Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 12 (21.3.1840)
- Article
- Salomon Pleßner's Confirmtionsreden
- Date
- 1840-03-21
- Page
- 188 (sequence 3)
- Language
- German
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189 190 Salomon Pleßner's Consirmationsreden. Literarische Skizzen und Berichte. Midraschim, und selbst im Schlußgcdicht der 18. spricht der Knabe: tobax, ms jatta nttpri nisoro p’pip. . f)j;ü bro ■ eine Anspielung auf jene Ansicht, daß durch den Regenbogen Gott. andeute, die Welt in ihrer Verderbtheit verdiene den gänzlichen Untergang, oder eine abermalige Sündfluth. In der ersten, der gelungensten Predigt, zeigt der Vers., daß sich der erwachsene Mensch zu Gott, wie das sich bewußte Kind zum Vater verhält, und führt dieses Verhältnis worin sich gleichsam das ganze, menschliche Leben abspiegelt, auf eine das Gcmüth sanft berührende Weise durch. — Doch ist (S. 7.) das Hindeuten bei diesem nicht verwaisten Knaben auf ein elternloses Kind um so mehr lästig.-nda der Zusammenhang dadurch leidet. Eine ähnliche Unterbrechung findet sich in der schon gerügten 14. Rede; dort spricht der Knabe vom Jünglingsalter, wie es unter den Jahreszeiten dem Frechlinge am meisten gleicht, stattet darauf der Mutter den ihr gebührenden Dank ab, beweist alsdann die Schwäche des Weibes (!), und kehrt wieder zum Frühling zurück, der wie ein deus ex ma* china nun hervorspringt. Die zweite Rede, welche nur mit andern Worten die in der ersten enthaltenen Sentenzen ausspricht, kommt dieser an klarer Auffassung und Durchführung nicht gleich; die dräte schließt sich an die zweite an, und wird hier folgenden Satzes wegen besonders erwähnt: „Moral, die Tochter der Vernunft (S. 33), schließt und folgert nur von dem Anblicke einer sinnlichen und sichtbaren Welt aus das Dasein einer übersinnlichen; aber Religion-schaut und fühlt das, was mit fleischlichen Augen nicht wahrgenommen wird." Die Moral halt mit der ihr verwandten Philosophie gleichen Schritt, und hat im Verlaufe, der Geschichte sich nicht darauf beschrankt, das Sein, (wie die Eleaten) als das höchste Princip, und für das Dasein Gottes nur den Beweis anzunehmen, welcher von der sinnlichen und sichtbaren Welt ausgeht. Der Philosophie sollte Hr. P. überhaupt kein Lebewohl sagen, da er sie n o ch nie mit einem Willkommen begrüßte. Ein Philosoph würde sich wohl hüten den Knaben anzureden: „Sie schlichen sich hin (S. 122), diese ersten Jahre deines Lebens (nämlich: die ganze Reibe von Jahren, die der Angeredte bis zu seiner Einsegnung zurücklegte), ohne daß du dir des D a se i ns b e w uß t wärest", und. würde zuvor bedenken, daß das Bewußtsein vom Dasein sich allmählkg im Menschen entwickelt, und daß der Knabe schon mehrere Jahre, vor seiner Einsegnung Bewußtsein von seinem Dasein erlangt habe. Ein'Philosoph würde nicht behaupten, daß (S. 95) beim Auszuge der Israeliten aus Egypten „der Gottesdienst (der Dienst, den man Gott schuldet, also Dienst objectiv genommen) mit dem Sklavendienst (dem Dienste der Sklaven, i. e. subjectiv) abwcchselte". Aus Abneigung gegen die Philosophie, aus Haß wider das Höchste denken, das Denken des Denkers, spricht Hr. P. zu seinem Zögling (S. 57): „Du wirst ihn sehen dort in hohen Lüften .... den Engel des Todes mit gezücktem Schwerte, und zu seinen Füßen stürzen sehen die jugendlichen Opfer böser Leidenschaft, weichender frühe Genuß vom Baume der Erkenntnis; (i. e. Philosophie) um das Leben und die Lebensfreuden gebracht hat. " Also die Philosophie, der sich selbst denkende und über alles Anschauliche und Sinnliche erhebende Gedanke führt zur Sinnlichkeit, zur Ausschweifung? Sind Himmel und Hölle so nahe, daß der Mann, der in die höchsten Regionen sich, hinaufschwingt, in den finstern Orcus fallen muß? (Schluß folgt.) Literarische Skizzen und Berichte. Herxheiirier's rPentateuch. So eben ifi auch das dritte Heft, das schon einen großen Theil von Exodus in sich faßt, von dieser volksthümlichm Bearbeitung des Pentateuchs des Herrn Dr. Herxheim er erschienen. Das, was Hr. Dr. Herxheimer versprochen, nämlich einen correkten hebräischen Text, eine worttreue recht fließende Übersetzung, eine zeitgemäße durchführende Erklärung, ist getreulich und nach Kräften gehalten; denn der Bearbeiter benutzt die besten und gediegensten Werke für seine exegetischen und antiquarischen Texterläuterungen. Es ist eben so gut benutzt Rosenmüller, Bohlen und Luch, wie Heidenheim und Meklenburg, und mir jedem Hefte scheint der Bearbeiter Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit zu verstärken. Aber trotz der rmgemeinen^Bllligkeit des Preises (denn das ganze Werk, aus 10 Heften bestehend, kostet nur 24 Tbaler), finden wir doch den Druck unschön und unpraktisch; übrigens zahlt'jeder Käufer!etwas mehr, wenn er ein Buch schön ausgestattet bekommt. Eine kritische Besprechung des Werkes werden wir in diesen Blättern nächstens mittheilen. Arnheims Jozerot - Aebersetzurig. Unter den deutschen Pijutim sind bekanntlich die Jozerot, oder Sabbatgesänge, die schwerverständlichsten, unklarsten und an Wortformen fremdartigsten, und schon eine grammatisch-genaue Herstellung des Textes ist eine sehr schwierige Aufgabe, zu deren Erfüllung ein tiefes.Eingehen in den Geist der neuhebräischen Sprache gehört, geschweige denn eine Verdeutschung derselben. David Otensoßer versuchte zuerst, soviel mir bekannt, eine Verdeutschung derselben zu veranstalten, dann Rafael Fürstenthal; aber diese Übersetzungen sind oft fast eben so unverständlich, als der Text selbst; und es konnte nicht anders sein, da die mannigfachen midraschischen Bezüge, die überladene Namensymbolik, die Kühnheit der grammatischen Construction, die talmudische Mythie und die Voraussetzung einer hagadischen Exegese nicht nur eine einfache Verdeutschung, sondern sogar eine Paraphrase unmöglich machen. Herr A r n h e i m har seiner sehr schönen Verdeutschung noch erklärende Glossen hmzugefügt, worin die Bezüge auf Talmud und Midrasch und die sprachlichen Härten erläutert werden, so daß diese Ausgabe (bei H. Praußnitz in Glogau) unter den vorhandenen .entschieden die vorzüglichste ist. Es ist höchst erfreulich, daß Herr Arnheim mit seinem echt wissenschaftlichen Geiste, sich dieser volksthümlichen Ritualliteraturzugewendct, wenn auch nur um der wuchernden Unwissenheit entgegenzuarbeiten. Der vorstorbenene W. Heidenheim kann ihm hierin als Muster dienen. 'Möge Hr. 2(* in einer ausführlichen Einleitung zu den Jozerot eine Ueberschau der Dichter derselben, so viel man von Ihren Verhältnissen weiß, und über den Sprachbau in denselben, so. wie über die Benutzung der hagadischen Schriften etwas Zusammenhängendes mit- Lheilen.