Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 24 (13.6.1840)
- Article
- Ueber das Motiv zu der mosaischen Speisegesetzgebung
- Date
- 1840-06-13
- Page
- 374 (sequence 2)
- Language
- German
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375 Ueber das Motiv zu der mosaischen Speisegesetzgebung v. Dr. Bonfoi. 376 scheu Religionsphilosophie, welche den Tod für ein Geschenk des bösen Prinzips haltend, alle mordlustigen Geschöpfe vom unreinen Geiste beseelt oder geschaffen sein laßt. Auch enthielten schon die Gesetze des Manu, welchen die indische Mythe den ersten Menschen nennt, Verordnungen über reine und unreine Thiere. So verbieten sie den Genuß der Kämeelmilch und jedes andern vierfüßigen Thieres, dessen Huf nicht gespalten ist, fleischfressende Vögel, und solche, die mit dem Schnabel hacken, Vögel mit Schwimmfüßen, die mit starken Klauen verwunden und die untertauchen um Fische zu verzehren, alle Amphibien, die sich von Fischen nähren. Außerdem giebt es noch eine Menge anderer ähnlicher, mit diesen in Verbindung stehender Gebote. *) Ich habe nach dieser Hinweisung auf Indien, Egypten und Persien, wo der Unterschied zwischen einer reinen und unreinen Schöpfung bekannt war, Jahrtausende bevor jene Nomadenschaar in einem Winkel des kleinen Syrien in die Reihe der organisirten Staaten tritt, noch die oben versprochene Beweisführung nachzutragen, daß der Sabäismus auf die Speisegesetze Mosis vielleicht den meisten Einfluß gehabt habe. In der Vorstellung der Himmelssphare, welche die sternkundigen Priester entwarfen, zeigten die kreisförmig geordneten Sternbilder des Thierkceises ihre Halsten in geradem Durchschnitt gegeneinander. Die auf der Winterhemispare befindlichen Bilder standen unter der Herrschaft des Nachtprinzips, und wurden demnach als gefallene Engel, Empörer, die mit ihrem Oberhaupte von dem Lichtwesen sich getrenntbetrachtet. Was war natürlicher, als daß die Thiergattungen, welche jenen Sternbildern ihre Namen liehen, zu Symbolen des Bösen verwendet wurden und ihr Genuß den reinen Menschen, welcher dem Lichtgeist dienen soll, entheiligte? In Egypten 'war der rothe Typhon (ITH v. 2^*1 tabeo, zerschmelzen, auflösen) das erste der sechs Winterzeichen, weil während der Herrschaft des von ihm reprasentirten Bärengestirns der Regen die Erde überschwemmt und die Vegetation vernichtet. In Persien war es die Schlange, deren Aufsteigen zugleich mit der Waage am östlichen Horizonte die Herbstnachtgleiche verkündigt, und daher Ahriman (*1JJ der Feind mit dem pehlvischen Nominalsufsix man) der Erbfeind des Menschengeschlechts die alte Schlange, welche das Böse in die Welt brachte. Weil dieses Thier nur ein Wurm im vergrößerten Maaßstab, und der aus der Verwesung sich erzeugende Wurm selbst ein Bild des durch die Schlange (l^M, jN) in die Welt gebrachten Todes (nex, &uvazos)t folglich auch der Finsterniß (daher daher 1) Manu's Verordnungen, aus dem Engl, des W. Jones v. Hüttner, V; 11/ 19. 23. 35. sskr. in u sh, finster sein, kW Tod u.s. w.) ist daher das Verbot, Würmer, Kröten, Mäuse (mus) u. s. w. zu essen, die alle als lichtscheue Thiere unter dem Worte begriffen si'nd.^) Für den Monat Februar, wo dem Pluto Februus und der Juno Febcua in Rom die Todtenopfer für das absterbende Jahr gebracht wurden, hatte die altindische Sphäre des Wassermanns Bild durch eine Maus ersetzt, und der Nachtgöttin Nephtis in Egypten, Isis Februa, war dieses Thier, geheiligt, welches 3 Mos. 11, 29. 30. neben der Blindschleiche, dem Maulwurf ■ p^TI v. verbergen) und der Fledermaus Die Fabel nannte einen TkUtpoq als König m Mvairi Um Mauslande, anspielend auf den Cultus des bösen Prinzips unter dem Bilde dieses Thieres) aufzeführt wird. Finsterniß (ooecus 2M und Bosheit (xciKog 2J)) ttafyrh das Alterthum als Gleiches bedeutend. Die rabbinische Tradition (More Nebuchim II. c. 31) welche berichtet, daß Sammael, das Oberhaupt der bösen Geister, um Eva zu verführen, die Gestalt eines Kameels angenommen, welches ja auch zu den verbotenen Thieren gehört, laßt auf eine Verwechselung mit der Schlange des Paradieses schließen, und wirklich hatten die arabischen Astronomen auf ihrer Sphäre zunächst dem Schlangengestirn für das in dessen Nachbarschaft befindliche Gestirn Hercules Jngeniculus ein knieendes Kameel hingezeichnet. Dem Pluto, als Beherrscher des Todtenreichs, wurden Rosse geopfert und dem egyptischen Todtengott Typhon waren Esel heilig. Beide Thiere befinden sich unter den Sternbildern der winterlichen Hemisphäre, und der Monat November (1^22-^22 Job 38, 31) gehört sowohl dem wilden Jager und Esel Orion CVV) als dem pferdefüßigm Schützen Chirons, dessen Stelle im indischen Zodiak ein Tiger vertritt. Auf derselben Sphäre erblicken wir den Hafens im Zeichen der Fische, wo des bösen Mars — davon der Monatsname Martins — Herrschaft ihr Ende erreicht. 5) Auch aus einem andern Grunde wurde der Hase vorzugsweise zu den Thieren der Finsterniß (>M'- gezahlt, nämlich wegen seiner Geilheit, die er mit dem 2) Insbesondere war die Maus (sskr. musll, finster) oder Ratte (sskr. ratrem, Nacht) ein Vild der Finsterniß, daher Apollo -Delphicus auf die Schlange Python tretend, als Smintheus die Maus unter seinen Füßen habend, den Sieg der Sonne über den Winter verbildlicht. \ 3) Satan nnt dem Pferdefüße im deutschen Volksglauben. 4) Im deutschen Volksglauben bedeutet seine Erscheinung Unglück. 5) Jener Walisisch im Thkerkreise dürfte der Leviatan sein, welchen der um Ostern erwartete Lichtheld Messias (der Widder, das Osterlamm) als Wiederbringer aller . Dinge mit seinen?kuserwählten verzehren wird.