Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 17 (25.4.1840)
- Article
- Sendschrieben ... an Chajim Selig Slonimski
- Date
- 1840-04-25
- Page
- 261 (sequence 3)
- Language
- German
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264 263 Ueber den Judeneid v. S. I. Rapaport an das gallizische Landespbäsidium. Kuchba habe ich in meinem Werke unter diesem Artikel zusammen gestellt. ' Ueber den Judeneid von Salomo Je hu da Rapapor t* als Antwort an das Hochlöbliche?. k. gallizische Landes-Prasidium. *) Hochlöbl. k. k. galliz. Landes-Präskdium! Aus dem hohen Präsidial-Erlasse oom 12. Mar 1826 Z. 2735 scheint hervor zu gehen, daß durch irgend einen Gegner der Israeliten alte, bereits verhallt geglaubte Vorwürfe gegen ihnen wieder geweckt und vielbesprochene, von Judenfeinden erdichtete und langst schon widerlegte Beschuldigungen von Neuem aufgeregt worden sind. Es soll nämlich in einem ihrer hebräischen Gesetzbücher, Betrug, Meineid u. s. w. gegen Christen anempfohlen oder wenigstens erlaubt, und in Betreff des Meineides von ihnen sogar darnach gehandelt werden. — Die Art dieser, in Gestalt einer Anfrage aufgebürdeten Anschuldigung, muß einen jeden rechtlichen und gutdenkenden Israeliten so tief kranken, daß er sich berufen fühlen muß, die Ehre und den guten Namen seines Volkes, dessen Moralität und Verträglichkeit mit Nichtjuden betreffend, in Wahrheit herzustellen und zu vertheidigen. Ich habe daher keinen Anstand genommen, selbst unaufgefordert, die Beantwortung jener Fragen, wie ein fleißiges und kritisches Studium in diesem Fache es mich gelehrt, aufrichtig und ohne Vorurtheil zu Hochdesselben vorurtheilsfreien Einsicht, in tiefster Ehrfurcht > vorzulegen. — Obgleich ich weiterhin Gelegenheit haben werde, von den sehr humanen und toleranten Gesinnungen mehrerer Lalmudisten, selbst gegen die Völker ihrer Zeit, vieles zu zeigen, so muß ich doch mit der Hauptbemerkung den Anfang machen, *) Der vollständige Mel dieser Abhandlung, der in Folge einer Anfrage entstanden, hieß: Aufrichtige Beantwortung der hohen Landes-Präsidial-Nachfrage vom 12. Mai 1826 Z. 2735 (durch das Zloczower k. k. Kreis-Präsidium mehreren hiesigen Gelehrten, Z. 106, mitgetheilt), betreffend die vorgegebenen Irrlehren des hebräischen Werkes Choschen Ha-Mischpat (eigentlich der 4. Theil des größer» Werkes unter dem Titel Schulchan Aruch), wo nämlich den Juden Betrug u.s. w. der Christen erlaubt, ja sogar als ein verdienstliches Werk anempfohlen werden soll; ferner: über die Verläßlichkeit oder Unverläßlichkeit der Judeneide, nebst auf gründliche Sachkennrniß ruhende Vorschläge , auf welcher Weise dem moralischen Charakter der .Juden, durch ihre Gesetzbücher selbst, eine sichere, der allgemeinen Menschenliebe angemessene Richtung zu geben. Von Salomo L. Rapaport aus Lemberg." Diese Abhandlung, zu den frühesten Arbeiten des Herrn Rapaport gehörend, dürfte jetzt, wo von mehreren Seiten eine Umgestaltung in der Gesetzgebung vorgenommen wird, gerade von Interesse sein, obgleich wir bereits eine erschöpfende Arbeit darüber in der Schrift des Dr. Z. Frankel erhalten haben. Red. welcher gewiß alle israelitischen Schriftgelehrten beistkmmen, und der absichtlichen Sinnesverdrehung mancher Gegner zum Trotz z.ur Genüge beweisen werden: daß in unfern rabbinischen Gesetzbüchern (welche alle blos Auszüge und Compilationen aus dem Talmud und der weit altern Mi sch na sind) nie von Christen die Rede war; daß unter den Ausdrücken Akum, Nochri, Goj u. dgl. blos die zur Zeit der uralten Mischna existirenden Heiden gemeint waren, und daß selbst die, hinsichtlich jener alten Völker gegebenen Vorschriften, sich blos von der Zeit unserer scheinbaren Unabhängigkeit herschreiben, in weicher uns von denselben so viele Uebel zugefügt, fremde, von der ganzen Nation verabscheute Priester, Könige und Sitten aufgedrungen, und unsere Neligionsgebrauche mit Füßen getreten wurden, wie aus den Antiquitäten des Flavius Iosephus durch den ganzen Zeitraum, von Antr'ochus Epiphanes an bis zur Zerstörung Jerusalems, zu ersehen ist. Auf jene Zeit deutete offenbar die Condition in jener Stelle des Choschen Ha-Mischpat (Abschnitt 425 §. 5), auf welche in der hohen Prasidial-Anfrage hingeziclt wird. Dort, in der zu der Beschuldigung wahrscheinlicher Weise Anlaß gegebenen Stelle nämlich, wird im Texte hinzugefügt: „daß man jenen Akum (Götzendiener), m i t d e n e n w i r nicht i m K r i e g e leben, nicht den Tod verursachen darf u. s. w. — Unmöglich kann dieses Gesetz nach der Zerstörung des Tempels verfaßt worden sein; nach dieser Katastrophe konnte von Krieg gegen andere Völker.die Rede nicht mehr sein. Seit dieser Zeit ist es den Israeliten sogar ausdrücklich verboten, und ihnen mit einer Art feierlichen Beschwörung vom Allmächtigen selbst eingeschärft, sich nie, selbst gegen ihre Unterdrücker aufzulehnen, weder sich in Schaaren zu sammeln, noch mit Gewalt ihr väterliches Land erobern zu wollen (Ketubot 111. Col. 2 und Midrasch zu Cant. 2. 7). — Wir können die Geschichte aller Völker, seit unserer Zerstreuung bis 'aus die neuesten Zeiten, als Zeuge aufrufen, wie treulich wir diesem Verbote nachgelcbt, ob wir je an.irgend einer gewaltsamen Bewegung eines Volkes gegen seine eigenen Machthaber Theil genommen, und unter den Factionen, von welchen manche Staaten zerrissen wurden, Partei ergriffen haben. Völker und Länder tobten oft gegen sich selbst, stürmten gegen Gott und seinen Gesalbten auf Erden, und Israel blieb immer unbewegt. „Geräuschlos ruhte Israel, still abgelegen Jakobs Quelle" (Deut. 33, 28). Und doch will man dieses Volk der Unverträglichkeit mit andern Völkern zeihen! Man will ihm alte, abgekommene und nie verwirklichte Gesetze, verfaßt gegen andere Völker, in andern Zeiten, unter andern Umständen, jetzt zur Sünde anrechnen 1 — Bereits hat der Verfasser des Beer ha-Gole (der bei den Israeliten eben so authorisirt als der Choschen Ha-Mischpat selbst, und auch in allen Auflagen derselben als Scholiast und Quellenangeber zur Seite gedruckt ist) zu jener Stelle, die der Unwissenheit oder der Verfolgungssucht Anlaß zu anstößigen Auslegungen geben könnte, und zwar mit gründlichen Beweisen die Bemerkung gemacht, daß dort keineswegs von dm Völkern, unter welchen wir jetzt zerstreut leben, die Rede ist/ daß wir viel-