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Der Orient · 1840-03-21 · 12 (21.3.1840) · p. 187

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
12 (21.3.1840)
Article
Salomon Pleßner's Confirmtionsreden
Date
1840-03-21
Page
187 (sequence 2)
Language
German
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187 Salomon Pleßner's ConsirmationsrHen. Historischer Nachweis der Consirmation. 188 gmheit darbietet, das göttliche Wort zu vernehmen —- ein nur zu häufig vorkommender Fall sogar in größern, jüdischen Gemeinden — als auch für solche, die alle Sonnabend geregelte Vorträge anhören. können. Für beide Klaffen aber bilden sie gleichsam ein Schutzmittel gegen geisttödtende profane Lectüre und 'ein Hülstmittel, jüdische Grundsätze und jüdische Lehren zu verbreiten unter das Volk, das in neuerer Zeit viele Sprachen erlernt, nur nicht seine ihm angehörende, das viele Religionssyfteme kennt, nur nicht das ihm notwendigste und unentbehrlichste. Zur Belehrung aber auch für angehende Theologen, die aus Mangel einer jüdischen Facultür weder Vorlesungen über Homiletik hören, noch homelitische Uebungen haben können. Vorliegende Reden,, die alle zu einem und demselben Endzweck gehalten, und die ausschließlich für ein bestimmtes Alter, für Knaben , abgefaßt sind, können nur letzterem, nicht aber ersterem, oben aufgestelltem Zwecke Genüge leisten. Dieser An-. sicht scheint auch Vers, beizupflkchten, indem er in seiner Vorrede die Confirmationsreden sonst b e r ü h m t e r j ü bischer Prediger ihrem Zwecke nicht angemessen findet. Er wollte gewissermaßen Gesetze schaffen, Regeln aufstellen, wie solche Predigten an den jedesmaligen Wochenabschnitt oder an die zugehörige Ha ft a r a sich anschließen müsse; der Zweck dieser gedruckten Eonfirmationsreden ist-also: den Theologen homiletische ^Grundsätze aufzufteUen, und, ihnen, nicht aber dem Volke Lehren zu geben. Allein hier stößt Res. auf einen sonderbaren Ausspruch des Hrn. P., der S. 64 sich nochmals wiederholt, daß nämlich dergleichen Reden gar nicht auf jüdischem Grund und 'Boden gewachsen seien, sondern sich erst in neuerer Zeit in die Synagoge und zwar als solche (?) ein geschlichen haben. Dennoch führt Hr. P. selbst, dem sonst schwerlich eine Hagada im Talmud oder Midrasch entgeht, den frommsten und strengsten Rabbi an (Simon Ben-Jochai S. 17 und 52), der am 13. Geburtstage seines Sohnes ein glänzendes Gaftmahl seinen gelehrten Freunden gab. Ferner lesen wir im N» den Ausspruch r DTO miJ?D niisW m5SD nS'liW'COSJtK DIO ITÖD aus welchem wir erkennen,, daß dieser Tag im Judenthume ein Tag des Festes war. Aber nicht ein kahles Gastmahl allein erfreute das Herz und konnte cs erheben, auch Gottes Wort, worin der Jude lebt und stirbt, mußte besprochen werden, denn wir wissen, daß TOS nV| “PUS* pW iWs'tt' HtsW om? inara ,'iWx iWd min nin vbv. Der Knabe selbst hielt gewöhnlich eine sogenannte Derascha, die aus nVTOD und bestand; der Knabe selbst sprach darin von der Feier dieses Tages, von den Pflichten, die er an denselben übernimmt, und von der nunmehr eignen Verantwortlichkeit für seine Vergehungen, von welcher der Vater von Zeit an befreit ist. So heißt es (Jam schel- Salomo, zu e. 7 Baba- Kama), ru.'a Weis* NW miJJD NN LNIN ~)V'Sn CK DVrl im$0/ also die Derascha war Sitte, und machte das Gastmahl zu einer TYTiyD? eben so finden wir in sehr vielen Werken ganze Reden, vom Autor an seinem Einsegnungsfeste gehalten, abgedruckt, und noch bis jetzt hat der Gebrauchin Polen sich erhalten, daß die mit dem Talmud vertrauten Knaben ihr sogenanntes „Wörtchen" sagen. In einer Anm. (S. 64.) spricht Hr. P. selbst von den sonst üblich gewesenen Deraschot, und ist demnach nicht, berechtigt in der Vorrede (S. VI.) die Sache der Consirmation als etwas Unjüdisches anzunehmen und (S. 64) diesesogenannte C o n f i r m a t i o n sfeier als nicht auf jüdischem Grund und Boden gewachsen zu erklären. Sollte jedoch Hr. P. die ausgebildete Sprache in den neuern Reden oder den vernünftig geordneten Inhalt derselben, oder das vom Knaben abzulegende Glaubensbekenntnis oder das Catechisiren tadeln wollen : so fragen wir den geehrten Vers., ob er nicht durch alle seine reindeutsche Predigten in der Synagoge von der alten Sitte im Judenthume, das nur spitzfindige, undeutschc und . unlogische "D e r asch ot kannte, gänzlich abweicht? Ob er wohl streng genommen ein jüdisches Religionsbuch oder irgendein andres jüdisches Werk in deutscher Sprache schreiben und herausgeben durste? Ob er nicht die Fortschritte der Zeit, sobald sie unsrem. Glauben keinen Eintrag tthun, benutzt, und mit Erfolg, zu benutzen scheint? Also diese ganze Consirmationsfeier, im alten Judenthume begründet und im neuern nur verbessert, kann weder getadelt noch abgeschafft werden; wohl aber trifft ein solcher Tadel die dabei fungirenden, modernen Religionslehrer, die mit wässerigen, unreifen Ansichten uns überschwemmen, und unter sich selbst uneinig, bald dies , bald jenes aus dem Judenthume verbannt wissen wollen; die, des Talmuds und der Religion unkundig, den schaalen Deismus zu lehren sich bestreben. Allein diese Giftpflanzen in Israels Gefilden , diese Lehrer wirken nachtheiliger durch Schriften, verderblicher durch andere in der Synagoge gehaltenen Predigten, als durch die seltnern Consirmatio ns reden. Wir gehen zur Kritik der 18 Reden selbst über. Sie lassen sich der Zeit und des innern Werthes nach in zwei Abtheilungen bringen, vorzüglich die Zeit ist es, die hier den innern Werth bestimmt und feststellt. Die frühern kleinen Reden, theils vom Knaben, (wie die 12, 13, 14, 15, 16, 17 und 18) theils vom Lehrer (wie die 11) gehalten, tragen ein eignes Gepräge an sich, das allerdings nicht so zart, rein und geziert, aber besser und treffender ausgedrückt ist. Es mangelt freilich diesen frühern Arbeiten oft an Rundung der Sprache, an logischer Ordnung, an guten und passenden Uebergangen; aber es zeigt sich in ihnen eine größere Mannigfaltigkeit in der Behandlung, ein größerer Reichthum an Gedanken, an Gedanken, die ans dem praktischen Leben'gegriffen, so trefflich an Bibelverse und an andere heilige Sprüche sich anschmiegen. Die übrigen, der Zeit nach spätern und nur vom Lehrer gesprochenen Reden sind besser abgefaßt nach den Principien der Homiletik, schöner geordnet nach den Grundsätzen der Logik, richtiger gehalten nach den Regeln der Grammatik; aber nur zu oft wiederholt sich in ihnen derselbe Gedanke. Der Knabe soll auf die harmlose Vergangenheit seines kindlichen Alters zucückschauen, wo er die zartliebenden, um ihn besorgten Eltern an seinem Krankenbette stehen sieht, ihn zu pflegen, er soll, ihnen seinen Dank abstatten, danken durch Worte, danken durch seine fernern Handlungen, .er soll somit auf die Zukunft sein Augenmerk richten, die Schwierigkeit einen Beruf zu erwählen erkennen, die ihn bedrohenden Gefahren bemerken, Gedanken, die fast in jeder dieser Predigten und häufig mit denselben Worten wiederkehren. Man sieht die Bestätigung jenes Verses: incidit in Scyllani, qui yult vitare■ Charybdim. Doch ist das Mystische in diesen neuern Vorträgen immer mehr in den Hintergrund getreten, und man erkennt auch hierin die Kraft der Zeit, welche die -Mystik und Kabbalistik immer mehr abgeschliffen, und das göttliche Wort, verständig gelehrt, hervorgebracht hat. So lesen wir in der 14. Predigt. (S. 156) eine mystische Lalrmldstelle mit einer noch myftischern Erklärung (aus Sabbat c. 8), wozu des Vers., dritte Anm. recht naiv klingt, und (S. 152) einen andern Talmudipruch, (Baba-Mez.) wo der Rabbi einer vor der Thüre liegenden Schlange zuruft: Entferne dich, damit der Sohn zu seinem Vater eingehe! Ueber- Haupt stcht diese Predigt allen andern an Form und Inhalt bei weitem nach; Hr. P. scheint sie gleichsam als ^Schlacken zu dem Metalle der andern dem Käufer mitgegeben. Ferner enthält die 15. mystische Gedanken zur Erklärung mystischer

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