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Der Orient · 1840-04-11 · 15 (11.4.1840) · p. 226

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
15 (11.4.1840)
Article
Schem-Thob Palkeira's Berichtigungen ...
Date
1840-04-11
Page
226 (sequence 2)
Language
German
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227 Schern-Lhob Palkeira^s Berichtigungen. Die Erforschung der Idee des Judenthums. 228 genaue Kenntniß des KB zum Verstandniß des Sinnes unerläßlich ist. sDiese letzte Bemerkung ist fein und richtig; jedoch hat das Jbn-Tibbons die mit dem Geiste des More vertrauten Ausleger nicht irre geführt. Schem-Thob und Efodi erklären richtig: insofern er ein natürlicher, mit einer forma naturalis oder subs t antialis begabter Körper ist.j (Fortsetzung folgt.) Die Erforschung der Idee des Iudenthums, ein nothwendiges Erforderniß für unsere Zeit. Eine Skizze. (Schluß.) So löblich nun aber und anerkennungswerth auch die literarischen Bestrebungen unserer klassisch-gebildeten Glaubensbrüder sind, so viel sie auch zur Förderung der Wissenschaft des Iudenthums beizutragen sich bemühen, so viel sie auch dazu Leitragen, das materielle und geistige Wohl Israels zu fördern, so betrüblich und schmerzlich ist es uns, an ihren Leistungen, mit Ausnahme einiger vorzüglichen Versuche, den Mangel einer wahrhaft historisch-philosophischen Auffassung des Iudenthums haften zu sehen, weshalb wir aus ihren Schriften nur die verschiedenartigen Erscheinungen, das A e u ß e r e, nicht aber das Wesen, das Innere, die Idee des Judenthums kennen lernen. Und dies löst uns auch das Räthsel, wie nunmehr wieder der Formalismus, wenngleich in einem deutschen Mantel gehüllt, aus seinem Schlupfwinkel hcrvorkriecht, und unser Äthmen beengt, vbschon bei seinem ersten Erscheinen die wahren Theologen gegen diesen Feind mit der zürnenden Macht des heiligen Wortes, die Weltkinder, mit den Waffen, die einem jeden gegeben sind, anrückten. Man hört zwar oft und vielfach von einem historischen Judenthume sprechen, aber cs ist dies auch nur ein Sprechen. Denn wenn Geschichte nicht nur die Erkenntniß des Thatsachlichen, sondern auch den Gruud, das Warum desselben zu ermitteln hat, und somit Weltgeschichte die Realisirung der allgemeinen göttlichen Vernunft ist, so hat jedes historische Volk, als einzelnes Moment der gesammten allgemeinen göttlichen Idee, die Aufgabe, das in ihm liegende Besondere, durch seine geschichtliche Dialektik zur Allgemeinheit zu entwickeln. Jedem historischen, wenn auch nicht weltherrschenden Volke ist also eine gewisse Aufgabe gestellt, die es aus und durch sich selbst, und zwar einzig und allein durch sich selbst, lösen muß. Das Judenthum, als etwas Historisches, und ein solches ist es, wenngleich es seine politische Selbstständigkeit verloren, muß also ebenfalls ein gewisses Princip in sich tragen, das es zur absoluten Idee verarbeiten muß, um dadurch ein Allgemeines zu werden. — Es wird zwar von allen Seiten zugegeben, daß die Realisirung der Idee des Monotheismus das Princip des Judenthums sei; allein welche Stufen der Entwickelung dieses Prinzip innerhalb des Judenthums zurückgelegt, zu welcher Erscheinung das Wesen desselben bis jetzt gekommen, und zu welcher Stufe es sich noch entwickeln soll, das hat noch Keiner historisch-philosophisch entwickelt, und darauf gerade kommt es am meisten an, wenn man den richtigen Standpunkt des heutigen Judenthums angeben, begreifen und beurtheilen will. Ich verstehe hier unter Erscheinung den Reflex, den das Prinzip auf die innere, kirchlich-dogmatische, wie auf die äußere, materielle Gestaltung des Lebens geäußert, so wie unter Wesen das lebendige und belebende Princip der Erscheinungen, welches durch seine eigene Vermittelung allmalig zum Begriffe und sodann zur absoluten Idee sich entwickelt. — Daß aber die Idee des Iudenthums (der Monotheismus) sich in Wahrheit ihrer Natur gemäß innerhalb des Iudenthums fortentwickelt, und nunmehr fast die subjekt-objektive Stufe erreicht hat, wird wohl Keinem entgangen sein, der nur je einen denkenden Blick in das Leben und in die philosophische Literatur Israels gelhan hat, und es ist demnach auch die kühne Behauptung der Orthodoxen, daß es in Wahrheit zu aller Zeit nur Einen israelitischen Glauben gegeben habe und gebe, unwahr.*) Denn ist es denn wirklich ein und derselbe Glaube gewesen, der in den Zelten der Patriarchen lebte, den Moses in der Wüste lehrte? Ist es derselbe israelitische Glaube, der zur Zeit der Richter das Volk belebte, den die göttlichen Propheten mit der Feuerzunge ihrer Begeisterung predigten und den die Daviden mit ihrem Dichtertalente besangen? Ist es derselbe israelitische Glaube, der mit Israel aus dem heiligen Lande wunderte, oder derselbe, den sie aus der Gefangenschaft in ihre Heimat wieder zurückbrachten? Ist es derselbe israelitische Glaube, von welchem die Rabbi's in ihren Schulen zu Suva, Liberias u. s. w. disputirten, derselbe, der von Philo symbolisirt und von den nachmaligen Rabbinen fast umzäunt worden? Ist es derselbe israelitische Glaube, den Saadja geglaubt, den Iehuda Halewy und Bechaji weiter ausgebildet, und der endlich durch Maimuni eine eigentlich freie philosophische Richtung bekommen? Ist es derselbe Glaube, den später ein Spinoza zu einem Pantheismus zu gestalten wußte, der in neuester Zeit von Mendelssohn und seinen Mitgenossen bekannt worden, und der jetzt die Gemüther Israel belebt, erwärmt, stärkt und vereinigt, um die überkommene Religion in ihrer Reinheit zu überliefern der spätesten Nachwelt? Oder haben wir nicht vielmehr ein Recht anzunehmen, daß die Lehre (die Idee des Monotheismus) Israel offenbart worden, nicht damit sie ewig bleibe, was sie Anfangs erschien, sondern damit Israel und die Menschheit an ihr, und wiederum sie in und mit Israel gedeihen und erstarken, und beide einer gesunden Entwickelung zur Wohlgestalt und Freiheit theilhaftig werden sollten? Letzteres ist wenigstens >) Die Orthodoxen verstehen unter Glauben auch Idee.

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