Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 13 (28.3.1840)
- Article
- Sendschreiben ... an Chajim Selig Slonimski
- Date
- 1840-03-28
- Page
- 194 (sequence 2)
- Language
- German
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195 196 Sendschreiben S. I. Rapaport's. Dr. Krafft^s Proben aus Tachkemoni. da fragte ihn Gamliöt: Glaubest du denn, daß wir auf der See eine so lange Verzögerung haben werden, daß du dich mit Mehl versorgst? Jehoschua erwiederte: Es giebt ein Stern, der allsiebzigjahrig erscheint und die Schiffer irre leitet; vielleicht erscheint er jetzt und leitet uns irre. Gamliel: So viel besitzest du von dieser Wissenschaft und du reisest und verläßt deine Schüler? Jehoschua: Du wunderst dich über mich , du solltest dich über meine zwei Schüler, die ich zu Land habe, wundem! Diese können fast ausmessen die Tropfen des Oceans, .und dennoch haben sie weder Brod zum essen, noch ein Gewand, sich damit zu bekleiden! u. s. w.). Diese Reise siet gegen 89 n. Ehr. vor und der erwähnte Stern ist der obengenannte Komet, und Rabbi Jehoschua wußte, daß die Zeit gekommen sei, wo er erscheint, und nicht aus Unkenntnis, sondern in der Weise der Bibel erwähnt er die runde Zahl siebzig. Auch das, was Jehoschua von dem Jrreteiten der Schiffer gesagt, wird uns durch diesen Kometen klar; denn die für die Schiffer wichtigste Sterngruppe im Alterthum war der sogenannte Wagen oder der große Bär, weit er, obgleich im Ganzen an einem Platze bleibend, doch zu gewissen Stunden in der Nacht sich verwandelt und der Schiffer erkannte daraus die Richtung, die er zu nehmen hatte. Wir wissen aber aus dem Halley'schen Kometen, daß er seine Bahn zwischen die Räder des Wagens hin nimmt und zuweilen dessen Gestalt so sehr verändert, daß man kaum seinen eigentlichen Stand erkennen kann, wie wir es bei seinem jüngsten Erscheinen gesehen. Wir hätten also über das Erscheinen dieses Kometen im Jahre 16 und 89j n. Chr. annähernde Zeugnisse aus jüdischen Schriftstellern. — (Schluß folgt.) Aus Alcharisi's Tachkemoni» Einundzwanzigste Makame» Cheber Ha-Keni prellt zum Bedauern -- um sein Geld einen Bauern. (Fortsetzung.) Nachdem er lange mit Geduld geruht,— ergriff ihn endlich Unmnth, — und er steht auf mit Schweigen, — und will sein Thier besteigen. — Da springt der Wirth ins Mittel, — und packt ihn bei seinem Kittel, — und spricht: „Heda! Geduld! Geduld! — zuvor bezahle mir deine Schuld!" — Der Bauer spricht: „Laß mich gehen! — was willst du dich unterstehen? — Ich habe ja nicht bestellt den Braten, — sondern war nur als Gast geladen." — Da begann der Wirth ihn zu packen — am Nacken, — und mit Schlägen zu spicken — seinen Rücken — und rief: „Wann Hab' ich geladen dich Kunden — und Vagabunden? — Zahle drei Thaler oder du wirst geschunden, — bis daß du wiedergiebst was du verzehrt, — und der Hunger dir zwiefach wieverkehrt!" — Da schreit der Bauer: Treffe den Kerl die Schwerenoth, — der geweint hat über meines Vaters Tod. — Ich sagt' ihm: mein Name sei Abida aus Gibeon, — und er verdreht meinen Namen in Abidan Gideoni Sohn, — bis die Schlange mich gebissen, — und der Jammer mich, zerrissen!" — Und erst als er bezahlt, dürft' er sich packen, — und Thränen rollten über seine Backen. Als er aber gelangte nach Haus, — brach er in diese Klagen aus : „Der Schelm, der mich in wilde Gluth versetzt, Ach hält' ich ihn mit meinem Schwert zersetzt! Noch nie in meinem Leben sah ich ihn, Bis er an meinem Jammer sich geletzt; Der über meines Vaters Tod geweint, Lacht weidlich über meine Leiden jetzt." — Der Erzähler spricht: Als ich die Worte Cheber's vernahm, — erkannt' ich, daß ihm Keiner an Schelmerei gleichkam, — und sprach zu ihm: Wahrlich, du hast nicht Deinesgleichen; -— Keiner kann dich an Worten erreichen, — und an Schelmenstreichen. -- Mit deiner Zunge gewinnst du Helden, — in deiner Laune ersinnst du Wetten. — Du täuschest Alle, die dir nahn, — und fällst, wie ein Löwe, Feind und Freunde an!" — Da lacht' er meinem Wort -— und fuhr fort: Weil ich die Menschen alle täuschen sehe, So täusch' auch ich, wer kömmt in meine Nähe; Ich würge, wie die Lämmer, so die Leuen, Ich fange, so die Löwen, wie die Rehe; Auf daß ein Gleiches Listigen und Thoren, Den Narren und Verständigen geschehe. Und also sah ich ihn entweichen, — und staunte seinen losen Streichen, — und seinem Kopf, dem ersindungsreichen. * * * Vierzigste M e k a m e. Schwert und Feder sind im Streite, — wer den größten Nutzen bereite. Heman, der Esrachite erzählt: Nachts lag ich in meinem Bette, — doch der Schlaf floh meine Ruhestätte; — ich war voll Bangen und Kummer — und voll Verlangen nach Schlummer: — als ich am Thor ein Pochen hörte — von einem, der Einlaß begehrte. — Da ries ich: Wer pocht so spat ans Thor? — „Ein Mann, der den rechten Weg verlor,— und den der Jammer zum Freund' erkor!" — Wie ich nun merkte die Schneide seiner Zunge, — rief ich meinem Knaben: Heda! Junge! — schleuß auf dem Gast — ohne Rast! Als der Mann eintrat mit Stock und Pack, — mit zerlumptem Rock und Sack, sah ich ihn an — und erkannt' unsem klugen Kumpan, —-