Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1840)
- Article
- Preßburg: Verhandlungen bei der Magnatentafel
- Date
- 1840-05-16
- Page
- 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360114-2362551--0506-2362578- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
154 vortheilen.- Es ist ihnen jeder andere Erwerbszweig, selbst Dienst oder Amt, versperrt; was soll 'der Arme dann thun? Wer auf die Lage der Katholiken in Irland nur auf die Zeit von 10 Jahren einen Rückblick macht, — dort mußte auch mit Vorurtheilen gestritten werden, aber in letztem Zeiten hat die Schlacht von Waterloo für sie mehr geopfert als um Napoleon zu besiegen. — Ich hoffe mit Zuversicht, daß wir diesen Gegenstand ebenfalls zur Ehre der Nation nach dem heißen Wunsche des Zeitgeistes besiegen werden. — Im ganzen unterstütze ich das Stände-Nuncium mit dem Beisatze, daß die Juden nicht nur von der Toleranz, sondern auch von der Protection al-Tar! (Schutzgeld) befreiet, sowohl in Städten als auch auf dem Lande, ja selbst in den Bergstadten Hauser kaufen können sollen, denn wer die Geschichte letzterer Zeit von Kremnitz weiß, wird wohl in einem Zweifel gerathen, ob denn die Juden oder die Christen bester stehlen können, und mit Weheleid muß er sich überzeugen, daß unter den Juden so rafsinirte Diebstähle gar nicht zu hören sind. — Ober- Gespan GrafNadasdy wünscht es ebenfalls, damit die Lage der Juden gesetzlich hergestellt werde, und zwar in der möglichst loyalen Art und Weise. Er halte es jedoch für einen zu weiten Schritt und vielmehr Sprung, wenn auch die Angabe des Grafen Zay wegen der Sklaverei Stich hielten (was ich jedoch ganz läugne), wenn wir jetzt auf einmal mit den Concessionen bis zur Beadeligungsfähigkeit uns fahren möchten, das wäre von einem Extrem in das andere gestogen, dies würde .vielleicht selbst die Judenschaft, wenn sie befragt werde, kaum wünschen. Der Redner schließt sich in Anbetreff der jetzt zu ertheilenden Concessionen den Ansichten des Bischofs Bankozy an, mit dem Bemerken, daß dieselben nicht allein auf die inländischen, sondern auch auf die ausländischen Juden ausgebreitet werden sollen. — Und insofern wir mit den zu ertheilenden Concessionen unter dem gegenwärtigen Landtage (was das Uebrige betrifft!) nicht entsprechen können, das m"öge bis zum nächsten Landtage nach dem Operate, ausgearbeitet werden. — B. Jos. Edvös: Einen schönern Beweis des Vorwartsschreitens werden wir kaum in gegenwärtiger Zeit für die Zukunft zum Andenken Liefern können, als wenn das erfüllt wird, was im vorliegenden Stande-Nuncium enthalten ist. — Ich wüßte aber auch keine größere Jnconsequenz, als wenn wir das, was wir der Menschheit und der reifen Vernunft, zu leisten schuldig sind, unfern unterdrückten Mitmenschen entziehen möchten. — Nichts als die Vorurtheile, das selbst in der jüdischen Religion verächtliche und dem Christenthume gefährliche Grundsätze enthalten sind, dienten zur Scheidewand, indesten kann sich Jedermann ihre Religions- Bücher prüfen lassen, und wer da etwas Unrechtes findet, dem neige ich gerne' den Kopf, sie enthalten die schönste Moral ebenso wie die christlichen. —- Wenn wir einem Volke die Nationalität absprechen, wo eine Menschenklasse auf den Trümmern der Andern ihr Wohlsein bauet, dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn solche Mangel einzeln Vorkommen, welche nur die Unterdrückung veranlaßte, nur daß wir dieselben bei den Juden immer durch ein schwarzes Glas sehen und vergrößern. Ich will dieses Volk in moralischer Beziehung nicht lobpreisen , man könnte Mehreres sagen, was von der veralteten öffentlichen Meinung auf dasselbe einen Schatten werfen möchte, allein sind sie denn nicht eben so Menschen, als wir? und wird denn auf uns das Sprichwort nicht anwendbar sein (qnoci erare biimanum 68t d. L. Fehlen ist menschlich) wie auch, daß bei uns die wir doch frei athmen, die wir 'uns der reinen Prlncipien des christlichen Glaubens rühmen, mehr dagegen fehlen, die Moral um vieles schwerer verletzen als Jene. — Geben wir ihnen die Nationalität, beschenken wir sie mit einer Gleichförmigkeit in bürgerlicher Beziehung, und es wird sich entscheiden, daß sie die Concessionen verdienen, welche ihnen die Stände verheißen. Ich unterstütze das Stande-Nuncium ganz. Graf Jos. T e l e k y . Die Prlncipien des Stände - Nuncium unterstütze ich durchgehends, — jetzt aber kann von der Adelsfähigkeit noch keine Rede sein, denn es wäre zu viel-, ja es könnte auch schädlich sein, wenn man von einen Extrem auf das andere springen würde, selbst im Vorrücken der Cultur wäre es' nicht nützlich. — Damit aber die Juden jetzt schon von der Toleranz und Protectional-Steuer befreiet werden sollen; damit sie Hauser kaufen, somit bürgert- Gewerbe besitzen sollen, damit sie Cerenden ohne Unterschied übernehmen dürfen, in die Zünfte ausgenommen sollen sie die Handwerke und Professionen frei ausüben, endlich damit diese Concessionen nicht nur auf die Inländische, sondern auch auf Ausländische vermögliche Juden ausgestreckt werde — dieses könnte ich den Juden nickt absprechen, und wünsche sie damit zu beschenken. Die löbl. Stände wären dann (wenn mein Antrag Beifall fände) aufzufordern, das Gesetz-Projekt, ja eher auf diese Art zu entwerfen, damit es noch unter diesem Landtage sanctionirt werben könne. Graf Szechen will die Sache in die systematischen Operate vorschieben, und macht unter Einem die Verwahrungs-Clausel wegen Dalmatien, Ccoaüen und Slavonien, indem er sich auf die Mumcipalrechte dieser Länder stützet. Eben so auch Bischof Haulik. Graf Franz Zichy stimmt übrigens dem Grafen Teleky bei, nur möchte ec nach Ungarn den ausländischen Juden kein so weites Thor öffnen, den am Ende wird Ungarn ebenso wie Galizien und Lodomerien ein Judenland. — Graf Art r e l Descöffy schließt sich ganz dem Grafen Teleky an und ist hinsichtlich der ausländischen Juden der Meinung, daß de^en Aufnahm ohnehin zur Jnspection und Verwaltung der Regieruin abhängen müsse, daher könne es ohne weiteres so ent.