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Der Orient · 1840-04-11 · Heft 15 (11.4.1840) · p. 116

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 15 (11.4.1840)
Article
Preßburg: Mitteilung der Petition
Date
1840-04-11
Page
116 (sequence 3)
Language
German
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116 zu ihren Gunsten. Zn. allen Staaten, wo die Negierung.den jüdischen Unterthanen Bürgerrechte verlieh, haben die wohltätigsten Folgen, den Nutzen dieser' Rechtserlheilung bewährt — Wenige Decennien der Freiheit waren dort hinreichend, in-den Juden die ererbten Spuren einer 2000jährigen Unterdrückung zu verlöschen und den gebeugten, aber noch nicht zerbrochenen Geist unserer Glaubensgenoffen von neuem , zu allem Guten und Gemeinnützigen, zu.erheben. — Der Hinblick auf England, Holland, 'Frankreich / Belgien, Dänemark, Würtemberg, Baden, Hessen und Preußen ^— Staaten, in welchen die Juden den übrigen.Landeskindern völlig/ oder doch in den meisten Beziehungen gesetzlich gleichgestellt sind — widerlegt auf's Gründlichste die Befürchtungen von angeblichen Nachtheilen, die man hin und wieder aus Unkenntniß des Judenthums und des gegenwärtigen Zustandes der Israeliten, oder auch aus kleinlichem Eigennütze und sonstigen' unwürdigen Motiven an die Erhebung der Juden zu Staatsbürgern geknüpft wähnte, oder zu wähnen vorgab. — Denn in all den genannten Staaten haben die für die Juden ergriffenen Maßregeln der Gerechtigkeit und Staatsweisheit, nicht nur die davon hie und da besorgte Nachteile nicht zur Folge gehabt, sondern sind nach dem einstimmigen Zeugniß aller Unbefangenen, und den öffentlichen Aeßerungen berühmter Staatsmänner, wie Merilhou, Winter u. A., als in jeder Beziehung wohlthatig und das öffentliche Beste fördernd erwiesen. Jener Hinblick' zeigt uns zur Genüge, daß da, wo die Juden einen etwaigen ungünstigen Einfluß ausüben, dies einzig und allein von ihrer gedrückten und beschränkten Lage herrühre, und daß es daher höchst ungerecht sei, dasjenige, was natürliche Folgen bisheriger'.Beschränkung ist, als Ursache und Dertheidigungsgrund des Fortbestandes dieser Beschränkung anführen zu wollen. Selbst in Rußland, wo bekanntlich die Masse unserer Glaubensgenossen auf einer weit tieferen Bildungsstufe stehet, als die in andern Ländern, verfehlt das in neuerer Zeit für sie erlassene, ihnen viele und bedeutende bürgerliche Rechte einräumende Judenreglement nicht-'bei ihnen auf das Wohltätigste zur Weckung und Bildung eines besseren bürgerlichen Sinnes einzuwirken. , Thatsache ist es, daß, als ihnen im Jahr 1835 Kronländereien im Gouvernement Tobolsk und in der. Provinz Omsk zur .Ansiedelung angewiesen, und sie -Hierzu durch Unterstützung bei der ersten Einrichtung aufgemuntert wurdendie Colonisation den besten Fortgang hatte, M Juden sich dort ausschließend dem Ackerbau widmeten und der Andrang, so groß war, daß im Jahr 1837 die Auswanderung dahin verboten und dagegen..neue Ansiedelungen m Bessarabien, in Neurußt and gestattet wurden, wo sich die nämlichen günstigen Erfolge zeigten»; Beweis genug, daß weder Arbeitsscheu noch Gewinnsucht ist, das den Juden an seine gewohnten Erwerbszweige fesselt, und daß er mit Freuden gemeinnützigen Beschäftigungen sich hnrgiebt, wenn sie ihm nur freigestellt und nicht etwa an Bedingungen geknüpft werden, deren Erfüllung ihm auf seinem Standpunkt unmöglich ist. — Wir glauben daher in tiefster Untertänigkeit uns der freudigen Hoffnung überlassen zu dürfen, daß sosehr auch weit wichtigere- und umfassendere Landesangelegenheiten, die Thatigkeit der hohen Reichs- Versammlung in Anspruch nehmen, — unsere flehende Stimme nicht verhallen, und in den für alles Große und Edle schlagenden Herzen der erhabenen Gesetzgeber, Anklang finden werden. — Die huldreiche Gewährung unserer untertänigsten Bitten würde, hunderttausend Landeskinder zu einem neuen würdigen Leben wecken, würde für! sie ein neuer Grund zur tiefsten: Verehrung und innigsten Dankbarkeit gegen die. .erhabenen Reichsstande, würde sie noch inniger und unauflöslicher an das Vaterland^ knüpfen und zu noch treueren und gehorsameren Unterthanen machen. < Lemberg, 10. März. In dem Zustande unserer Gemeinde ist täglich ein Fortschreiten zum Bessern sichtbar, wenigstens ist ein Verschwinden des Stillstandes bemerklich. Unsere so eben neuerwahlten Vorsteher, die Herrn M eyer Myses, Meyer Minz, so wie die H^rrn Goldb a um, Fi sch e l Du bs,. L ob S te rnklah r und Hirsch So kohl streben unecmüdet für ba6: Wohl, der Gemeinde.' Bei der großen gegenwärtig hier herrschenden Theuerung haben die genannten Vorsteher treffliche Anstalten für die Armen getroffen, und die Gemeindeglieder erkennen es ' dankbar an. Was die Bildung der Gemeinde betrifft, namentlich in Bezug auf neue Anstalten für die Jugend , so ist freilich bis jetzt noch kein bedeutender Fortschritt bemerkbar, aber eS ist schon erfreulich, wenn Anfänge sich zeigen. In einer Stabt, wo der finstere, und fanatische Ehasiädismus soffest und tief wurzelt, wo ein maaßloser Aberglauben neben der Verkümmerung des Geistes das Zepter brüderlich theilen, da kann von einem plötzlichem Aufleuchten der Bildung keine Rede sein.' Aber der Vorstand ist ernstlich und energisch mit der Wegräumung des Chasidaismus beschäftigt, und ein erfreuliches Beispiel dieser Gesinnung kann ich dem Orient hier mittheilen. Die in. dem ganzen Lemberger Kreis herrschenden Ehasidim, die unter dem Namen Chadaschnm bekannt und noch immer unter dem (schon längst-verstorbenen). Rabbi von Siditschon stehen,^ werden jetzt ernstlich von Seiten der Vorsteher lzurückgedrangt, so. daß die Bemühungen dieser Leute,, um. von der Negierung die Erlaubniß weiterer Zusammenkünfte zu erlangen, ganz fruchtlos blieben. Gebe Gott, daß man bald auch von den ein Gleiches berichten könnte., Verlag von E. L. Fritz sch e. - Druck vonI. H. Magel.

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