Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 21 (23.5.1840)
- Article
- Die Biuristen
- Date
- 1840-05-23
- Page
- 322 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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323 Die Biuriflen. Andeutungen zu einer Charakteristik derselben. zu rechtfertigen und jeden Verdacht des Epikuraismus zu beseitigen. Sein vorzüglichstes exegetisches Werk aber ist Netibot Ha-Schalom, erschienen 1787, welches er in Verbindung mit Naftali 933 eff c t p, Salomo Dubno und Herz H o md e.r>g 'herausgab. Es enthalt den Pentateuch mit der aramaischen Paraphrase des Onkelos, einer deutschen freien, aber dennoch auf Tradition begründeten Uebersetzung, mit ausführlichen Einleitungen und reichen Commentaren, in 5 Banden. In den Prolegomenen, die mit umfastender Gelehrsamkeit geschrieben sind, wird mit überraschendem Eifer der göttliche Ursprung, die Aukhentie, 'die Integrität des Pentateuch, die Urthümlichkeit der hebräischen Sprache, mit Berücksichtigung der widersprechenden neuen Forschungen erwiesen; die Uebersetzungen des Pentateuch, die aramäischen und griechischen, werden ihrer Entstehung ihren charakteristischen Eigenthümlichkeiten nach geschichtlich betrachtet, die hebräische Grammatik umrißlich dargestellt und der Plan des ganzen Werkes nebst den Funktionen der Mitarbeiter eröffnet. Man kann dieses Werk als den Grundstein der neuen exegetischen Bestrebungen innerhalb der Synagoge betrachten. Obgleich es durchweg jüdische Rechtgläubigkeit anstrebt, so erfuhr es doch wegen seines Contrastes mit allen früheren Arbeiten dieser Art den heftigsten Widerspruch, ja wurde an einigen Orten als häretisch verbrannt. Es hat sich aber jetzt in der jüdischen Welt einen solchen Eingang verschafft, daß es bis nach Afrika und tief in die Levante verbreitet ist. -Der Mendelssohnsche Pentateuch begründete so eine neue Epoche der jüdischen Exegese. Die Erforschung des grammatisch-historischen Sinnes wurde der Zweck der neuen Schrifterklärung. Man erkannte in thesi die Einseitigkeit der sagenhaft-traditionalen, der geheimnißkramerisch - kabbalistischen, der willkürlich - philosophischen Methode, und schlug den Weg der Grammatik und der Geschichte ein, indem man zugleich sich menschlicher Weise in den Geist der heiligen Scribenten zu versetzen suchte. Dadurch gewann diese neue Exegese viel empfehlende Vorzüge. Die deutschen Uebersetzungen (die man ihres ungebundenen Charakters halber Targum e nannte) sind größtentheils mit feinfühliger Kmntniß der hebräischen Sprache geschrieben, sie streben vorzüglich an, den Pathos und die Emphasis der Schristsaprche, wenn ich mich so ausdrücken darf, wiederzugeben, und bekunden ein mehr denn oberflächliches Eindringen in den Geist der -heiligen Sprache, vorzüglich der Partikeln, welche die schwerste Partie derselben bilden. Sie sind jedoch angeweht von dem Hauche eines vocurtheilenden Rationalismus, und tragen oft Begriffe der Philosophie, .welche derzeiten herrschte, in die Schrift über, wie sie oft auch den biblischen Ausdruck durch moderne Schnörkelzüge profaniren. So besonders Isaak Euch el, der bekannte Biograph Moses Mendelssohns, in seiner Uebersetzung der Sprüche, deren Charakter sogleich im 324 ersten Verse sich kennzeichnet: „Sprüche Salomo's, Sohn's David, Königes in Israel, zur Erkenntniß der Weisheit und Sittenlehre, zur Ergrün düng der Aussprüche der Vernunft/' Während durch Js. Euchel die Sprüche ein neu-philosophisches Colorit erhielten, gab David Friedländer der Schriftsprache ein neu-belletristisches Colorit. Er verlor sich mit einer sinnlichen Schwärmerei in die äußerlichen Schönheiten der Schriftsprache, als des Ausdrucks rein morgenländischer Poesie, und goß dieses unrein lodernde Feuer in seine Uebersetzungen aus. Beide Uebersetzungsweisen haben jüngst ihr Extrem erreicht. Dr. Nebenstein hat das Hohelied, diese „Blume des Morgens, umweht von dem Zauberhauch der Frühe," in eine moderne sentimentale Erotopägnie übersetzt, als z. B. Du hast mich entherzet, Lrautchen und Brautchen, Du hast mich entherzet, Mit einem der Aeuglein, Mit einem der Ringlein, Des Halses l Wie lieb ist dein Kosen mir, Lrautchen und Brautchen! Einer der neuesten Biuristen, S. H. Auerbach, hat in das Buch Kohelet (ihm zufolge — Philosoph, Philosophie) neu übersetzt, mit einem hebräischen Eommentar versehen, Breslau 1837, welches nach seiner Meinung als einheitliches Ganze die Feststellung einer sichern und ausreichenden Lebensphilosophie ist, seine eigene Lebensphilosophie hineinübersetzt. „Wenn wir das Buch der Bücher," sagt Auerbach, „rein menschlich mit dem von Gott verliehenen, natürlichen Verstand auffassen, so wird es unser Herz befriedigen und uns manche weise Lehre aus sich schöpfen lassen." Diese Parallele zwischen David und Salomo wird auf eine solche Weise .gezogen, daß der Kohelet als die natürliche Frucht eines in verweichlichter Hingebung phitosophirenden Königs erscheint. Das Hohelied wird nebenbei ein Hymen Hymen aus genannt, den Salomo seiner Geliebten sang, wahrend David geistliche Lieder (Psalmen) dichtete. Wenn unsere Rationalisten wüßten, daß ihre Exegese in der neuern Synagoge so sorgsam gepflegt, so sinnig ausgebildet und allseitig geübt und ausgeführt worden ist, sie würden nicht, wie wir an Paulus, Hart mann und Umbreit sahen, mit solcher Wuth den jüdischen Namen verwünschen. Nicht zu verkennen ist jedoch, daß sich gegen jene freie oder vielmehr frivole Uebersetzungsweise eine reaktionäre wörtliche gebildet hat. Die Psalmenübersetzung des Dr. Michael Sachs bindet sich streng an den hebräischen Text und zwingt lieber die deutsche Sprache, als jenen. Die Uebersetzung des Pentateuch in der bei M. Veit erschienenen Uebersetzung des A.T, strebt eine gleiche Wörtlichkeit an, ohne jedoch der deutschen Sprache in gleichem Grade die Form der hebrai-