache, das wesentlichste Moment der Nationalität, wie uns alle Zeiten, namentlich die neueste, gelehrt, auch wirklich als ein solches Moment bewahrt, als ein lebendes Band uns umschlingt? Die Antwort gicbt jede unsrer Bewegungen, jedes unsrer Worte, und das deutsche des Verfassers selbst. Daß aber die jüdische Religion den echten Bekenner derselben „durch ärmliche Emancipation angelockt, in.ein Nichts aufgehen lasse," könnte nur dann der Fall sein, wenn anders alle ihre Lehren Staatstheorien, alle ihre Gesetze politische Institutionen waren. — Ein äußeres M o tiv zur Realisirung jener Idee soll nun der Druck sein, in dem wir unter dm Völkern leben, und dieser wieder in der Verschiedenheit des nationalen Ursprungs begründet sein, der „keine vollkommene Ausgleichung zuläßt." Wir überlassen es den bekannten Forschungen des geehrten Hm. Redakteurs, den Eorrespondenten zu belehren, in welcher Verwandtschaft der „südlich-semitische Urstamm mit den blonden Abkömmlingen des Nordens" stehe. Für einen angeblich in Stammverschiedenheit begründeten Haß der Söhne Jafets und Sems ist es gleichgültig, ob die bezeichnenden Eigenthümlichkeiten Beider um Jahrhunderte früher oder spater sich ausgeprägt. Allein wenn unsre so sehr gepriesene Zeit sich irgend eines Fortschrittes in der Humanität rühmen darf, so ist es gewiß diejenige Staatstheorie, die.sich bemüht, dem Unterschiede der Geburt und des Glaubens den mindest möglichen Einstuß auf bürgerliches und staatliches Leben zuzugestehen. Daß gerade unsere Zeit selbst in stammverwandten Nationen ein Streben hervorgerufen, sich durch Sprache und Verfassung zu sondern, wie es z. B. m Magyarenthum, Slaventhum u. s. w. zu sehen, zeugt nicht, wie ein oberflächlicher Beurtheiler etwa glauben .könnte, gegen sondern gerade für uns; denn selbst diese gestatten gern jedem einzelnen oder auch großem Theile eines andern Volkes sich ihrem Bürgerverband mit vollkommener Gleichstellung anzuschließen, wie uns das Volk der Magyaren ein schlagendes Beispiel an die Hand giebt. Oder denkt Ihr Correspondent etwa in seinem neugegründeten Staate auch nur den Fluch gegen die schwarzen Söhne Cham's aufrecht zu erhalten, dessen gänzlicher Aufhebung sich nur noch rein merkantilisches Interesse vergebens entgegenstemmt? Möge Ihr für das .Edle begeisterte Correspond ent nur z.B. die jüngst in der ^ntL8lnv6r)'-^i^.Ü6l)' gehaltenen Reden in Anschlag bringen, um seinen in Stamnwerschiedenheit gesuchten Grund für den Haß der Juden und die bürgerliche Ausschließung derselben besser zu würdigen, und ihn etwas tiefer suchen lernen. 7— Was sollen wir aber noch dazu sagen, wenn Ihr Corresp. weint: „Beim Volke und seinen Wortführern sind wir heute noch ebenso angefeindet, als irgend einmal! Sehet in die Staaten, wo das demokratische Element das Uebergewicht hat; Haß und Verachtung, aber kein Wohlwollen!." Soll etwa die Judenverfolgung zu Damask dem Volk und seinen Wortführern .zur Last gelegt werden? Ist der neue „Haman" hier als Wortführer der französischen Nation.zu betrachten? Oder begründen die Worte des Conseil-Pcasidenten (wenn man sie nicht nach der Verfälschung und Verdrehung einiger deutschen Blätter liest) ein solches Urtheil? — Aber wir sehen schon, der Verfasser lebt i-rt der mit Unrecht demokratisch gescholtenen Schweiz, und wir haben, es allenthalben erfahren, daß Staaten und Orte, die keine Juden kennen, sie am meisten hassen. Und dennoch auch hier die ehrenvolle Ausnahme Norwegens- — Ihr Korrespondent, die VortHeike seiner Idee nun ins Auge fassend, giebt uns eine Schilderung Palästinas in seiner innern Ergiebigkeit und äußern Stellung als Centralhandelsland zwischen Orient und Occident, der wir nichts Wesentliches entgegensetzen hatten. Allein wieder wird uns ein Beruf zum Handelsvolk vom ersten-Entstehen an zugeschrieben, dem aber der Geist und die Eigenthümlichkeit des-mosaischen Gesetzes als agrarisches wesentlich entgegensteht. Man sollte doch glauben, daß solche Dinge, idie bereits über , allen Zweifel hinaus in gelehrten und publicistischen Schriften abgemacht sind, nicht wieder kommen, viel weniger von einem Juden, am wenigsten von einem solchen, wie Ihr Correspondent, wieder aufgewärmt werden sollten. Ec 'weiß es gewiß auch nur zu gut, daß den Mosaiten der narvus.alles Handelsverkehrs,- der Zins verboten war, daß der Handel mit den Produkten Palastina's, -von 'dem -uns die Bibel erzählt, von den Phöniziern und . andern Völkern nach außen geführt wurde, und daß erst die äußern 30*