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Der Orient · 1840-06-20 · Heft 25 (20.6.1840) · p. 193

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 25 (20.6.1840)
Article
Berlin: Urtheile Rießers in seinen jüdischen Briefen
Date
1840-06-20
Page
193 (sequence 2)
Language
German
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halte eben das für den eigenthümlichen Character jenes Elements , das sich als Judenhaß, heutzutage vor unfern Augen bewegt,, daß es ein Haß. ist ohne, bestimmten Inhalt, ich möchte sagen, ohne rechten Gegenstand, eine Abstraktion be$; Haffes, ein Fanatismus, der seinen einstigen, religiösen Gehalt überlebt hat, ein ausgebrannter Krater, einst glühender Leidenschaften,, ein todtes Meer voll Gift und Haß, aus dem Jeder schöpft, bald in sinnloser Wuth, bald in schlauer Berechnung, wenn er sich an einem . Feinde rächen , ihm ein Weh zufügen will; eine fertige Form des Haffes, mit einem Arsenal vorräthiger Schmähungen ausgerüstet, in welche' Jeder die eigene Bosheit beliebig kleidet. Man könnte versucht werden, in der Sinnverwirrung, in dem lügnerischen Treiben, in der sühnungslosen Gehässigkeit, die auf diese Weise in den Kreisen. der Haffenden selber verderblich wühlen, eine strafende Vergeltung für die alte," an Schuldlosen verübte Unbill zu erblicken, wenn nicht Diese wieder am empfindlichsten dabei litten. Man gedenkt freilich derer kaum, die man in ihren tiefsten Innern verletzt, in ihren, heiligsten Gefühlen verwundet, ohne daß sie die mindeste Schuld trügen an. dem erregten Zorn; man wirst gleichsam ihre Religion und Moral, gleich als waren es tobte, empfindungslose Massen, seinen. Feinden an den Kopf; und wenn die Gemißbrauchten, die durch beiläufige Schmähung ihrer Sitte und ihres Glaubens empörten, einen Schrei der Entrüstung aussto.ßen, so ist man . wohl gar höchlichst verwundert, daß. sich Die beschweren, die ' man doch gar nicht zu treffen die Absicht gehabt, deren Namen und Dasein man vielmehr nur zu Pulver.und Kugeln hat Verbrauchern wollen, um seinen wahren Feinden eine volle, rödtliche Ladung zuzusenden. Wir find auf diese Weise die stellvertretenden Opfer eines, jeden Haffes , die auserfehenen Märtyrer dieser, feindseligen Leidenschaft, die ihren'stärksten Ausdruck .im Judenhaffe findet. Durch eine ,,fürchterliche Sympathie, die in des Nebels Reiche herrscht," sind alle Bosheiten und Gehässigkeiten der verschiedensten Art dabei betheiligt,. den Funken dieses Hasses in den Gemüthern des. hohen und niedern Pöbels glimmend zu erhalten, weil ec ihnen allen einmal Dienste leisten kann. Wir unsrerseits wollen darin den Berus erkennen, dem Haffe und dem Unrecht in allen ihren Gestalten und Richtungen entgegenzmretew, da sie in jeder eine uns. feindliche Wendung zu nehmen nur allzugeneigt sind. — Es wird mir schwer, einen Ausdruck zu finden, der die ganze Kraft des Unwillens wiedecgäbe,. den ich über jene Art der literarischen Kriegführung empfinde. Sie erinnert mich oft an jene halb geschichtlichen, halb fabelhaften^ Überlieferungen aus den Zeiten finsterer Rohheit, die uns.Beispiele melden von einer furchtbaren Rachsucht, der das Leben des. Feindes nicht genügt, die nicht befriedigt wird, wenn sie den unauslöschlichen Durst nicht an dem grauen Haupte des Vaters, an;.bem- Leben des Kindes, an der Ehre der Tochter ihres Feindes stillt. Heilig, wie. das graue' Haupt des^ Vaters, theuer, wie das Leben des Kindes,, unverletzlich, wie die Ehre der Tochter ist jedem fühlenden Menschen die Würde seines Glaubens, die Ehre seiner religiösen Genoffenschaft. Taufend .Mal lieber wird er sich selbst durch die schärfsten Pfeile seiner Gegner .getroffen fühlen, als jene durch die Geschosse, eines Hasses, den er aus sich geladen, verwundet sehen. Jeder Ehrenmann muß darauf gefaßt sein, für jedes öffentlich gesprochene Wort mit seiner Person, mit seinem Ruse als Schriftsteller, als Mensch und als Mann, in jeder Art und Weise einzustehen. Daß man sich aber für die Vergehen, die er sich zu Schulden kommen laßt, für die Leidenschaften, die er aufregt, an seinen Glauben und an dessen Bekenner halte, das ist ein Act der Ehrlosigkeit, den er nicht voraussetzen konnte. — Fort mit aller bürgerlichen Gleichstellung, wenn sie durch das kleinste Opfer der Ehre erkauft werden soll! Die Ehre ist der Geist und .die Seele des Rechts; der Kampf um das gleiche Recht ist in seinem Wesen nichts anderes als der Kampf um die gleiche äußere Anerkennung der unverletzlich gleichen inneren Ehre. Wer Recht um Ehre eintaufchte, würde den Inhalt um die Form, den Kern um die Schale hingeben.' — Nicht ein einziger Jude, bec. die sittlichen und rechtlichen Interessen seiner Glaubensgenossen vertreten hat, oder der auch nur das mindeste Gefühl für dieselbe hegte und an den Tag legte, ja kein einziger, der nicht vorher durch die Lossagung von der religiösen Gemeinschaft des Judenthums die moralischen Forderungen seiner Stellung innerhalb desselben abgeschüttelt hatte, hat je ein Wort das Spottes über christliche Vorstellungen oder Gebrauche (aut werden lassen. Und zwar ist das nicht allein in dem Gefühle der ungeheuren Unschicklichkeit unterblieben, die darin liegen und von der unvermeidlicher Weise ein Theil auf die Gesammtheit zurückfallen würde; es mußte vielmehr schon darum unterbleiben-! weil der ernste, streng sittliche Charakter aller wahrhaft gemeinsamen Bestrebungen der Juden, wie. einer jeden Religionspartei jede Frivolität der Gesinnung nochwendig ausschließt; weil, jedes Gemüth, das sich diesen Bestrebungen aufrichtig widmet, auch an ihrem sittlichen Ernste theilnimmt; weil der Spott über religiöse Dinge Dem unmöglich ist, dessen Herz noch eine Spur des Unmuths empfindet, welchen Keinem mehr, als dem Juden, der endlose gemeine Spott über sein religiöses Leben verursacht hat, in welchem die ekelhafteste Frivolität nur durch die blindeste Gehässigkeit überwogen wurden und gegen sie zurücktcat. Nicht einmal der Versuch, diesem elenden Spotte Gleiches mit Gleichem zu vergelten, ist je von einem Vertreter der Sache der Juden gemacht worden; alle haben sich mit ernster Zurückweisung, mit der Darlegung der Schlechtigkeit eines solchen Verfahrens be-

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