Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1840)
- Article
- Algier: Lage der Juden im Gebiete Algier ...
- Date
- 1840-03-21
- Page
- 89 (sequence 1)
- Language
- German
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Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Quartal ist ITHlr. 6. Gr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen. für . ' . jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben . von Dr. Jnlius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 184«. Orient. Algier (Lage der Juden im Gebiete Algier. Unter den Moslems). — Chiwa (über Juden daselbst). Frankreich (Paris, Schluß). — Deutschland (Wien, Erbauung von Synagogen. Die Gemeinde zu Podkamin. Be.rlin, die neue Ausgabe der Masaot. Breslau, über Geiger. Frankfurt a. M. , Schluß. Leipz ig, über Mendizabal. Posen, Schluß.) — Ungarn lPesth, die Emancipationsfrage.) — Rußland (Petersburg). — Literaturblatt des Orients. M is Leipzig, den 21. März Orten t. Algier. Lage der Juden im Gebiete Algier. 1. Artikel. Unter den Moslems. — Um die jetzige Stellung und Lage der Juden im Gebiete Algier gehörig beurtheilen und würdigen zu können, müssen' wir einen Rückblick auf .die Zeit werfen, wo dieselben unter moslemischer Herrschaft schmachteten. Es laßt sich im Allgemeinen gleich im Woraus annehmen, daß das Loos der jüdischen Bevölkerung gegenüber einer Herrschaft, deren Glaubensbekenntnis; sich auf Unduldsamkeit und Fanatismus stützt, nicht das beneidenswertheste gewesen sein kann, wenn man bedenkt, wie viel die Anhänger des mosaischen Bekenntnisses von Christen haben erdulden müssen, deren oberstes Religionsprinzip die allgemeine Menschenliebe ist. Es laßt sich zwar dagegen bemerken, daß die unter den Christen von Geschlecht zu Geschlecht fortgepsianzte Ansicht, die.Juden als die Mörder des christlichen Religionsstisters zu bezeichnen, auch einen Parteihaß verewigt habe, den die Moslemen nicht theilen, im Gegmtheil, stolz auf die Abstammung von Abraham, sich denen verwandt fühlen müssen, die der Herkunft von jenem, von aller Welt als ehrwürdig erkannten Erzvater sich freuen: allein der Fanatismus überwiegt ja alle Gründe der Vernunft, und das bluttriefende Schwert des Propheten, womit sich der Islam Bahn durch die Welt brach, war nicht geeignet, dessen Bekenner menschlicher und vertraglicher zu machen. Der Jude hat seines harten Looses willen, das bereits zwei Jahrtausende aus ihm lastet, gelernt, sich in allen Verhältnissen leicht zu orimtiren und der Erde, die ihn oft bis auf einen Fußtritt verkümmert wird, die leichte, die gefälligere Seite abzugrwlnnen; er hat sich gewöhnt, die Gunst des Augenblicks zu benutzen, um dem veränderlichen Glück einiges Lächeln abzunöthigen, und fo' war es denn auch sein Verdienst, daß er nicht in dem moslemischen Strome., der über den Orient daherstürzte, unterging. Die Perser und Griechen des Mittelalters hatten den allgemeinen feindseligen Geist gegen die Juden nie in das Innerste ihrer Herzen verschlossen, was Wunder, wenn die Juden den siegreichen Islam mit "Hoffnungen begrüßten und sich den Siegern in die Arme warfen? Es milderte auch wirklich ihr Loos, daß sie dem Sieger entgegen kamen, und vornehmlich als Unterhändler große Dienste leisteten, wahrend es freilich den Juden-Haß der. Bekämpfte nur vermehrte. Wir wollen hier keineswegs auf eine weitere moralische Würdigung.dieses Benehmens eingehen, obwohl derselbe Dienst, den die Juden neuerlich dm christlichen Siegern erwiesen haben, von diesen Siegern als etwas sehr Ehrenwerthes anerkannt wird; nur bemerken wollen wir, daß die Moral eines bedrückten, gequälten und verachteten Volkes nothwendig auf sehr schwacher Basis ruhen muß. Wie dem aber auch sei, die Juden errangen sich durch ihre Haltung, eine Stellung und war es auch nur eine gar dürftige. Aber der Vortheil, welchen der, Islam von ihnen zog, bewog denselben, nachsichtiger gegen sie aufzutretm, als es von seiner Menschlichkeit zu erwarten stand. Doch wir wollen uns nur im Vorbeigehen erinnern, daß der Islam außer dem Stachel, den der Fanatismus ihm giebt, an sich 'keiner weitern Entwickelung fähig-ist, und daß darum auch die Verhältnisse der unter seiner Herrschaft geduldeten Juden wesentlich und immer dieselben blieben, d. h. daß zwar die Blatter der Geschichte dieser Periode nur feiten mit dem Blut von ausgedehnten Verfolgungen befleckt erscheinen, daß aber unter, der brutalen Selbstgenügsamkeit, unter der ge- ' : 12 ' v