Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1840)
- Article
- Algier: Lage der Juden im Gebiete Algier unter den Franzosen
- Date
- 1840-04-18
- Page
- 117 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360110-2362282--0390-2362322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Beetchte, Strrdien rrrrd Keitiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von Br. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 1E-. Leipzig, den 18. April. 1A4O, Orient. Algier (Lage der Juden im Gebiete Algier unter den Franzosen); Egypten. ■— Großbritannien (L o ndon, über eine. Kirche auf Zion). — Deutschland (Br eslau, die dortigen Vereine und Institute; Dresden; Leipzig, über Zustande der Juden in Sachsen; Würz bürg, Dekret über den Unterricht.) — Ungarn (Preß bürg; Pesth, Schilderung jüdischer Zustande in Ungarn). — Literaturblatt des Orients. Orten t. MlgrSV. Lage der Juden im Gebiete Algier unter den Franzosen. —- Wir haben in Nr. 12 dieser Wochenschrift den herabdrückenden Einfluß geschildert, den die Herrschaft der Moslems auf die jüdische Bevölkerung Algiers äußerte; wir haben der moralischen Vehikel erwähnt, welche glücklicher Weise in voller Wirksamkeit blieben, um den Stamm Israels bei steter geistiger Schnellkraft zu erhalten. Bevor wir die Lage der Juden unter der französischen Herrschaft und ihre Stellung zu diesem Regiments schildern, wollen wir diese Bevölkerung, selbst noch einmal an unfern Blicken vorüber gehen lassen. Die Juden bilden ein gutes Viertel der ganzen Bevölkerung des Gebiets Algier. Sie erscheinen namentlich in den Handelsstädten Algier, Oran, Bona, Constantine, angesiedelt. Wir finden in Algier selbst 6065, in dem kleinen Constantine gegen 600 jüdische Individuen. Bei der Trägheit der Moslems erscheinen sie zur Zeit der französischen Occupation im Besitze des gesammten Handels, und betrieben denselben, schon aus Furcht vor dem Mißtrauen ihrer barbarischen Herrscher, so solid, daß sie sich, wie wir bereits angeführt haben, das Aeugniß allgemeiner Ehrlichkeit verdient haben. . In Constantine zumal treten sie uns sogar als Fabrikanten der nützlichsten Lebensbedürfnisse entgegen. Auf diese Weise haben sie sich eine gewisse Wohlhabenheit gesichert, die ihnen die Schmach vergessen machte, unter der sie lebten. Awar dursten sie aus Politik schon diese Wohlhabenheit nie zur Schau tragen, und es contrastirte dieselbe gar sehr mit den unsaubem Quartieren, in die sie dermaßen zusammengedrangt erschienen, daß wenn eine Epidemie ausbrach, unter ihnen jederzeit die meisten Opfer fielen. Allein Israel hat in seiner tausendjährigen Bedrückung so sehr von dem Prinzip absehen gelernt, daß es sich, zur Ruhe seines Gemüths, mit einer gewissen edeln Resignation stets in den sactischen Bestand zu -finden gewußt und im immer wach erhaltenen, moralischen Selbstgefühl der Geschichte überlassen hat, die Schmach zu rachen, die man auf seinen Scheitel hauste. Der Beweis dafür ist ohnstreitig schon in den moralischen Motiven zu finden, die wir im ersten Artikel andeuteten; wem dies aber nicht genügen wollte, den führen wir unter andern auch auf den jüdischen Begrabnißplatz Algiers, den uns Thomas Campbell beschreibt, und unsre Meinung wird sich rechtfertigen. Hier unmittelbar an der Pforte jenes zweiten Lebens, wo jeder Mensch den Pilgcrstab niederlegt, um von einer oft mühevollen Reise auszuruhen, hier werden in den wortreichen Grabschristen die Seufzer laut, die jeder im Gewühle der Menschen in seine Brust verschließt, und gleichsam aus der Seele des befreiten Todten heraus spricht das durch den Druck beleidigte Menschengefühl die ernste Sprache des Weltgerichts, gemischt mit der elegischen Wehmuth der gekrankten Menschenbrust. — Es ist gewiß, die jüdische Bevölkerung an der Küste Nordafrikas hat wenigstens nie die Bildsamkeit verloren, wenn ihr auch die. Bildung abging; sie hat nie die Sehnsucht nach dem Bessern verlaugnet, wenn sie auch mit-aller Resignation sich dem factisch Bestehenden ohne die leiseste Aeußerung von Mißmuth fügte. Sie hat dies zur Gnüge gegen die französische Invasion und deren Herrschaft bewiesen. Die jüdische Bevölkerung kam den Franzosen mit offnen Armen entgegen. Wir wollen ihr kein Verdienst darauf grün- 16