Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1840)
- Article
- Abyssinien: über die Falaschas von Katte
- Date
- 1840-06-13
- Page
- 181 (sequence 1)
- Language
- German
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Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern nnd allen soliden Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. D4. Leipzig, den 13. Juni 184b. Orient. Abyssinien (üb. die Falascha's von Katte). — Deut sch land (Oesterreich, Kritiken zu Correspondenzen des Orients, Landau, Wessely, Rapaport betreffend. Oberfranken, über die gesunkenen Rabbinatszustande in Baiern. Dr. Adler, Leb er echt, Thalheim er, Bamberg er. Dr. Aub. Worms, Kultur-Reorganisation. Berlin, eine projectirte Talmudübersetzung. Trier, die Notabeln und die Rabbinenwahl. München, Verordnung über die Besugniß der Rabbinen. Leipzig, lit. Mittheilungen. Dr. Delitzsch. A. Büchner in Warschau. H. Katzenellenbogen in Wilna. Der Rabbiner Fasse!. Dr. Lipprnann). — Ungarn (Pesth, jüd. Zustande.) — Rußland (Suwalken, lit. Mittheilung, bibl. und talmud. Naturgeschichte betreffend.) —- Literaturblatt des Orients. Orient. Abyssinien. Herr von Katte gicbt in seiner Reife in Abyssinien eine Skizze, oder vielmehr einen Controvers über die Juden daselbst (S. 98), der, obgleich wenig Neues bietend, doch der Tendenz des Orients gemäß, auch die unbedeutendste Nachricht über die Juden im Orient zu sammeln, hier einen Platz verdient. — „Die Juden oder Falaschas, wie sie genannt werden, wohnen in der Provinz Simien, am Tzana-See, in der nähern Umhegend von Gondar und in den nördlichen Gebirgen der Provinz Dembea. In Tigre gicbt es durchaus keine z zuweilen kommen sie nach Adua, um sich daselbst durch Arbeit etwas zu verdienen. Bor fünfzig Jahren bildeten sie unter eigenen Fürsten einen Staat in Simien. Die hohe Felsenburg Ainba Gideon war der Hauptsitz ihrer Fürsten. Seitdem ward aber diesem Staat durch den christlichen Beherrscher von Simien ein Ende gemacht, und nun leben sie von diesem in gewisser Abhängigkeit. Ihre Zurückgezogenheit jedoch und der Ruf der Zauberei schützt sie besser als alle Waffen gegen willkürliche Bedrückung. Man laßt sie gern in Ruhe, sobald sie den unbedeutenden Tribut zahlen, der ihnen auferlegt ist. Bon ihren Sitten, Gebräuchen und ihrer innern Verfassung weiß man wenig. Jedoch sind sie weit arbeitsamer als die übrigen Abyssinier; man kann sagen, sie sind die nützlichsten Einwohner des Landes. Sie bauen die Hauser in Gondar, schnrieden das Eisen und sollen sogar einige Metallcomposi'tionen so wie chemische Präparationen kennen. Ihre Häuser sotten die besten sein, die man in Abyssinien findet, sie halten sie sehr reinlich, ertauben aber niemals einem Christen den Eintritts übrigens sind sie in Bezug auf die Bibel sehr unwissend und kennen kaum die fünf Bücher Moses. Es würde sehr interessant sein, wenn man historisch Nachweisen könnte, daß diese Falaschas wirklich Abkömmlinge von in früherer Zeit aus Judäa eingewanderten Juden sind. Die überall die Juden charakterisirende National-Physionomie, die sie in allen Climaten und unter allen Völkern sogleich wieder erkennen läßt, fehlt diesen abyssimschen Juden gänzlich. Ihr Physisches unterscheidet sie in nichts von den übrigen Abyssiniern. Sie sind schwarz wie diese und tragen ebenfalls den eigenen afrikanischen Zug um Mund und Nase, während die Juden in Jemen, also unter gleicher geographischer Breite und in einem weit heißern Klima sich deutlich von den Arabern unterscheiden und gar nicht als Juden zu verkennen sind. Es gicbt in Abyssinien noch viele Abkömmlinge der dort angestedelt gewesenen Portugiesen, diese Abkömmlinge zeichnen sich noch immer trotz ihrer Vermischung mit den Abyssiniern von diesen durch eine weniger schwarze Färbung und durch eine mehr europäische Gesi'chtsbildung aus. Es wäre daher völlig unerklärbar, wie ein weißer in Abyssinien eingewanderter Volksstamm bei einem von den Eingeborenen völlig zurückgezogenen Leben und bei der Sorge, sich niemals mit ihnen zu vermischen, sich so verändern könne, daß in einem so milden und wenig heißen Klima, wie das abyssinische, aus der weißen Farbe die schwarze und aus einer astatischen Race die afrikanische entstehen könne, während man sicht, daß derselbe Völkerstamm in allen andern Landern und in jeder Zone seine Eigenthümlichkeiten beibehalten hat. Aus diesen Gründen scheint es wahrscheinlich, daß sich nur das Judenthum mit seiner ganzen Abgeschlossenheit in Abyssinien verbreitet hat, daß aber keine förmliche Einwanderung der Juden statt gefunden 24