Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1840)
- Article
- Algier: Lage der Juden im Gebiete Algier unter den Franzosen
- Date
- 1840-04-18
- Page
- 119 (sequence 3)
- Language
- German
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119 .handhabt wird, und wie wenig wir auch die dortigen Zustande mit den europäischen vergleichen dürfen, zumal wenn wir bedenken müssen, daß die Bekenner des Mu- Hammedismus die Stadt und ihr Eigenthum haufenweise verlassen hatten. Dieses Beispiel war nicht ohne Folgen. Es steigerte einerseits die Wuth der Moslemen gegen die Juden, andererseits die Furcht der Juden vor den Moslemen, und wir wissen, wie die israelitische Bevölkerung später zu wiederholten Malen genöthigt ward, zumal beim Anrücken der französischen Cohorden, die bedrohte Stadt zu verlassen, um sich vor der Rache der Moslemen zu flüchten. Man denke an die Flüchtlinge aus Mascara nach Oran und Tlemecen, die Herr James v. Rothschild in Paris mit 10,000 Fr. unterstützte, um ihr Elend zu mildern. (Schluß folgt.) Ggypten. Aus diesem Lande berichten die Times: Sir Moses Montefiore, ein reicher Jude aus London, machte vor kurzem eine Reise nach Palästina, und. zog über alle biblische Altecthümer die genaueste Kunde ein. Nachdem er ermittelt hatte, daß die heiligen Ortschaften der egyptischen Regierung etwa 64,000 (?) Beutel an Steuern zahlen müssen, ging er nach Alexandrien und bot dem Bicekönig an, diese aus eigenen Mitteln herzugeben, wenn ihm erlaubt würde, israelitische Eolonien anzulegen. Mehmed-Ali soll diesen Vorschlagangenommen haben, unter der Bedingung jedoch, daß die Eolonien seiner Oberherrschaft unterworfen seien und nicht unter europäischem Schutze stehen. (L.A.I.) Großbritannien. London, 31. März. Die zur Verbreitung des Ehristenthums unter den Juden zu London bestehende Gesellschaft hat ein Stück Landes am Fuße des Berges Sion bei Jerusalem erkauft, um daselbst eine Kirche zu erbauen, in der täglich Gottesdienst nach dem anglikanischen^ Ritus, aber in hebräischer Sprache gehalten werden, soll. Ein Herr Nicholson ist von der Gesellschaft zum Priester dieser neuen Kirche erwählt worden, und wird in feinem apostolischen Werke von dem Herren Pieritz und Gombay, zwei zum Ehristenthum übergetretenen Juden, unterstützt werden. L. I. Deutschland. Breslarr, 3. April. In den Anstalten, welche eine Gemeinde zahlt, zeigt sich am Deutlichsten der Sinn, welcher dieselbe durchdringt; und da zeigt sich die hiesige Gemeinde von so vielen Seiten aus angeregt, daß eine Zusammenstellung der hier bestehenden löblichen Anstalten, die vielen hier zerstreuten Keime von selbst Nachweise. Ich spreche, von zerstreuten Keimen, mit dieser Bezeichnung zugleich einen Tadel ausdrückend, indem vieles hier getrennt ist, was verbunden sein-sollte, und die Thätigkeit, die aus die Hauptquelle gerichtet sein sollte, nunmehr zersplittert wird. — Die Wilhelmsschule, als eine nicht sowohl von der Gemeinde ausgehende, als vielmehr vor nahe einem halben Saculum vom Staate begründete Anstalt, übergehe ich hier; in dem bezeichnten Umstande, so wie in dem andern, daß die allgemeinen städtischen Schulen jetzt, wo keine Scheu mehr davor obwaltet, die Kinder in dieselben zu schicken, allen Bedürfnissen genügen , liegt es hauptsächlich, daß jene nicht den vorteilhaften Einfluß auf die Gemeinde übet, den sie etwa üben könnte und den ähnliche Anstalten in andern Städten wirklich üben. Jedoch bestehen außer derselben noch andere Armenschulen, welche ihre Subsistenz durch freiwillige Beitrage der Gemeindeglieder, denen sich auch die Gemeinde selbst mit einer jährlichen Unterstützung anschließt, finden. Für Knaben gibt es eine so genannte Talmud- Tora- Schule, für Mädchen eine sogenannte Industrieschule, welche letztere recht Zeitgemäßes leistet. Man hofft, daß durch die Anwesenheit unseres würdigen zweiten Rabbiners, Hr. Dr. Geiger, erstere zu. ihrem wahren Zwecke umgebildet, letztere befestigt werden würde. Seit einigen Jahren ist ein öffentlicher Religionsunterricht für Knaben und Mädchen. eingerichtet worden, welcher jedoch noch nicht die erwarteten Früchte getragen, dessen Regeneration man jedoch gleichfalls entgegen sehen darf, sowie dazu auch schon Schritte gethan worden sind. — Würdig schließt sich diesen Bestrebungen. an, aber mit besserem Erfolge, die Waisenanstalt in zwei Abtheilungen für Knaben und Mädchen, deren Statuten bald neu erscheinenwerden und der königlichen Sanction harren. Als reine Wohlthätigkeitsanstalten treten hervor:- die Vereine für Armenbekleidung (genannt Henschelssche Stiftung), für Ausstattung der Braute, für Wöchnerinnen, für Unterstützung angehender Mediciner zu Promotionen (ebenfalls genannt Henschel'sche Stiftung), die Lazarus-Kroh'sche Stiftung für unbemittelte Greift, der Jungframnvecein u. dgl., zu welchen jetzt noch hinzugetreten ist ein Stipendienverein für Studirende, und denen sich bald zugesellen wird ein Verein für Erlernung und Betrieb der Handwerke und des Ackerbaues. Mehre Gesellschaften,, zum Theil auch gesellige Zwecke in sich ausnehmend, bieten für die Mitglieder großartige Bürgschaften zu Zeiten det Bedrängniß, wie die Gesellschaft der Brüder, die der Freunde, von denen die erstere bis jetzt die schöne neue Synagoge miethweift in, Besitz hat, deren Umwandlung zur Gemeinde-Synagoge jetzt vielfach gewünscht wird. — Vor allen aber strahlt hervor die Kranken-Verpflegungs- und Beerdigungs-Gesellschaft (82/Ns) rnSfi), die unter vortrefflicher Leitung den Kranken Trost, Mittel zur Heilung, und Pflege spendet, zugleich aber auch jene letzte Wohlthat gegen die menschliche Hülle, ausübt, welchekeines Dankes von den. Lebenden harret. Ihr Bestand reicht fast bis zur Zeit der neuen Ansiedelung 16 *