Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 28 (11.7.1840)
- Article
- Etwas über Karäer in der Krim
- Date
- 1840-07-11
- Page
- 444 (sequence 3)
- Language
- German
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445 Ueb. KmÄer in -ec Krim. Cultnc-.Juden in Deutschland v. Mendelssohn-is aufd. Neuzeit. 44$ gewandert in die Stadt Tschufud-Kale, und daselbst zum Chasan eingesetzt worden. Cr starb (im Lande der Vergessenheit) im 3. d. i. 658, und wenn davon 4 zu den Tausenden genommen wird, so haben wir 4,654, also 894 der gew. Rechnung, und Sangari 767 ^).s— Von Tschufud-Kale machten sie eine Reise nach der Stadt Karasu oder Karasukasar, die von Bergen eingeschloffen am Flusse Karasu liegt, und wo eine uralte rabbanitische Gemeinde von den alten Luden der Krim wohnt, die tatarisch spricht und sich tatarisch kleidet. Bei den vielen Nachforschungen fanden sie in der Verwahrnngskammer neben der Synagoge einige Gesetzrollen, geschrieben wie gewöhnlich auf Pergament, die zum rituellen Gebrauch deßhalb ungültig waren, weil sie Nachschriften enthielten, die wegen des Verbotes FpDIfi b2 in der Rolle nicht stehen dürfen. Am Schluffe der Einen Rolle heißt es: bnp D”-)N*Np DDEO bjnttfV .tnp bnp D\N“)p bnpb tJHpil HEU d. h. Gewcihet (ist diese Rolle) dem Gotte Israels in der Synagoge der Chasaren, welche die untere-Gemeinde ist, und geweihet der Karäer-Kemeinde, welche die obere Gemeinde ist.a) Auf einigen Gesetzrollen lautet die Nachschrift NW d. i. sie wurde in der chasarischen Gemeinde, welche die untere Gemeinde ("im nnno) ist, geschrieben. Das Wlpl und -t£Hp in dem früher Erwähnten scheint dasselbe zu sagen. Auf einer der Gesetzrollen heißt die Nachschrift )))2U>b 'W CU (unZO»') CID MT ’nUp un DU!» f)\ n^ mb cv tob omn n'dN p minv un;;jpic3D ^np ^npa rocs unnb d^ nymN jniüf6 pts'in mu n'bitbn duü' c’yDtt’i nix» ruu^i ■ d’e6n nsnnN.<iwa CTTipb d. tj. Ich 'habe dkests Bach dcs Gesetzes, (welches geschrieben wurde) an Freitag den 29. E!ul im Jahre 4800 der Schöpfung, wie wir in der heiligen Gemeinde zu fcOlIOE) 7) In Bezug auf diese alten Grabsteine, angeblich von 767 und 894, möchten wir, abgesehen davon, ob dieser Sangari und Samuel aus Fas Karäer oder Rabbanit war, was durch diese Grabschristengewiß nicht ermittelt werden kann, noch folgende Fragen von Sachverständigen beantwortet sehen: -EWttostWnd^häbey^chÄH. Karäer diese vorgebliche Jahreszählung'? 2) Findet man Spuren, daß man )p> so hinten hin setzte? 3) Hat man. damals schon nach den Jahren der Schöpfung gezählt? Red. -WEs?steht ctiif ^btcfcr“ Gesetzrölle^dtr-Ortt nicht langegeben, wo sie geschrieben worden sei, wir erkennen aber in den Ausdrücken nbyn bnp, ncoo bnp, die dem bnp, D«*i«wp bnp QWlp ^pdrallcl.'lrnd'- "daß/sie' inWschufud -Mle ,^wo.die.Memeinde so getheilt war, geschrieben tvorden sei; also nicht zu Solchat, wie Reggio meint, auch nicht in Karasubasar, wo sie gefunden. Es wäre aber der Erforschung werth, die Spuren der chasarischen Gemeinde und der chasarischen Synagoge (DirnKWp bnp, Qn’WWp HC») i« vcrfolgen, zumal wir über dieseß Reich und dessen Reste noch sehr wenig wissen. Red. zählen, gekauft, ich nämlich Jehuda Ben Elia HadaS am Sonntag den 4. Lebet im Jahre 4870 der Schöpfung. (Schluß f.o,0lt.) Die fortschreitende Entwickelung der Cultur der Juden in Deutschland von Mendelssohn bis auf (unsere Zeit. (Fortsetzung.) Sehen wir nochmals zurück auf den Vorentwurf unserer Erörterung, so 'wird es bald .einleuchtend, daß dieser von dialektischer Natur ist, daß Entwickelung das wesentliche Prinzip der Cultur ist, und daß eben deßwegen die Fortschritte eines Volkes in der Cultur nicht als eine äußerliche Zufälligkeit zu betrachten sind, sondern als die innerste Nothwendigkeit seines Begriffes. — Denn Cultur ist die in Äußerlichkeit getretene Fortbildung des Geistes, welche letztere wohl hemmt, aber nie ganz unterdrückt werden kann, indem das Wesen des Geistes eben das ist, sich zu entwickeln, fortzubilden, frei, Gott ähnlich zu werden. — Die Geschichte eines Volkes ist demnach zu bestimmen, als die Darstellung der verschiedenen A e u ß e r u n g en d e s si ch fo r tg e.- b i l d e t e n G e i st e 6 e i n e s V o l k e s, und je bestimmter dessen Entwickelungsstufen hervortreten, desto entschiedener zeigt sich auch sein Einfluß auf die äußeren Umstände und Verhältnisse des Volkes, so wie umgekehrt bestimmen wieder die äußern Verhältnisse und Umstände eines Volkes dessen geistig fortschreitende Entwickelung. — Letz tere s. zwirnt.uns notwendig er Weise bei der Erörterung der fortschreitenden Cultur der Juden rc. zuerst immer auf deren äußerliche und politische Verhältnisse unser Augenmerk zu richten; indem die ungünstige, miserable und öfter unglaublich: nieorige Stellung der Juden, selbst in cwilisirten Staaten, ihrer geistigen Entwickelung zumeist den stärksten Hemmschuh anlegte, so daß ihr Dasein der Geschichte, und man möchte sagen sich selbst gleichgültig und bedeutungslos blieb. — Und so sehen wir denn bis um die größere Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Juden in Deutschland wie in den sonstigen Theilen Europas noch unter dem Joche verschrobener, ''mittelalterlicher^ Gdfetze-feufM, ^in der weitesten, größten Getrenntheit von ihren christlichen Mitbrüdcrn leben. — Durch Privilegien und dergleichen "Ausgeburten des Eigennutzes und Eigendünkels aus den Schulen und höhern Bildungsanstalten entfernt,, blieben die Juden mothwendig ohne alle klassische und bürgerliche Bildung, führten sie gleichsam eine anachoretische Lebensweise, und im schmerzlichsten Gefühle der erlittenen Schmach, sowie im Bewußtsein ihres höhern Berufes als Menschen und Israeliten, suchten sie Trost, Erholung und Stärkung im Glauben, in der angestammten Religion der Väter, die zu aller Zeit ihnen eine Statte der Ruhe und des-Friedens war für körperliche und geistige Leiden. —