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Der Orient · 1840-05-16 · Heft 20 (16.5.1840) · p. 155

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 20 (16.5.1840)
Article
Preßburg: Verhandlungen bei der Magnatentafel
Date
1840-05-16
Page
155 (sequence 3)
Language
German
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155 schieden werden, daß nux die vermöglichen Privaten oder Familien auf diese Concessionen einen Anspruch machen können. — Dem Vorschläge des Grafen Teleky mit den vom Grafen Descöffy dargestellten Modificationen haben sich angeschlossen: B. Hulmen, Graf Carl Iychi, B. Josika, Hedrick Viczay, Georg Andreazy, Alexander Niklas, Iüpüry, Lamassa, Markots, Sam. Teleky, Ladislaus Teleky, Jejhayi, B. Banhfy, Johann und Gabriel Hoglovich. — Hierauf sprach der Präsident den Beschluß der Majorität nach dem obigen Anträge des Grafen Teleky mit der Descö ffy'scheu Modisi'cation aus, womit die Sitzung beendigt wurde. Stellungen und Zustände der Juden in Ungarn. 1. Art. Einleitung. Die Menschheit steht am Eingänge zu ernei; großen Epoche. Ist auch der Pfad noch lang und schmal, der zu dem Ideale socialer Verbrüderung führt, wird auch auf dieser sublunarischen Welt das Mangelhafte nie aussterben, die Hoffnung richtet uns auf, daß die Bildung, welche ihr Scepter immer weiter über die Marken Europas ausdehnt und ihr Licht bis herab in die dunkelste Hütte zu tragen sich bemüht, stets in Hand mit der Humanität geht. Was auch trübgestimmte Seelen von der Unmoralität unserer Zeit sagen, nie, so weit die Geschichte unsers Welttheils reicht, erscheinen die socialen, die öffentlichen Tugenden so angebaut, wie in der Jetztzeit. Die Schranken abgemarkter Nationalität sind hier und dort durchbrochen, das Glaubensbekenntniß gilt nicht mehr als. Signal zur Unduldsamkeit und Absonderung, sondern erscheint als bewegendes Prinzip zu dm Fortschritten in der Humanität, der Mensch kennt sich als Mensch von einem Ende des Erdtheils bis zum andern, und spricht seinen Antheil an den Leiden und Freuden ganzer Gemeinschaften durch Wort und That öffentlich und privatim aus. Es ist hier nicht der Ort, dies naher zu erörtern; auch bedarf cs nicht großer Beweise, wo die Geschichte so laut und öffentlich redet. Einzelne betrübende Erfahrungen haben kein Gewicht in der Wagschale des Weltgerichts. — Wer das Walten und Schaffen der großen moralischen Kraft, die durch die Geschichte der Menschheit sich hindurch zieht, seit einigen Menschenaltern aufmerksam, wir möchten sagen andächtig, belauschte, mußte die Hoffnung in seiner Brust nähren, daß trotz dem Wehruse, der aus tausend gepreßten Herzen hervordrang, die Menschheit dem großen Ziele allmähliger Verbrüderung immer * näher rückte. Einzelne Stämme haben den alten Nationalhaß ausgegeben, und sich in Reiche umgeformt. Staaten sind mit Staaten in den Bund der Vereinigung getreten. Die Verletzung der Menschlichkeit, die am Po erfolgt, berührt schmerzlich die Brust derer, die an der Donau oder am Dneper wohnen und umgekehrt. Das gekränkte Recht ruft alle Völker aus wie einen Mann, und wie sich die verschiedenen Confessionen der Christen brüderlich die Hand reichen, es schwuren, sich nicht mehr zu zerfleischen, einiger abweichenden Glaubenssätze willen, da ward auch, und wenn selbst noch unbewußt, der Grundstein gelegt zu dem Gebäude der Gerechtigkeit für die Juden. Der Bau hat jetzt begonnen, die stets wachsende Humanität der in Europa herrschenden Völker arbeitet mit Macht daran. Es ist an der Zeit auf jeden Fortschritt davon aufmerksam zu machen. Es ist nothwendig von Seiten der Juden, die europäische Civilisation mit aller ihnen zu Gebote stehenden Energie und moralischen Kraft an sich zu reißen, durch Bildung zu verdienen, was andrer Sens das erwachte Gerechtigkeitsgefühl bietet oder zu bieten verspricht. — In diesem Betrachte weiset uns das Land der Magyaren auf viel Erfreuliches hin, und wenn auch das gewahrte und errungene Gut noch mancher Hoffnung Raum laßt, wenn es den Blick in die Zukunft um so mehr spannt, so ist doch die überall sichtbare Bewegung, die große, an allen Orten und Enden hecvortretende Lebensbewegung durchaus geeignet, dem Lande uns mit Liebe zuzuwenden und mit Freuden auf seine humane Wirksamkeit zu achten. Ehe wir es unternehmen, die Zustände und Stellungen der Juden Ungarns in der Jetztzeit mit einigen Federstrichen zu zeichnen, sei es uns erlaubt, einen Blick auf die Geschichte zu werfen, um zu wissen, auf welchen Grund und Boden wir fußten. Schon sehr frühzeitig suchten die Israeliten in Ungarn ein Asyl und fanden es in diesem Lande der angebornen Ritterlichkeit. Ihre Lage war nach dem Zeugnisse der Geschichte keineswegs gedruckt, denn das Mittelalter mit seiner Unduldsamkeit, seinem Ringen einzelner Korporationen nach Alleinherrschaft, seinen Jntriguen und Leidenschaften war noch nicht hereingebrochen und in der Brust der europäischen Bevölkerung wohnte allein das Gefühl einer unbegrenzten Freiheit, die niemand beeinträchtigte, außer dem, der sie selbst autastete, und Juden, Heiden, Zigeuner, Christen ruhig neben einander hingehen und wohnen ließ. Die Freiheit der Nationen war zu groß, zu mächtig, als daß man geargwöhnt hätte, sie könnte durch ein Häuflein Menschen des mosaischen Bekenntnisses beeinträchtigt werden. Schon im eilften Jahrhunderte erscheint die jüdische Bevölkerung Ungarns sehr beträchtlich und im ruhigen Besitze aller derjenigen Güter und Rechte, die das freie Land den Freien verstattete. Ja, noch mehr. Wir finden nicht nur ein bloßes Genießenlassen von Rechtswohlthaten, sondern die förmliche Aufnahme der Juden in den Staatsverband, die gegebene Möglichkeit, zu den höchsten Würden und Ehrenstellen zu.gelangen. Doch die Nacht des Wahnes brach über Europa herein. Ein herrschsüchtige Partei blendete die Augen der Nationen', damit sie die alte ungebandigte Freiheit der Altvordern nicht finden sollten; er machte

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