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Der Orient · 1840-07-04 · Heft 27 (4.7.1840) · p. 206

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 27 (4.7.1840)
Article
Arabien: der jüdische Stamm Beni-Chatemi ...
Date
1840-07-04
Page
206 (sequence 2)
Language
German
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206 Lagerung durch Muhammed ergeben. Eszogen aus dieser Burg dann dreihundert Bepanzerte und vierhundert Unbewaffnete, die Muhammed hätte hinrichten lassen, wenn nicht Jbn-Seluk, der mit den Beni- Kainokaa in Verbindung von Freundschaft und Vertrag stand, sich ihrer handgreiflich angenommen. Nach drei Tagen mußten sie auswandern, und Ibadet Ben- Ss a mit, ebenfalls ein Freund dieses Stammes, führte die Auswanderer nach Esraat in Syrien. Die Waffen der Juden wurden als Beute vertheilt, wovon der blutdürstige Prophet den fünften Theil bekam. Jbn- Seluk war aber seit jener Zeit ein heimlicher Anhänger der Juden und Hintertrieb oft die Unternehmungen Muhammeds. Zu der unglücklichen Schlacht am Berge Ohod hatte e r den Rath gegeben, und seine angeführten dreihundert Juden aus Medina, ließ er heimlich wieder vor der Schlacht heimkehren. (Forts, folgt.) Frankreich. Paris, 21. Juni. Zu London ist in einer Versammlung von Israeliten beschlossen, den Advokaten Cremieux aus Paris, der eben den Sitzungen der Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei in London beiwohnte, und den Sheriff Sir Moses Montesiore aus London nach Damaskus reisen zu lassen. Für die Kosten ist eine Subskription eröffnet worden, und die drei Brüder Rothschild Unterzeichneten sogleich jeder 200 Pf. St., Sir Moses Montesiore und dessen Frau 200 Pf. St., Isaak Cohen 100 Pf. St., Lucas 1OO Pf. St. rc. Hr. Cremieux und Sir Moses haben den Auftrag angenommen und wollen schon in den nächsten Tagen abreisen. L. A. Z. Belg i e n. Brüssel, 10. Juni. Hier zu Lande erscheint es Manchem ganz unbegreiflich, wie das katholische Belgien, daß in mancher Hinsicht sich gegen Religionsverwandte eines andren christlichen Bekenntnisses nicht liebespendend beweisen kann, so indifferent hinsichtlich der jüdischen Bevölkerung sich betragt, ja die Emancipationsfrage als eine Sache behandelt, gegen welche nicht der mindeste Widerspruch aufzubringen sei. So, um nur ein Factum aus der neuesten Geschichte anzuführen, fand in der letzten Halste des Mai die Wahl der Provincial- Rache statt, einer Mittelbehörde des Volks zwischen, den Municipalrathen und den gesetzgebenden Kammern, und es ward in einem Distrikte der Provinz Brüssel,als Mitglied dieses Rathes der Jude Mark Deby, Fabrikbesitzer und Bürgermeister von Laeken gewählt; ein Factum, das nicht das geringste Aufsehen machte, wenigstens nicht, rücksichtlich des Glaubens. Wir fragen, wo gäbe es zur Zeit noch ein Land in dem hochgebildeten, aus Lauter Rücksichten zusammengesetzten Deutschland, wo ein solcher Vorfall nicht ohne das gewaltigste Aufheben ins Leben träte? — Doch man muß Belgien naher kennen, um eine solche Angelegenheit ganz in der Ordnung zu finden. Wiesehr auch Deutschland die Brüderschaft Belgiens anspricht, immer bleibt es ausgemacht,-daß das Belgien der Neuzeit mit seinem südlichen Nachbar, Frankreich, weit mehr gemein hat, und daß die dem letztem Lande mehr ähnliche Gesetzgebung Belgiens die Einigung nur noch mehr vervollständigt. Leuchtet nun Frankreichs Gesetzgebung bei der Sympathie Belgiens für diesen Nachbarstaat als Muster voran, und erscheint dies schon an sich hinreichend, die obige Erscheinung zu erklären, so gibt es doch im Charakter des Volkes selbst noch manche andere Ecklarungspunkte. Der Belgier ist weder so gebildet noch so gewissenhaft als der ehrliche Deutsche. Er will leben und sich wohl befinden und verlangt von andern, ihn darin nur nicht zu beeinträchtigen, wahrend ec gern.andern dieselben Rechte auf Wohlsein und Glückseligkeit einräumt. Seine Religion äußert sich in Cultus und Dogma, das er innerhalb der Kirche auf das pünktlichste und auf die bigotste Weise übt. Wer ihn hier stört, wer diesen Cultus, diesen Glauben zu beeinträchtigen droht, den trifft sein ganzer Fanatismus, wahrend den, welcher neben ihm nur dasselbe thut, zu gewärtigen hat, 'daß der Belgier ihm ungestört und ungehindert glauben' und üben lassen wird, was ihm beliebt. Sem Fanatismus überwacht darum nur die Integrität des eignen Cultus, ohne sich um den kirchlichen Glauben anderer viel zu kümmern; denn von seinem Nächsten verlangt er nichts als Einheit mit ihm in dem Streben nach bürgerlichem Wohlsein. Nicht so der Deutsche; schon vermöge seines ernsteren, bedenklichen Charakters ist die Sache seines Cultus zur Sache seines Lebens geworden, er philosophirt über alles, er erwägt die Folgen lang und breit, da wo es der Südländer der Erfahrung überläßt, ihn zu witzigen, und so wird der Deutsche dadurch bedächtig, ängstlich, scrupulös. Nicht Haß verleitet ihn, gegen das Judenchum zäh und unnachgiebig zu erscheinen, sondern seine Bedächtigkeit, welche die Staatseinheit gefährdet glaubt, sobald als ec verschiedene Elemente in ihr ausgenommen sieht. Aus den Utopien, welche er sich erträumt, wenn er sich die Völker der Erde als eine Heerde unter einem Hirten versammelt denkt, entspringt jener, wenn auch sanfte, Bekehrungseifer, der jeden lieber zu sich hinüber ziehen, als ihm absonderliche Concessionen machen möchte, weil das, was er glaubt und festhält, auf Ueberzeugung beruht und so muß denn schon der belgische Leichtsinn (sit venia verbi) im Gegensätze zu der deutschen Bedächtigkeit der Sache der Emancipation dort weit ^förderlicher sein, als hier bei uns.

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