Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1840)
- Article
- Abyssinien: über die Falaschas von Katte
- Date
- 1840-06-13
- Page
- 182 (sequence 2)
- Language
- German
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182 habe. Gegen eine solche Einwanderung der Juden spricht auch schon die natürliche BefchaffenheitdesGebirglandes sowohl, als die spätere schnelle Verbreitung des Christenthums selbst. Und wann sollten die Juden eingewandert sein? Sie selbst behaupten, nach der Einnahme Jerusalems durch Titus nach Abyssinien geflüchtet zu sein, und dort sogleich einen eignen Staat gebildet zu haben. Eine solche Flucht aber oder solche Emigration ist bei einer so weiten Entfernung sehr schwer zu bewerkstelligen. Denn in der damaligen Zeit eine Menge Familien von Jerusalem nach Abyssinien zu transportiren, daß sic, dort angekommen, sich gleich in solcher Anzahl finden, um einen eignen Staat zu gründen und sich als sochen zu behaupten, ist durch die unsägliche Menge vorher zu beseitigender Schwierigkeiten nicht anders zu begreifen, als wenn man eine Wiederholung der Wunder annimmt, welche die Kinder Israel aus Aegypten nach Kanaan geführt haben. Mögen sich einige Individuen dort hingeflüchtet und Kinder erzeugt haben, schwerlich aber stammen die jetzigen abyssi'nischen Falaschas von den eigentlichen Juden ab. Man hat in neuern Zeiten eine andere sonderbare Hypothese ausgestellt und behauptet, das eigentliche Vaterland der Juden sei Abyssi'nien gcwesen. Von hier waren sie nach Senaar, Nubien und Egypten unter dem Namen Hyksos gezogen, hatten diese Lander eine Zeit lang beherrscht, waren aber nachher wieder unterjocht und zuletzt von Moses nach Kanaan geführt worden. Diese Hypothese entbehrt aber so gänzlich alles historischen Grundes, daß sie gar nicht annehmbar ist. Nicht nur die Geschichte, sondern auch die noch übrig gebliebenen Monumente Egyptens beweisen, daß in frühern Zeiten ein Thcil dieses Landes, namentlich Ober-Egypten, von einem schwarzen Volke beherrscht ward, das einen großen Theil der Prachtwerke erbaut hat, deren Trümmer uns noch mit dem höchsten Erstaunen erfüllen. Diese Trümmer finden sich durch ganz Nubien hindurch bis tief in den Senaar. Ware aber dieses schwarze Volk ausAbyssinien erobernd ausgezogen, so hatte es unstreitig sein schönes Vaterland, das schöner als alle umliegenden Lander ist, mit ähnlichen Werken der Baukunst geschmückt, aber auch nirgends ist in Abyssinien eine Spur davon aufzusinden. Nur in Axum sieht man Ruinen in alt-ägyptischem Geschmack, aber ihre griechischen Inschriften beweisen, daß sie von den Ptolemäern herstammen. Dieses schwarze, in Egypten herrschend gewesene Volk mag daher wohl schwerlich aus Abyssinien stammen, sein Vaterland sind wahrscheinlich die Ebenen Dongolas und der Senaar gewesen. — Andere Hypothesenmacher behaupten, die jetzigen Abyfsinier seien Nachkommen der Urjuden, und beweisen dies aus den jüdischen Gebräuchen, die sich noch in Abyssinien vorfinden. Zwar haben sie die Feier des Sabbats, die Beschneidung, die Verehrung der Bundeslade u.s.w., allein daraus folgt immer noch nicht, daß sie die Abkömmlinge der Juden sind. Auch die Araber haben viele jüdische Gebräuche. Es ist überhaupt ein merkwürdiges Zeichen unsrer Zeit, überall Juden zu entdecken. Lernt man irgend ein noch wenig bekanntes Volk kennen, so, gleich macht man Juden aus ihnen, finden sich in weit entlegenen Ländern Völker von auffallenden Sitten, eigenthümlicher Sprache, so beweist man, daß es die Nachkommen der zehn verlornen Stämme sein muffen. So bewies dem Verfasser ein deutscher Rabbine, der sich 15 Jahre in Indien aufgehalten und es nach allen Seiten bis nach der chinesischen Grenze bereist hatte, daß die Chinesen die Nachkommen der Juden wären. Denn, sagte er, da die Chinesen Dinge verfertigen, die ihnen die Europäer selbst nicht nachzumachen verstehen, so können sie dies nicht anders gelernt haben, als von den Juden. Da aber die Juden Niemanden ihre Künste lehren, so müssen folglich die Chinesen selbst Juden sein, die nur die Religion ihrer Väter verlassen haben. Nicht viel besser ist das Raisonnement des 'Amerikaners Cultou, der die nocdamerikanischen freien Jndianerstämme zu Nachkommen der verlornen 10 jüdischen Stämme macht. Sein Beweis beruht hauptsächlich auf den tiefen Kehllauten der indianischen Sprache. Deutschland. Oesterreich, 29. Mai. Der Prager Correspondent Nr. 14. des Orients, der wohl in Bezug auf die Anstellung des Herrn Dr. Wessely als Neligionslehrer an der Stelle des verstorbenen Peter Beer, wie aus der wörtlichen Mittheilung des Anstellungsdekrets zu schließen, genau unterrichtet sein muß, hat einen Jrrthum in seinem Berichte. Dr. Wessely bezieht seine Besoldung nicht aus dem allgemeinen Studienfonde, wie es auch in vielen politischen Zeitungen geheißen, sondern von der Gemeinde, aus der jüdischen Domestikalkasse. — In Bezug auf die sehr dankenswerthe Mittheilung des Herrn I. M. Landau (8.33. Nr. 21.) im Orient, erlaube ich mir die Bemerkung, daß insofern die dort erwähnte Grabfchrist das Todesjahr del-Medigo's auf Sukot 5416 festsetzt, das entsprechende Jahr der gewöhnlichen Aera 1655 ist, da das jüdische Neujahr bereits vorüber war, und das gewöhnliche hatte noch nicht begonnen. ■—- In der in Nr. 15. des Literaturblattes des Orients skizzirten Biographie des berühmten Rabbinen Elasar Fl ekel es, die übrigens bei manchen Talmudisten in unserem Vaterlande noch Gefühle der Pietät geweckt hat, findet man das Werk Ah ab a t David (Prag, 1800.), gegen die Sekte der Sadbatäer, nicht miterwähnt, was freilich dadurch-entschuldigt werden kann, daß dieses Werkchen längst vergriffen und eine Erwähnung dessen nicht bekannt ist. Von dem seeligen Flekeles sind aber außer den in der trefflichen Biographie erwähnten Druckschriften noch folgende Werke handschriftlich vorhanden: r>) vierter Theil, über Eben Ha-Eser; b) *“£?, ein Com-