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Der Orient · 1840-03-21 · Heft 12 (21.3.1840) · p. 96

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 12 (21.3.1840)
Article
Posen: Geschichte der Gemeinde ...
Date
1840-03-21
Page
96 (sequence 3)
Language
German
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96 diesen Kampf für ewige Zeiten beizulegen, so stellte sie in folgenden Bestimmungen die Regeln für das beiderseltige Verhalten der Juden und Christen in einem' zwischen den Juden und dem Magistrat abgeschlossenen und von dem jüdischen Vorstand bestätigten Vertrage fest: 1) In Betreff der Abgaben zahlen die Juden für Befreiung von Einquartirung, von den Grundstücken, 'Häusern-/ Hospitälern, von eigenen und gemietheten .Wohnungen und Gewölben jährlich 1300 polnische Gulden; für d6n Kanal, der hinter der Ummauerung der Juden liegt, 250 Gulden; für die Erlaubniß zur Errichtung eines Schlachthauses 30 Gulden; für die Erlaubniß zu einer Wasserleitung nach der Judenstraße216 Gulden. Zusammen zahlen also die Juden in wöchetlichen Raten an den Magistrat jährlich 20OO Gulden. — 2) Alle alten Rechte, Privilegien, Beschlüsse und Verordnungen bleiben in voller Gültigkeit. Ungarn. Pesth, 15. Sffläq. Unsre Zustande athmen Bewegung und Leben; ein freudiges Ringen, Verlangen und Hoffen thut sich von allen Seiten her kund, erfüllt alle Herzen. Ich darf wohl nicht erst weitläufig erwähnen, welcher großen Angelegenheit diese unsre Hoffnungen gelten. Die Emancipationsfrage ist es, die die Unterhaltung des Tages bildet, der das Ringen gilt, welche die edelsten Hoffnungen nährt, Hoffnungen die vielleicht in mancher Brust kühner sein dürften, als die nächste Zukunft zu gewähren verspricht. Wir' wollen hier kein- Prognostiken stellen, auch setzen wir das vollste Vertrauen in das edle Volk der Magyaren und seine erleuchtete Regierung und immer wird es dem Lande Ungarn nachgerühmt werden müssen, daß es die Juden mit der angebornen, edlen Ritterlichkeit behandelte; aber erwarten, daß alle die genährten Hoffnungen sich im Nu erfüllen würden, hieße den Lauf der Dinge mißkennen und das Dorschreiten der Staaten und Völker als umgezaubert ansehen. Wie dem aber auch sei; was von mehr als dreißig Comitaten beantragt worden ist, die völlige Emancipation der Juden, die große Angelegenheit, für die sich Magnaten und Stande mit so vieler Warme interessirten, der sie bisher schon so manche Concessionen machten, wird ihre segensreichen Früchte auch' in der nächsten Zukunft bringen! .Bereits hat sie schon ihre großen- Früchte getragen, sie hat die Juden selbst' angetrieben, sich um die große Tagesftage zu sammeln, sich thatig, begeistet und kräftig für ihre heiligsten Lebensfragen zu verwenden, sich den zu erhoffenden Concessionen nur immer würdiger zu machen. ' Das ist das Edelste, das Erhabenste, was man thun konnte! Dahm muß es endlich überall kommen, daß man die Emanci'- pationsftage der Juden nicht mehr blos als einen Act des Mitleidens, als das Wiedergutmachens eines Jahrhunderte langen Unrechtes ansieht, sondern daß endlich das moralische Bewußtsein selbst unsre christlichen, vom Schicksale begünstigtem Brüder, nöthigt, uns als Menschen frei neben sich hinzustellen und gleich zu behandeln. Der Anfang dazu ist gemacht, auch die Juden Ungarns haben hierin den nächsten Weg.betreten, der norhwmdig dem Ziele irnmer näher führen muß. Es ist die Reformation der Synagoge im Geiste des Jahrhunderts; die Anlegung und kräftige Unterstützung guter Schulen, die nicht allein das Volk immer höher und höher zu heben im Stande sind, sondern den Gemeinden auch Lehrer geben, die mit erleuchtetem Sinne das geistige Wohl ihrer Gemeinden besorgen. Es ist die immer größere Aneignung socialer Tugenden, in welcher die verflossenen Jahrzehnte so ungemein weit vorgeschritten sind. —- Mit richtigem Sinne haben die Gemeinden Ungarns Männern ihr volles Vertrauen geschenkt, die desselben vollkommen würdig sind; möge es immer so sein und vornehmlich möge man in Einigkeit und Liebe ihr edles Streben anerkennen und zu achten wissen, damit sie nicht ermüden in ihrem Eifer. Ein frommer Wunsch, der um so dringender wird, je weniger noch hier und dork die Synagogen ihre Pflicht erkennen, nach diesem großen, heiligen Ziele hinzuwirken. — Glücklicher Weife ruhen aber ihre kleinen und kleinlichen Zerwürfnisse vor den großen Erwartungen des Tages und werden vor ihnen verschwinden. Rußland. Petersburg, 3. März. Die Judengemeinde von Schlock bei Riga hat in letztgenannter Stadt, nicht ohne bedeutende Geldopftr, eine Elementarschule errichtet, an welche als Direktor der Dc. Lilienthal aus München berufen wurde. Diese Schule ist am 27. Januar dieses Jahres in Gegenwart der städtischen Behörden und der christlichen Geistlichkeit, bei welcher sich auch ein Bischof der russischen Kirche befand, feierlich eröffnet worden. Der Direktor Dr. Lilienthal hielt eine deutsche, und der Lehrer Kluge eine russische Anrede, worauf die Büste des Kaisers von den Schülern bekränzt wurde. — Der Verfasser . des Touda Be - Jisrael, Isaak Bar ^L e w i n - sohn,' ist so eben gestorben; eine Skizze seines Lebens und seiner Schriften werden wir nächstens hier mitthellen. Verlag von C. L. itzschz* Druck von I. H. Nage L

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