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Der Orient · 1840-04-25 · 17 (25.4.1840) · p. 260

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
17 (25.4.1840)
Article
Sendschrieben ... an Chajim Selig Slonimski
Date
1840-04-25
Page
260 (sequence 2)
Language
German
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26L Sendschreiben Sal. Ich. Rapaports's an Chaj. Sel. Slonimski. 262 Geist noch einmal über Israel ausgegoffen worden, und nach unglücklichen Schlachten brach er dann plötzlich Ln Palästina mit einer kleinen Heldenschaar ein, wo der blutige Kampf nochmals begann und Betar seine Veste wurde. Nur dadurch ist es begreiflich, warum der Talmud nur von den Kämpfen aber nicht von andern Verhältnissen dieses Helden spricht, warum die Blätter des Talmud und Midrasch so stumm sind über seinen Namen, über seine Vaterstadt und seine Familie; vielmehr sehen wir aus ihren Berichten, daß Bar-Kuchba ihnen eine plötzliche fremdländische Erscheinung war; wie ein brausender Sturm brach er aus fremden Landen mir seinen Heldenjüngern in das unterjochte Vaterland ein, um wie eine seltene Erscheinung eines Kometen bald zu verschwinden. — In Bezug auf die Geschichte Bar-Kuchba's haben wir die Entbehrung des samaritanischen Geschichtswerkes, welches man das Buch Josua nennt, schmerzlich empfunden; denn in jenem Werke soll man sehr Vieles über die Kampfe der Juden in Egypten und Palästina finden, da der Verfasser nach Fabcicius ein Zeitgenosse des Hadrian war. Skaliger besaß dieses Buch handschriftlich und hat es der Leydener Bibliothek Übermacht (s. Munter S. 12 u. 69 in den Anm.). Von unfern Glaubensgenossen, welche dieses Buch, entweder im Original oder in einer arabischen Uebersetzung (das schon Abulfarag benutzt), gesehen und benutzt, ist Abraham Jbn-Daud, der Verfasser des Ueberlieferungsbuches (Sefer ha-Kabbnla) der Erste; denn er erzählt (p. 35 a ed. Amst.) von Bar-Kuchcha folgendes: Bar-Kuchba hat sich gegen Domitian aufgelehnt, und starb als König, hierauf regierte sein Sohn Rufus, .und als dieser starb herrschte der Sohn des Rufus mit Namen Romulus u. ftw." Woher hat er diese Erzählung anders genommen, da sie sich im Talmud und Midrasch nicht findet, wenn er nicht das Geschichtswerk! der Samaritaner benutzt? Eine kurze Zeit nach Abraham Jbn-Daud kam Maimuni, der den Bar- Kuchba mit dem Namen „Königs (am Schluffe des Buches Jad) und einmal sogar „großer König" belegte (Hil. Taanir. c. 5); wahrscheinlich -hat er ohne benutzte Quelle es nicht geschrieben. Wer weiß, ob »nicht auch für den Ausspruch Maimuni-s, daß Akiba Waffenträger des Bar-Kuchba war, die Quelle in genanntem Buche zu suchen sei, da die Talmude und Midraschim keinen Beleg zu diesem Ausspruch liefern. Endlich hat Samuel Schalom, der bekannte Herausgeber und Bereicherer des Buches Juchasin zu.Konstantinopel, das samaritanischeGeschichtswerk -(WDT *1501 Q'rNlDN) gelesen, wie er es erwähnt, .und in dem dort erwähnten Stück wird Zeines jüdischen Midrasch 'IHN') erwähnt, das wir nicht mehr besitzen. Interessant ist eine Stelle bei Samuel Schalom in seinen Geschichtserzahlungen Hl&D.j zum Juchasin (ed. Krakau 142 d), wo ys heißt: Trajan herrschte 18Z- Jahr u. ft w., da empörte sich Ben-Kusiba gegen die Römer, ging nach Cyrene in Afrika (W£) und die Juden standen auf und tödteten die Römer daselbst u. ft w. Hier wird der Anreger der Aufstande in Cyrene und Egypten nur Bar-Kuchba genannt, wahrscheinlich nach dem samaritanischen Geschichtswerk, und ich wundere mich, daß Munter und die andern Geschichtschreiber nicht darauf aufmerksam wurden. Da es nun jetzt auch unter uns, Gott sei Dank, tüchtige Orientalisten und Alterthumsforfcher giebt, so mögen sie sich eine Abschrift des erwähnten Gefchichtswerkes verschaffen, und dann mit einer deutschen oder lateinischen Uebersetzung herausgeben, um der Erforschung der jüdischen Geschichte einen großen und unvergeßlichen Dienst zu leisten, einen Dienst, der für jüdische Geschichte um so werchvoller ist, als der samariranische Geschichtschreiber jüdische Midraschim erwähnt, die nun verloren sind. Möge Hr. Dr.D ernb erg in Amsterdam, dem die Leydener Bibliothek offen steht, uns diesen Dienst leisten, für welchen jeder Geschichtsforscher ihm danken wird. Bevor ich mein Sendschreiben schließe, möge noch folgende hierher gehörende Bemerkung Platz finden, eine Bemerkung, die in Bezug auf Bar-Kuchba nicht unintereffant ist. Syncellus erzählt wörtlich: „Der jüdische Feldherr wurde Bar-Kuchba genannt, aber auch Movoysvrjg, welches „Stern" bedeutet." Munter (S. 49) wußte das Movoyevijg nicht zu deuten, das im Griechischen nur „Eingeborener" bedeutet; er meint, man könnte den Bar-Kuchba als einen erwarteten Erlöser vielleicht so benannt haben. Aber dann müßte uns die eigene Erklärung des Syncellus, daß es „Stern" bedeute, höchst sonderbar erscheinen. Es ist mir aber klar, daß hier ein kleiner Jrrthum obwaltet; der Name war wahrscheinlich Movsys^iog (daher auch Astronom), der arabisch wirklich „der Gesternte"' heißt, da Stern, //gesternt" bedeutet, und Syncellus hat also Recht, daß es in's Griechische übersetzt „Stern" bedeute; ja noch mehr, die Bezüglichkeit auf den Kometen erscheint in dieser arabischen Benennung noch .deutlicher hervor. Diesen arabischen Namen hat Bar-Kuchba wahrscheinlich von den Juden in Arabien erhalten, deren Gebiet er in seinem Kriegszuge in Äthiopien und Egypten durchzogen haben mag. *) Ein Mehreres über Bar- *) So eben theilt mir Herr Napaport mit, daß er in der Aufzählung der Männernamen in Bet-Samuel zu Eben-Eser unter Nun folgendes auch..findet:;QW.T)üü DDDD jnipl KID 'Q'IJJ, woraus nicht nur die Bedeutung dieses Wortes, sondern auch dessen Gebrauch al§,-Benennung erhellt.' Ich werde auch ln den Stand gesetzt, zu diesem Aufsatze reichhaltige Anmerkungen zu liefern. Red. 17 *

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