Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1840)
- Article
- Berlin: Urtheile Rießers in seinen jüdischen Briefen
- Date
- 1840-06-20
- Page
- 194 (sequence 3)
- Language
- German
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gnügt. Noch nie ist die Sache zumal einer religiösen Gesammtheit mit unsittlichen, gemeinen, frivolen Waffen geführt worden/ Wer seine-Kräfte einem über die Verfolgung persönlicher Zwecke hinausliegenden Streben geweiht hat, wer im Gefühle seines reinen Willens sich als - Vertreter einer Gemeinschaft geltend wacht, von der er anerkannt zu werden hofft oder es zu 'sein sich freut, der muß wenigstens in der Sache, der er dient, sittliche Haltung und -Würde finden. Der Egoismus -Mag kalt, leichtfertig, spottend, frivol sein; das Mitgefühl ist warm und ernst. (Forts, folgt.) Mai. In einem pärtheiischen Berichte über die Predigerwahl des Tempelvereins in Hambürg in der A. Z. d. I. wird Hr. Dr. 5?eß, der anfänglich Mitbewerber um diese Stelle war, verleumdet Und auf eine niedrige Weise blos gestellt. Ich ersuche Sie Hr. Redücteur zur Steuer der Wahrheit folgende Berichtigung der Unterzeichneten Verwaltungsbehörde, die schon in demselben Blatte einen Platz gefunden, und dann das SchreibenderTempeldirectionan Hr. Dr. He ß, aufzunehmen, welche beide die beste Genugthuungffür den Verleumdeten ist. Hier die Berichtigung: Nachdem der Dr. M. Heß üus Lengsfeld am 15. und 22. Februar d. I. als der erste Aspirant in unserm Tempel gepredigt hatte, erklärte er Unter dem 83. desselben Monats in einer Zuschrift NN die Direction des Tempelvereins/daß seine bisherige amtliche Stellung ihn nothige, schon jetzt eine Entscheidung Über-seine Bewerbung zu verlangen, indem er im Falle einer sortzusetzenden Coneurrenz sich veranlaßt sehen würde, seine Bewerbung zurückzunehmen. Das Wahlcoltegiüm (aus 4 Dicectoren, —: von welcher zur Zeit Einer abwesend war, — 5 Deputirten und einer Co- Mitt; von 15, durch das Loos bestimmten Mitgliedern des Tempelvereins bestehend) beschloß hieraus einstimmig, daß in diesem Augenblicke keine Wahl vorzunehmen fei, sondern die Concurcenz noch fortdauern muffe; daß aber der Dr. 5). im Namen der Verwaltungsbehörde und - der außerordentlichen Comitü ersucht werden solle, seine Bewerbung vor der definitiven Wahl nicht zurückzunehmen. Der Dr. H. wiederholte jedoch m einer spatern Zuschrift, daß er von der Con'currenz gänzlich zurückgetceten sei, und nicht mitden übrigen -Aspiranten zur Wähl vorgeschlagen sein wolle.- Da die Concurcenz am 16. April für geschloffen erklärt wurde, so hatte das Wahlcollegium am 29. desselben Monats nur zwischen den beiden andern Aspiranten, dem Dr. Frankfurter und dem Räbbinen L. Stein, zu entscheiden, und dib Wahl traf den Erstern. Die Angabe in dem erwähnten Berichtedaß in der Wahlangelegenheit anfänglich eine Apathie vvrgehcrrschr habe, und es einem Einzelnen fast gelungen sei, die ganze Tempelverwalmng zu einem „unheilvollen Schritte" hinzüreißen, ist völlig ersonmn. Ein solcher Einzelner fand sich-nicht iwunstem Verein, und die Verwaltung hat keinen Augenblickdas Interesse des Tempels aus den Augen verloren.- Eben so wenig war von dem Beginne , der Concurrenz an hier eine Spur von Apathie zu finden;, im Gegencheil zeigte sich in dieser ganzen Angelegenheit-die rrgeste Theilnahme von allen Seiten. Die Tempelverwaltung hat die gesummten Wahlverhandlungen. zu einem Schluffe geführt,. welcher allgemein als ein erfreulicher anerkannt wird. Indem der Berichterstatter sich als-das-Organ des „ganzen intelligenten Israel" hinstellte, halte er seine Besängetu heit beherrschen und in seiner Relation, die doch einen geschichtlichen Werth Haben müßte, weder die Wahrheit, noch die Gerechtigkeit so notorisch verleugnen sollen. Hamburg, den 22. Mai 1840. Die Deputirten: I. Pl). Rüe, Siegm. Robinow, S. Danziger, Adolph Arnold, W. I. Goldschmidt. Die Directvren: Dr. M. Frankel, E. I. Jonas, I. G. Cohen, I. Warendorff. — Auszug aus einem Schreiben der Tempeldirection. Zufolge Ihrer geehrten Zuschrift u. s. w. ward eine statutenmäßige Versammlung der Direction und Deputation des Tempels der beiden Prediger und einem außerordentlichen Comite veranstaltet. Nach einer mehrstündigen Discussion. wurde beschlossen: Hr. Dr. Heß ist im Namen der Verwaltungsbehörde des Tempels und des außerordentlichen Comit6 angelegentlich zu ersuchen, daß er seine Bewerbung nicht zurücknehme. Dieser- Beschluß, gründet sich auf die beifällige Aufnahme, welche Ihre beiden Vorträge an-unserm Tempel gefunden haben; auf die ausgezeichnete Achtung, welche sich bei den notabelsten Mitgliedern des Vereins von Ihrem Charakter aussprach und auf den Wunsch der Verwaltungsbehörde, Sie den Ihrigen; nennen &u dürfen. Es ist der demokratischen Verfassung unsers Tempelvereins zuzuschreibeu, daß Ihre definitive Wahl nicht - sofort stattfand. Sie verlassen uns unter unseren besten Wünschen und von unserer Hoffnung begleitet, Sie noch im Laufe dieses Jahres zu einem segensreichen Wirken wieder hier zu sehen. Genehmigen Sie im Namen der Direction und Deputation des Tempelvereins die Versicherung der ausgezeichneten Hochachtung und Ergebenheit. Hamburg, den 27. Februar 1840. Dbevfrnnken, 17. Mai. (Schluß.) Lieber diese erwähnten Wahlen unbecuftnener, unwissenschaftlicher Candidaten hört man in ganz Baiern nur eine Klage, und der scharfe Ausdruck dieser Klage der Corrospondenz m erwähntem Blatte ist. nur Ausdruck der Gesanumheitt Die früheen Rabbinenjüngec, als sie noch den bescheidenen Titel Bachurim führten, haben doch wenigstens eine vollkommene rabbinische Bildung besessen, die jetzigen sogenannten- Rabbinatscandidatenaber sind hier sehr häufig.-weder durch die Kenntniß der talmudischen DiterütUr Noch durch ihre Schulbildung befähigt, ein- Rnbbinenamt zu versehen. In Baiern ist aus Nachäffung- -zuÄst die ganze Rabbinatscandidaterei entstanden,