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Der Orient · 1840-05-16 · Heft 20 (16.5.1840) · p. 149

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 20 (16.5.1840)
Article
Konstantinopel: Zustände der Juden daselbst
Date
1840-05-16
Page
149 (sequence 1)
Language
German
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-K» Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von Nr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlichdas Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. Leipzig, den 16. Mai 1840» Orient. K o n sta n t in o p e l (Zustände der Juden daselbst. Die jüdische Vorstadt Chassköi). — Frankreich (Paris, A. Cr eh an ge gegen Zarfati; seine Sentineüe juive). — Deutschland (Trier, Zustand der Gemeinde. Nabbinenwahl. Prolestation gegen Bamberg er und Thal heim er. Dresden, die Einweihung der neuen Synagoge. Leipzig, Dr. Holdheim in Meklenburg- Schwerin angestellt). — Ungarn (Arad, Vertheidigung des Herrn Skreinka. Preßburg, Verhandlungen bei der Magnatentafel, Pesth, Stellungen und Zustande der Juden in Ungarn). — Literaturblatt des Orients. .Mao Orient. Korrstantirropel. Die großen jüdischen Gemeinden im Orient nehmen trotz der geistigen Erstarrung, in der sie verfallen sind, unsere Aufmerksamkeit in dem Maße in Anspruch, als wir überhaupt jetzt nach dem Oriente Hinblicken, wo das Geschick der dortigen Nationen sich von Neuem entfalten soll. Unter allen Städten des türkischen Reiches aber ist Konstantinopel, als die geheiligte Residenz, unstreitig die wichtigste, und die große jüdische Gemeinde daselbst verdient eher als irgend eine andere eine nähere Beleuchtung. Der berühmte Hatti-Schenf von Gülhane, wenn er schon für die Türken höchst unerwartet und unvorbereitet erschien, mußte natürlich für die an unerhörte Bedrückungen gewöhnten Juden eine Erscheinung sein, an die sie zu glauben kaum sich traueten; ja die Urplötzlichkeit seines Erscheinens und sein fremdländischer Hintergrund waren geeignet, den Glauben zu verbreiten, daß diese Constitution nur irgend ein Staatsstreich oder eine Falle sei, obgleich man sich nun mehr und mehr der Freude hingiebt, daß sie wirklich die Barbarei verbannen wird. Die meisten suchen sich noch immer der moslemischen Herrschaft zu entziehen, dadurch nämlich, daß sie sich als Franken von Abstammung ausgeben, was den aus Spanien ausgewanderten natürlich zu beweisen nicht schwer wird, und die Gesandten und Consuln sind nur zu gern geneigt, diese Vermehrung der Franken zu fördern. Der Abstand zwischen einem zu einem Franken gewordenen und einem türkischen Juden ist noch immer so groß, die Vortheile des Elfterem vor dem Letzteren so bedeutend, daß wir uns über den verletzten Patriotismus nicht wundern dürfen. Namentlich ist bei den Reichen und bei Geschäftsreisenden die Frankwerdung etwas ganz Gewöhnliches, da sie dadurch nicht nur entschiednere Sicherung des Eigenthums erhalten, sondern auch von so manchen Quälereien verschont bleiben, die der eigentlich türkische Jude trotz der preislichen Constitution noch immer zu erdulden hat. — Das Rabbinat zerfällt seit dem Beginne der Reformen in zwei Theile, der eine Theil vertritt die religiöse Seite des Judenlhums, den Rabbinismus mit seinen Satzungen', der andere aber nur die politische Seite, die Beziehungen der Juden zum Staate, beide ergänzen sich gegenseitig und beide sind daher für die Gemeinde unentbehrlich. Der Rabbiner, welcher als solcher bei den Behörden gilt, ist ein Mann in der Blüthe seines Alters, der neben seinen Talmudstudien auch noch andere Profanwifsenschäften betrieben, der andere hingegen ist ein alter gebrechlicher Mann, der sein ganzes Leben nur den Studien des Talmudes geweihet. — Die jüdische Bevölkerung ist in der letzten Zeit bedeutend gestiegen, und zwar weniger durch innern als durch äußern Zuwachs, weil Konstantinopel sich immer mehr europaisi'rt'> die jüdische Bevölkerung K.'s mit Einschluß der umliegenden Dörfer rechnet man jetzt aus 100,000. Die hebräischen Ofsicinen in Saloniki, Smyrna (bei den jetzigen Juden geschrieben) und ..Konstanrinopel liefern nur Deraschot oder talmudische Discussionen, namentlich hat sich die Sucht verbreitet, Auszüge aus älteren Werken zu machen.*) — Ueber die vorzüglichste Vorstadt, wo Juden wohnen, welche Chassköi heißt, möge hiernochdieNotizv.Hammer- Purgstall's einen Platz finden: „Diese Vorstadt, die . , , Ich hoffe nächstens in den Stand gefetzt zu sein, über einige Mue Erscheinungen der jetzigen hebr^ Typographie in der Türkei Bericht zu erstatten. ' N ed. 20

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