Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1840)
- Article
- Algier: die Juden unter den Franzosen
- Date
- 1840-05-02
- Page
- 133 (sequence 1)
- Language
- German
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Berichte, Studien und Kritiken für Das Monn erneut für ein Jahr ist 6 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Vuclihandkungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen,, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. gHE 18. Leipzig, den 2. Mai 1840. Orient. Algier (Schluß. Die Juden unter den Franzosen). — D eutschland (Wien, Aufruf vom Oberr. Pinkas de Segura in Smyrna; Wien, Privatschreiben aus Damaskus; Mainz, Ztechenschaftsbericht des Handwerkervereins; Trier, Nekrolog des M. Lazarus, Chef des dortigen Consistoriums; neue Rablünenwahl; Cassel; Schluß, Verfall der Cultzustande; Leipzig, die Juden in Sachsen). — Böhmen (Prag, jüd. Oberrichter in Pesth; über die Judengemeinde in Trebitsch; Mackler, Neckendorf, Napaport). —> Ungarn (Pesth, Vereine daselbst). — Literaturblatt des Orients. Orient. Algier (Schluß). So knüpft also nun schon die Liebe zum Leben die Juden an die französische Sache und zwingt sie, die französischen Interessen zu unterstützen, denn wenn der Halbmond wieder zur Herrschaft gelangen sollte, wäre ohnstreitig die jetzige Generation der Juden wenigstens verloren. Auch ist nicht zu leugnen, daß die Franzosen sich gegen die Juden.ihres Zuvorkommens .willen durch sichtliche Bevorzugung vor. Arabern und Mauren dankbar bewiesen haben und die Juden müssen darauf wirklich Gewicht legen, indem dies die französische Herrschaft mit Aufopferung einer sehr natürlichen Politik gethan hat; denn bereits hat es die Erfahrung schon vielfach bestätigt, das Araber und Mauren sich nur darum feindselig und jäh gegen das neue Regiment bewiesen, weil sie die Bevorzugung der Juden übel empfanden. Doch zur Ehre der nordafrikanischen Juden wollen wir erwähnen, daß es nicht die Furcht vor den Moslemen allein ist, die sie der französischen Herrschaft befreundet, sondern daß wirklich ein höherer Sinn sie bestimmt, ein richtiges Gefühl sie leitet. Wir mußten oben erwähnen, daß die Juden Nordastikas nie den Keim der Bildsamkeit wenigstens erstickt haben, und dies ist eine Hauptursache, die sie an die Franzosen kettet. Schon ihre -beständige Thätigkeit gegenüber der trägen Gedankenlosigkeit der Moslems bedingte diese Bildsamkeit, wenn wir sie nicht in dem religiösen Leben zuvörderst suchen wollen, noch mehr aber ihr Verkehr, der wenigstens einer gewissen Eultur nothwendig förderlich sein mußte. Wir finden darum auch schon vor der französischen Occupation einige wenige, wenn auch dürftige Schulen, namentlich zu Algier, Bona und Oran, die von jüdischen Knaben besucht werden. Waren, wie schon erinnert, diese Schulen für. die Fortbildung auch nur von geringer Bedeutung, so belebten sie doch den Wunsch nach Erweiterung und Verbreitung solcher Lehranstalten, und in dieser Hinsicht haben sich die Franzosen großes Verdienst erworben. Seit 1832 find durch sie so viele öffentliche Schulen ins Leben getreten, daß bereits 230 derselben von israelitischen Kindern besucht werden, in welcher nach der lancastre'schen Methode Unterricht ertheilt wird. Die Mädchen waren vor der Occupation rücksichtlich des Unterrichts gar nicht bedacht, blieben vielmehr nach acht orientalischer Sitte ohne alle Bildung. Diese Vernachlässigung des weiblichen Geschlechts aber war ein Awang der Umstände und Sitte, keineswegs ein Ergebnis; jüdischer Vorurtheile. Die Frauen wurden vielmehr unter den afrikanischen Juden in Vergleich mit der übrigen Bevölkerung sehr berücksichtigt und keineswegs so maschinenartig behandelt, wie von den Moslems. Wir finden bei ihnen durchgängig die Monogamie, obwohl ihre Religion die Vielweiberei nicht ausschließt, und so frei und selbstständig bewegten sich von je die Frauen, daß sie öffentlich und unverschleiert erscheinen durften. Diese löbliche Achtung vor dem zarteren Geschlecht blieb auch keineswegs ohne wohlthätige Folgen, und die jüdische Frauenwelt zeichnete sich darum von je durch innere und äußere weibliche Schöne, durch einen natürlichen richtigen Tact sehr vortheilhast vor der übrigen weiblichen Bevölkerung Algierien's aus. Auch um ihre Bildung nun erwarben sich, die Franzosen große Verdienste, und obgleich ihnen die Juden hierin nicht entgegen kamen, weil sie das Bedürfniß nicht kannten/ so 18