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Der Orient · 1840-04-11 · Heft 15 (11.4.1840) · p. 115

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 15 (11.4.1840)
Article
Preßburg: Mitteilung der Petition
Date
1840-04-11
Page
115 (sequence 2)
Language
German
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115 und zum Beweisegebraucht wurde, „daß der größte Theil der Juden, cheils aus Superstition, theils aus Indolenz, theils aus Arbeitscheu und Liebe zum Handel und Schacher jeder Reformihrer bürgerlichen Verhältnisse abhold ist, und : aus der gegenwärtigen: Lage gar nicht heraus zu kommen wünscht." Dieser Umstand ist es besonders, wodurch die israel. Unterthanen dieses Königreichs sich gedrungen fühlen, ihrem bisherigen Brauche treu zu bleiben, und sich'auch der gegenwärtigen hohen Reichsversammlung mit unterthanigster Supplik zu nahen. Daß die bürgerliche und politische- Lage-der hierlandischen Israeliten noch immerhöchst traurig ist, und dem in allen übrigen Verhältnissen vorherrschenden bessern Geiste schroff entgegensteht, bedarf keines weitläufigen Beweises. Zwar ist in dieser Beziehung, wie von uns dankbar: anerkannt werden muß, hie und da schon -manches Gute geschehen. Zwar sucht die duldsamere Praxis und der weltbekannte Edelmuth der ungarischen Nation manches Herbe und Unerträgliche zu mildern; noch aber tritt das Gesetz, dieses Lebensfernem alles politischen Daseins, dem Juden bei jedem Schritte hemmend und^ nicderdrückend entgegen, überhaust es ihn in seinen' vielfachen Ausschließungen undBeschrankungen mit Schmach und Schimpf, und entwürdigt ihn in den eigenen, wie seiner Mitmenschen Augen.. Noch bestehen in dieser Hinsicht alle gesetzliche Bestimmungen früherer, finsterer Jahrhunderte, ja es ist sogar historisch nachzuwrisen, daß sich die Juden h ier im M ittelaltec-ein es -. grö ßeren Rech tsgebietes und einer ehrenvolleren-Stellung zu erfreuen Hatten, als jetzt im Jahrhundert des Rechts unddes Lichts. Noch immer ist . den Juden der - Erwerb von Grundeigenthum, der Hauserbesitz. in.Freistädten, das Pachten der Güter und Mauchen, der Äusenthalt in manchen Distrikten und Ortschaften des Landes untersagt, ist ihm der Weg zu öffentlichen Anstellungenzur Advocatur, ja sogar der Eintritt in allen christlichen Zünften und Innungen versperrt. Doch wozu das traurige Bild in allen seinen düstern Zügen ausmalen-. Es ist mit dem Einen, Alles in sich fassenden, genug. - Noch immer wird der Jude, den das Vaterland schon vor' acht Jahrhunderten in seinen Schooß ausgenommen hat, der mit allen Fasern seines innern und äußern Lebens in dem heiligen Lande dieses Vaterlandes wurzelt, und bereit ist, es mit Gut - und Blut zu vertheidigm, als Fremdlinge im. Lande betrachtet,. während jeder Fremdling-doch allenchalben nur eine kurze Zeit zur Naturalistrung bedarf. Welche nachtheilige Wirkung eine solche antisociale Stelle inmitten der bürgerlichen Gesellschaft - nach allen Seiten und Beziehungen hin hervorbringt, wie sehr sie auf alle Lebensverhaltnisse der Niedergedrückten,- mehr aber aus die moralische und intellectuelle Bildung derselben den verderblichsten Einfluß ausüben muß, bedarf noch weniger einer weitläufigen Auseinandersetzung. — Und wahrlich/ mit herzerhebendem Selbstbewußtsem dürfen wir uns sagen, daß wir weit besser und würdiger sind, als wir wohl in natürlicher Folge des langwierigen Druckes sein sollten. Bewußt sind wir's uns, daß wir, an Treue und Ergebenheit gegen das theure Va< terland, den übrigen Unterthanen nicht nachstehen, daß wir selbst, ohne gleiche Teilnahme an. den gemeinschastlichen Rechten aller Staatsbürger, dennoch an den gemeinschaftlichen Lasten derselben bereitwilligst Theil nehmen, und gleich zur Förderung gemeinnütziger Zwecke mit Freuden nach Kräften beitragen. Bewußt sind wir's uns, daß unter aller erlittener Schmach und Erniedrigung, wir uns den Sinn für Ehrenhaftigkeit und Menschenwerth treu bewahrt haben; daß daher die meisten jüdischen Vater ein sehnsüchtiges Verlangen tragen, ihre Kinder dem Schacher und Kleinhandel entziehen und dem Landbau und' Erwerbfleiß zuwenden zu können, und.daß wir unablässig bemüht sind, unsere inneren Verhältnisse zeitgemäß zu regeln und zu ordnen, Schulen,-worin die vaterländische Sprache und Landkunde zünden wichtigsten/und eifrigst betriebenen Lehrgegenständen gehört; und andere nützliche Institute in unserer Gemeinde ins Leben zu rufen; aus dem Leben aber Alles zu bannen, was mit Recht ein Gegenstand des Tadels oder Spottes zu sein verdient. — Bewußt sind wir's uns endlich, daß weder unsere Religion, noch unsere Volksthümlichkeit uns wie unsere Gegner hier und da vorgeben, zu einem selbstsüchtigen, menschenfeindlichen Separatismus prädisponire, dasi wir die Pflichten der Liebe und Gerechtigkeit keineswegs blos auf die Brüder im Glauben, sondern aus alle in Gottes Ebenbild erschaffene Menschen erstrecken, und bei aller religiösen Absonderung, in allem was dem Menschen als. Menschen nahe gehet, was zur bürgerlichen und gesellschaftlichen. Ordnung gehört, was in Bezug auf das gegenseitige Verhältnis, Recht und Pflicht ist,- mit unfern christlichen Mitbrüdern, ein Herz und eine Seele zu sein wünschen. —- Und dies Bewußtsein, wie der Umstand, daß schon die Reichsversammlung v. I. 1791 die Nothwendigkeit einer Verbesserung unserer Lage einstimmig. anerkannte, und die Ausführung derselben in Aussicht auf den nächstfolgenden. Landtag stellte, seitdem aber ein halbes Jahrhundert dahin gegangen ist, ohne daß diese Angelegenheit wesentlich vorgerückt wäre, dies ist es, was uns Muth und Vertrauen einflößt, eine hohe Reichsversammlung in tiefer Unterwürsigkeit zu bitten: „Sie wolle in ihrem göttlichen Berufe einen Akt der Humanität und Gerechtigkeit an uns: vollziehen, und in Beherzigung der -Nothwendigkeit' einer Verbesserung unserer bürgerlichen Verhältnisse, diese zum Gegenstand der Berathung machen und: die Diskussion hierüber mit der Erklärung schließen: den Israeliten des Königreichs Ungarn die. staatsbürgerlichen'Rechte ertheilt werden sollen.^ Wir enthalten uns jeder weiteren Begründung dieser unterthanigste-n Bitte, spricht doch die Erfahrung eben so offenkundig, wie. Recht undMenschlichkeit

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