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Der Orient · 1840-07-18 · Heft 29 (18.7.1840) · p. 223

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 29 (18.7.1840)
Article
Breslau: Friedenthal, Günsburg, Francolm, die lit. Notabilitäten
Date
1840-07-18
Page
223 (sequence 3)
Language
German
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223 ausbildung, der Jugend widmete.. Seinezahlreichen Schriften, die-(Heils auf richtiges- Verständnis des Bibelwortes und dev- Verknüpfungdesselben mit dem Leben hinwirken, (Heils pädagogischen Inhalts sind, und^ in dieser, Hinsicht einmal zu den Eltern reden,, ein. andermal mit den Kindern sich unterhalten, beweisen die rastlose Mühe sein- Volk, aus die Stufe zu bringen,, wo es zur Klarheit über sein Leben und', seinebürgerlicher Stellungkommt. Breslaus künftige/ Generation wird erst recht fühlen, was/ die Gemeindedem. Mannezu denken hat: Doch der Stoff ist mir sichtbar, unter, der/Feder gewachsen; ich-breche! darum für heute ab/ mit dem-Versprechen, recht bald wieder zukommen. Vielleicht ist es. mirein andermal möglich,, mehr von dem innern Triebwerke.- zu, sagen , das unsre Gemeinde hier belebt, dorterschlafft,, hierfanatisirt,/ dort, verwässert: Fr-am-krfc <X< d. D.> 26. Jun.. Auch/ hier war, die. Trauer um den verstorbenen König tieft allgemein,, in-allen Standen, unter allen Volksklassen,< ja in > allen Confessionen,. nicht nur in äußern gleichsam' ofsi'ciellen Trauerzeichen, sondern , auch-in wahrer, in traulichen Kreisen sich aussprechender herzlicher Theilnahme erkennbar. Die ängstliche Spannung der Gemüther wahrend der Krankheit des Königs hat sich mit dem Tod und den ihn begleitenden Feierlichkeiten gelöst, und einer stillen- Würdigung' der hohen Tugenden desselben, wie einem freudigen Hoffen, daß derselbe Geist in der Regierung, des. jetzigen Königs leben und walten wird, Platz gemacht. Außer den am kirchlichen Himmel schwebendem Wolken-ist der Horizont in allen andern Richtungen klar-und heiler, und auch jene dürften nun vielleicht eher einer friedlichen Ausgleichung.entgegensehen. Die Erklärung des Königs, in dem Geiste seines Vaters die- Negierung fortzuführen, hat in allen Kreisen der Gesellschaft so wohlthatig und begütigend, gewirkt,, daß sich alle Gemüther in Liebe und'-Vertrauendem-Könige zuwendeten. Dieser wohlthatige Einfluß - hat-, sich bis auf die. jüdische Confession erstreckt, deren privatrechtlichen Verhältnissen unter der vorigen Regierung seit 1812 bedeutende Concessioneu gemacht wurden, in deren Besitz ste^ nicht nurwahrend der ganzen Zeit blieb, sondern durch deren wohlthatige praktische Folgen sie sich' auch immer mehr, derselben fähig und würdig-zu-zeigen bestrebte;/ weshalb/! siestets. mit/-einer gewissem. Bangigkeit und-' Fürcht' dem- Tronwechset entgegensah und' nun in der erwähnten E'rklätung des Königs gewissermaßen eine Act- Garantie ihrer bisherigen Rechtszustände erblickt. In der hiesigem Synagoge : ist., vom Vorstande derselben am 23. Jun. .eine, gottesdienstliche Feierzum-Andenken des verstorbenen Königs angeordnet worden, bei welcher Gelegenheit der Rabbiner, Dr. Holdheim, zur Hebung der Feier eine Gedachtnißrede. hielt,, die auf die Zuhörer verschiedener Consessionen einen guten Eindruck machte. Da diese Rede jetzt durch den Druck veröffentlicht worden, so dürfte folgende Stelle, als alle die Juden in Preußen bewegenden Wünsche und- Hoffnungen charakteristisch bezeichnend, hier einer Erwähnung nicht unwerth erscheinen. Nachdem her Redner über den Gegenstand der Trauer und der Hoffnung der preußischen Unterthanen im Allgemeinen gesprochen, fuhr er mit besonderer Beziehung auf die Interessen der Juden also fort: „Und auch wir Israeliten dürfen uns der freudigen Erwartung ymgeben, daß unser König, im Geiste der Weisheit und Gerechtigkeit seines verstorbenen Vaters, uns als seine treuen Antecthanen anerkennen-und uns in»-Besitze der Rechte Lassen wird, deren Zugeständnis aus jener denkwürdigen Epoche herrührt, in welcher der Staat in edler Verjüngung sich erkrästigte, und mit dem Großen- und Rühmlichen zusammenhängt, was jene Zeit des edeln Aufschwunges geistiger' Kraft kennzeichnet. Seimgeschärfter Blick wird wohl erkennen, daß wir uns-seitdem, der königlichen Wchlthaten nicht unwürdigbezeigten, und -seine menschenfreundliche Milde, die das' Verdienst in jedwedem Unterthan ehrend-anerkennt, wird, die Grenzen jener: Befugnisse, allmatigerweitern , damit-/ wir, durch freie Entfaltung unserer bessern. Kräfte uns einem, großem' Gemeinwesen nützlich machen und dem Ziel eines veredelten - Bürgerthumsuns immermehr annähern. Denn es strebt der wohlgesittete Mensch, im gebildeten Zustande nach freier, ungehemmter Entwickelung.seiner innern-Kraft'.; es will die Begabung, wie sie Gott in des'Menschen Brustgelegt, frei und ungehindert dem Herzenszuge folgenin alle. Kreise menschlichen- Thuns- und Strebens, in alle' Bahnenfreien Wirkens: und, Schaffens:-- Es-- willdie - Religion dem Menschen - das' ewige-Leben--dasewige -Heil sichern, aber auch hrr Zeitlichen ein meredelteres Dasein ihm nicht mißgönnen-.- Im - irdischem-. Paradiese standn eben' dem /Baume der Erkenntnis auch der-Baum des Lebens in: voller Blütenpracht' aufgepfilanzt. Daher muß der Mensch auch geistig-sittlich verkümmern, wenn die Schwungkraft seiner Seele, gelahmt wird., wenn der Grundtrieü seines/Geistes nach' größerer Entfaltung, seiner ihm von Gottverliehenen Begabung überall auf Hindernisse und Hemmungem stößt-. Es. muß ihm: selbst die Religion, die allein den Menschenin feinen- Bekümmernissen aufrechthält, gleichgültig-, ja vollends zuwider werden, wenn' er in ihr die Feindin seines- Rechtes , die einzige' Wehr-' seines'/ geistigsittlichen• Fortschritts ' erblicken' muß. Man wende'- nicht'- ein-- eshabe" Jsraek iw' seinen größftn'/Bedrängnissen: und-- Bedrückungen: in - der/ Religion' eimn-'-festen-- Stützpunkt.' gewonnen; - damit' hat - es eine' andere"'- wandmß. So lange esden' Menschen!gelungen - - den Bürgersi'nn in uns zu lahmen, das Gefühl für Freiheit und Recht in uns zu tobten, da konnte die Religion noch Trost und Erhebung gewähren. Mit der Auflebung des Bürgersinns, mit der Erweckung des Rechtsgefühls muß selbst die Religion leiden, wenn jenem rein-

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