Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 19 (9.5.1840)
- Article
- Schriften über Erfindung und ursprüngliche Bedeutung des Alfabets
- Date
- 1840-05-09
- Page
- 292 (sequence 4)
- Language
- German
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295 Schriften über Erfindung des Alfabets v. Dr. Bonfoi. Ueber den Judeneid. 29V befand, weiß man aus Herodot, und weil Bel die Sonne vorstellte, so konnte der griechische Erzähler sie „Sonnenstadt" nennen. Aber sie ist darum ebenso wenig der Thierkreis als Heliopoliß in Egypten oder Bet Semes in Palästina. Unser Verfasser hat also zu Gunsten seiner Hypothese seinen Gewährsmann falsch verstanden. Auch Hygin wird zu diesem Zwecke citlrt. Fab. 277 heißt es: die Moren haben die Buchstaben erfunden." Dieser Satz beweist nur, daß das Alfabet astrische Bedeutung hat, nicht aber sind die Moren, wie unser Verfasser will, Abschnitte des Thierkreises, sondern Ieittheile ohne alle Beziehung auf den Zodiak, denn ihrer sind nur drei anstatt vier oder zwölf, welche Zahlen eher an den Zodiak erinnern würden. Ferner wird auf den Koran (Sura 57) berufen, welcher den Noah ein Buch schreiben laßt, unser Verfasser vermuthet den im Alfabete niedergelegten Text. Zwar hat die Tradition*) den Enoch zum ersten Schriftsteller und Astronomen gemacht, allein.da dieser vor der Sündfluth lebte, wird er als unbrauchbar für die Zwecke unsedes Verfassers ignorirt. Weil die sieben Vocale a, e, e, e, i, o und u von den Egyptern auf die 7 Planeten bezogen wurden, und das Uralfabet aus 25 Buchstaben bestand, so laßt unser Verfasser die Vocale als die Planeten an gewissen Stellen des Thierkreises zwischen den, die Zodiakalbilder vorstellenden Consonanten, eingeschaltet sein. Ich gestehe, daß diese Art zu argumentiren mir etwas unklar geblieben ist, erstlich, weil es nur zwölf Zodiakalbilder giebt, und die 7 Planeten des ptolemaischen Systems dazu gezählt gäben erst die Zahl 19, daher die Anzahl der Buchstaben hier noch nicht completirt erscheint. Ferner ist der erste Buchstabe einstimmig auf den Stier als erstes Sternbild der Alten bezogen worden, unser Verfasser aber weist ihm seinen Platz im Monde an. Traditionen benützt und verwirft unser Verfasser je nachdem sie seinen Zweck fördern oder stören. So ist ihm der spanische Rabbi Abarbanel ein willkommener Zeuge dafür, daß 3 Jahre vor Mosis Geburt eine Conjunction des Saturn und Jupiter im Zeichen der Fische stattgefunden habe, hingegen erklärt er die Rabbinen für Verfälscher der biblischen Zeitrechnung, die sich nur noch in der griechischen Version echt erhalten habe, weil — ihm sonst 1500 Jahre zum Ausbau seiner Hypothese fehlen würden. Dr. F. Bonfoi. *) Scaligeri Animadv. ad graec\ Euseb. p. 407 und Frabric. Pseud. 3. p. 203—11. Ueber den Judeneid von Salomo Jehuda Rapap or i. als Antwort an das Hochlöbliche k. k. gallizische Landes-Prasidium. (Schluß.) Iemehr eine weltliche Behörde sich bemüht durch Zwäng eine Stelle in einem Religionsbuche, oder gar das Buch selbst zu unterdrücken, desto mehr werden beide bei manchen Orthodoxen an Wichtigkeit gewinnen. Dann erst werden solche Stellen nach intolleranten Prinzipien im Stillen gedeutet und gelehrt, und das Geheimniß prägt ihnen die Heiligkeit auf. Unmöglich wird man so viele Auflagen hier und in fremden Ländern verstümmeln oder gar aufheben können, welche Mittel dem Unterzeichneten auch unbillig Vorkommen, indem doch der eigentliche und wahre Sinn nichts Anstößiges enthält, und bloß durch Jrrthum oder absichtliche Irreführung mißdeutet werden könnte. — Werden aber angesehene Rabbinen, die entweder selbst gebildet sind, oder von gebildeten Israeliten geleitet werden, manche Stellen öffentlich beleuchten und Manche widerlegen, und solche Abhandlungen der Nation als unirberschreitbare Norm öffentlich herausgeben, dann bleiben sie bei ihr ewig dauernd in Sinn und That. Denn es ist bei den Israeliten ein großer Unterschied zwischen einzelne Meinungen die mancher Rabbine sür sich äußert, und öffentliche von ewerganzen Versammlung von authorisirten Männern gegebene Erklärungen. Diese werden es über sich nehmen, jede für andere Völker anstößige Meinung zu widerlegen, und das Gegentheil aus dem Talmud selbst zu beweisen. — Es ist bereits erwähnt worden, daß der Talmud allein die Quelle aller spätern jüdischen Gesetzesbücher ist; wenn daher ein selbst aitthorisirter Nachfolger in den Sinn irgend einer Stelle in jenem voluminösen Werke sich geirrt' oder gar eine Stelle selbst übersehen haben sollte, so kann ein weit spaterer Rabbine ihn widerlegen und dessen Irrthum oder Versehen öffentlich darthun. — Einer der Hauptirrthümer fast aller bisher im Talmud wühlenden Christen und auch vieler bisherigen gelehrten Israeliten bestand darin, daß man ihn wie einen ganzen abgeschlossenen, von einem Einzelnen oder Mehreren zu einer gewissen Zeit und in einem Orte verfaßten Codex betrachtete. Beide, sowohl Christen als Juden berührten ihn, hinsichtlich seiner Tendenz und seines Inhalts, nur oberflächlich, und drangen selten in sein Inneres ein. Erstere aus Unwissenheit und Verachtung, Letztere hingegen aus übertriebener zurückschreckender Ehrfurcht vor demselben. Ein in ihm eingeweihtcr und nach Wahrheit forschender Mann wird bald einsehen, daß dieses kolossale Werk blos Aufzeichnungen alter Sagen, Sprüche, Fragen, Antworten und Einwendungen sehr vieler Gelehrten aus sehr verschiedenen Ländern und Städten und in sehr verischiedenen Umständen, durch einen Zeitraum von mehreren hün-