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Der Orient · 1840-05-16 · 20 (16.5.1840) · p. 315

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
20 (16.5.1840)
Article
Auswahl historischer Stücke ... [Rezension]
Date
1840-05-16
Page
315 (sequence 3)
Language
German
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317 Probe aus dem Epos „Moses" von Dr. M. Rapaport. 318 mit dem aufrichtigen Wunsche, daß Herr Zcdner bald wieder unsere Literatur mit einem Produkte seiner gründlichen Studien bereichern möge. Und wenn auch in unserer Journalistik schon Ignoranz mit eigensüchtiger Anmaßung gepaart sich nicht scheut, öffentlich aufzutrtten, so wird von Seiten der wahren Freunde der Wissenschaft einem redlichen, bescheidenen Streben nie Anerkennung versagt werden. Moses, ein Ueldengedicht. Proben aus dem dritten Gesänge des bald erscheinenden epischen Gedichtes: «loses“ von l>r. Moritz Rapaport. (Fortsetzung) Schon mitten durch des Ozeanes Breite Bewegt es rasch sich wie auf festem Lande, Da rauschet wirres dröhnendes Geläute, Und Kriegsgeraffel her vom fernen Strande. Egyptens Heere stürmen an zum Streite, Und weilen muthberaubt am Userrande, Und steh'n bestürzt, und müssen staunend sehen, Was nie geschah, und jetzo ist geschehen! „O ew'ge Schmach! so steht ihr da und zaget," Tobt Pharao mit Zornesungewittern, „Wo kühn und stolz der feige Flüchtling waget, Wird bang mein si'egerprobtes Heer erzittern? Der Boden, der den scheuen Sklaven traget, Soll er der Krieger Heldenlauf erschüttern? Wollt ihr beschämt dem eignen Knechte weichen? Wollt ihr zerknirscht ihm selbst den Lorbeer reichen?" Dem König folgt, er führet euch zum Siege, Der schnelle Kampf soll euren Muth erhöhen; Der Gaukler Werk, das Werk von Trug und Lüge, Soll in der Tiefe Schlünden untergehen. O hält' ich Schwingen, daß ich rauschend fliege, Die reiche Saat mit blut'gem Schwert zu mähen, Den ganzen Stamm mit Blüthen und mit Früchten, Mit einem Schlag zu fällen zu vernichtend" Schon nahen Israels beglückte Schaaren Des andern Ufers stcherm Landungsporte, Noch ruh'n der Tiefe schlummernde Gefahren, Gefesselt vom der Allmacht strengem Worte; Fest steh'n die Wassersäulen und bewahren Des Wettenmeeres ungeheure Pforte, Und schon erschallt der Iubelruf der Menge, Der Rettungöfeier heilige Gesänge! Da stürzet Pharao mit Mann und Rossen, Mit all' den Wagen, all' den Kampfgerathen, Mit all' den Führern, all' den Kampfgenossen Zur Wunderbahn, die Mose hat betreten. Und aus dem Pfad so herrlich erst erschlossen Dem Gottesmanne, als er rang in Nöthen. Da stürmen hin die Frechen, die da wahnen, Was Gott bewahrt zu stürzen, zu verhöhnen. Es hüllt die Nacht mit schaur'gen Nebeldecken Urplötzlich ein die lichterhellten Räume, Entfesselt ist das finstre Reich der Schrecken, Und Grabgestalten tauchen auf wie Träume. Der Sturm beginnt die Fluthen zu erwecken, Durchwühlt das Meer, daß es erbrausend schäume, Und was der Abgrund hüllt in Dämmerungen Wird durch der Wirbel Wuth emporgeschwungen. Gebrochen sind die Säulen und vernichtet, So wundervoll im Augenblick gewoben, Geborsten ist die Fluth zu Erz verdichtet, Vom Riesensturz des Elements zerstoben. Es hat ein Gott die Sünder schwer gerichtet, Die sich im frechen Uebermuth erhoben, Und kühn gewagt mit Trotz zu widerstreben Wo er befiehlt, und alle Welten beben! — Wo bist du hin, du Stolz der Pharaonen, Du mächtiges Heer, das viele Reich' erschüttert? Wo bist du hin, Du Erbe stolzer Kronen, Der selbst dem Himmelsrichter nicht gezittert? Wo seid ihr hin, ihr Krieger aller Zonen, Erst kühnen Muthes voll, durch Haß erbittert? Hat ein Moment der Helden Laus gebunden? Ein Augenblick euch Alle überwunden? Es ruht das Meer, ein weitgedehnter Spiegel, Dem wunderherrlich lichter Glanz entfließet, Kein Menschengeist zerbricht den schweren Riegel, Der fest das inn're Heiligthum verschließet. Die Nacht entschwebt auf leichtbeschwingtem Flügel, Daß strahlend sich der Sonnenstrom ergießet; Ermüdet ruht die Flut vom schweren Streite, Und wahret tief die ungeheure Beute. — Ein lichter Punkt nur, der sich tauchend hebet, Durchdringt die Flache rasch, und sinkt und schimmert, So wie am Horizont ein Sternlein schwebet, Und niederfallt, und wieder glänzt und flimmert. Bald wird er frisch vom Fluthenhauch belebet, Und bald scheint er vom Wogenspicl zertrümmert, So unter Wellenkuß und Wellenhieben Wird er zum Meeresstrande Hingetrieben. (Schluß folgt.)

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